Einfach bezaubernd: "My Week With Marilyn"

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Simon Curtis verfilmte in „My Week With Marilyn“ Colin Clarks Erinnerungen, der 1956 die Monroe kennenlernte. Ob sich der Kinobesuch lohnt, erfahren Sie in unserer Filmkritk.

Colin Clark ist ein wohlerzogener, adeliger, reicher junger Bursche. Seine Eltern, typische britische Upper Class, schicken ihn auf die besten Schulen, anschließend studiert er in Oxford. Doch richtig glücklich ist der sympathische 23-Jährige nur, wenn er im Kino sitzen konnte. Filme sind sein Leben, egal wie, egal wo – Colin will unbedingt ins Filmgeschäft. Zum großen Entsetzen und Unverständnis seiner Familie.

Dennoch arrangiert der Vater alles Notwendige, man kennt schließlich die richtigen Leute, und so darf Colin Clark im Jahr 1956 als Laufbursche bei den Dreharbeiten zu „Der Prinz und die Tänzerin“ dabei sein. Laurence Olivier führt Regie und spielt die Hauptrolle, neben ihm soll diese tolle junge aufregende Sexbombe aus den USA zu sehen sein: Marilyn Monroe, soeben frisch mit Arthur Miller vermählt.

Sind Sie ein Kino-Kenner? Die besten Filmzitate

Sind Sie ein Kino-Kenner? Die besten Filmzitate

Über seine Erlebnisse während der Dreharbeiten hat Colin Clark, der später ein erfolgreicher Dokumentarfilmer und Produzent wurde, ein Buch geschrieben, das nun unter dem Titel „Meine Woche mit Marilyn. Eine wahre Geschichte“ (Schirmer/Mosel, 224 Seiten, 17,80 Euro) in den Handel gekommen ist.

Der britische Filmemacher Simon Curtis machte aus dieser Vorlage einen zauberhaft sentimentalen Blick auf ein Kapitel Kinogeschichte, das wiederum nur ein Bruchstück einer weitaus größeren Tragödie bildet, deren Ausgang man kennt und deren Vorzeichen man daher schon in Curtis’ Film wahrnehmen kann. Michelle Williams, die Marilyn Monroe absolut nicht ähnlich sieht, wie ihre letzten Erfolge „Blue Valentine“ oder „Brokeback Mountain“ belegen, setzt hier kaum auf Mimikry. Natürlich sind die Haare wasserstoffblond, und ihre Hüften bewegen sich wie damals bei der echten Norma Jean Baker. Die Oberweite und der Hintern stimmen jedoch nicht, aber das ist egal. Denn Williams verleiht durch ihr zurückgenommenes Spiel der Hollywood-Ikone, der schier zu Tode fotografierten Monroe, dem Star, der bekannter ist als Coca-Cola, deren Posen, Gesten und Augenzwinkern jeder auf der Welt kennt, eine unerwartete Natürlichkeit. Das ist das eigentliche Ereignis in dieser liebenswert-harmlosen Romanze direkt aus den Fünfzigern.

Ähnlich geschickt hat auch Kenneth Branagh seinen Laurence Olivier angelegt. Der große Theatermime, der einen letzten Kassenknüller braucht und dazu das blonde Gift aus Los Angeles in die Londoner Pinewood Studios importiert, wo ihm diese Person ihrer diversen Unpässlichkeiten wegen einen Drehtag nach dem anderen schmeißt – da hätte man Branaghs übliches Zuviel an Schauspielerei erwarten können. Übergroße Gesten, viel Bühnentamtam. Doch Branagh lässt Olivier nicht zur Karikatur eines herrischen Regisseurs werden, verleiht ihm vielmehr eine – wenn auch ungeduldige – Herzenswärme. Oliviers Befürchtungen wurden übrigens Realität: Der mehr als seichte „Der Prinz und die Tänzerin“ floppte. Der gefeierte Schauspielgott war steif, langweilig wie selten und die Monroe so bezaubernd, dass alles und alle verblassten.

Ulrike Frick

Rubriklistenbild: © Ascot Elite Filmverleih

Zurück zur Übersicht: TV & Kino

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser