Dafür werden Filme gemacht!

„Mein Blind Date mit dem Leben“: Gemeinsam sieht man besser

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In der Bar von Max’ (Jacob Matschenz, re.) Vater übt Sali (Kostja Ullmann), Drinks zu mixen, damit er es blind beherrscht.

München - „Mein Blind Date mit dem Leben“ erzählt herrlich unverkrampft eine wahre Geschichte über eine Behinderung.

Es gibt Geschichten, die gehören einfach auf die große Leinwand. Wie heißt der Werbeslogan so schön? „Dafür werden Filme gemacht.“ Für Biografien wie die von Saliya Kahawatte, der mit seiner Art zu leben Vorbild und Inspiration sein kann. Marc Rothemund („Sophie Scholl – Die letzten Tage“) hat sich Kahawattes Biografie geschnappt und daran angelehnt einen Film gezaubert, der Lust darauf macht, dafür zu kämpfen, dass Träume nicht bloß Träume bleiben.

Und die Geschichte ist ja nicht nur filmreif – sie bietet noch dazu herrliche Steilvorlagen für rabenschwarzen Humor. Weil Kahawatte selbst ein Mann mit Witz ist, der sich nie zu ernst nimmt. Seitdem er 15 Jahre alt ist, hat er 95 Prozent seines Sehvermögens verloren. Sich in sein Schicksal fügen, statt seinen Traum von der Hotellerie zu leben? Von wegen! Der heute 47-Jährige verheimlichte seine Behinderung und schlug sich so durch den Hotelalltag – fast unbemerkt.

Wie das geht, dürfen die Zuschauer in Rothemunds bittersüßer Komödie beobachten. Die Autoren Oliver Ziegenbalg („Frau Müller muss weg!“) und Ruth Toma („Emmas Glück“) trauen sich erfrischend unverkrampft, politisch unkorrekte Späße zu machen. Das funktioniert vor allem durch die Figur des Max (Jacob Matschenz), eines Mit-Auszubildenden des blinden Saliya (Kostja Ullmann), der ihm durch die Lehre hilft. Die zwei erinnern an die ungleichen „Ziemlich beste(n) Freunde“, wenn sie nachts im Restaurant von Max’ Vater Cocktails mixen, damit Sali die richtige Mischung irgendwann „blind“ beherrscht. Um sich in ihn hineinversetzen zu können, verschwimmt das Bild immer wieder – und wir können mit seinen Augen sehen, wie es ist, nur minimale Schatten zu erblinzeln.

Man ahnt es schon, das Remake aus Hollywood. Denn diese gelungene Komödie entspricht ganz dem amerikanischen Ideal, dass alles möglich ist, wenn man es nur möchte. Dass sie trotzdem nicht pathetisch-überzuckert daherkommt, liegt an der natürlichen Art der Schauspieler von Anna Maria Mühe bis Ullmann. Und an der Kulisse: Mal nicht hip hip Berlin, sondern München in schönstes Sonnenlicht gesetzt, ein Film, der Lust auf die Landeshauptstadt macht. Vor allem aber darauf, auf seine eigene Kraft zu setzen – doch im Zweifel Hilfe zuzulassen. Denn: „Wer schnell gehen will, geht allein, wer weit gehen will, läuft in Gesellschaft.“ Weisheit kann sehr unterhaltsam sein.

„Mein Blind Date mit dem Leben“

mit Kostja Ullmann

Regie: Marc Rothemund

Laufzeit: 111 Minuten

Sehenswert

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie „Ziemlich beste Freunde“ mochten.

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