"Polnische Ostern": Heim zu Opa

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Die originelle Familienkomödie "Polnische Ostern" von Jakob Ziemnicki spielt mit deutsch-polnischen Klischees. Sehen Sie hier den Kinotrailer und die Filmkritik.

Polen. Das ist für die meisten Deutschen nach wie vor unbekanntes Terrain. Mögen in Großbritannien mehr Autos geklaut oder in Weißrussland mehr Wodkas getrunken werden – das Land jenseits von Oder und Neiße wird in den deutschen Medien nach wie vor mit permanentem Kfz-Diebstahl, übermäßigem Alkoholkonsum, fanatischem Katholizismus und unentwegten Deutschenhass assoziiert. Keinesfalls der rechte Platz also, um ein siebenjähriges Mädchen großzuziehen, findet der bärbeißige Bäckermeister Werner Grabosch (Henry Hübchen) aus Rendsburg.

Nach dem Tod seiner Tochter wächst die kleine Mathilda (Paraschiva Dragus) bei ihm auf. Bis Tadeusz (Adrian Topol), der aus Polen stammende und auch seit längerem wieder dort beheimatet Vater Mathildas, seine Tochter zu sich holen möchte. Die Jugendämter beider Länder sind einverstanden. Nur Grabosch ist klar: Der Pole kriegt das Kind nicht! Beim Osterbesuch einige Wochen später macht sich der verbitterte alte Mann auf nach Czestochowa, die Enkelin heimzuholen.

Regisseur und Autor Jakob Ziemnicki, selbst gebürtiger Pole, hat mit „Polnische Ostern“ eine höchst pointenreiche, originelle Familienkomödie gedreht. Ziemnicki zertrümmert lustvoll die Klischees der deutsch-polnischen Beziehung, erfüllt sie im nächsten Augenblick aber wieder mit großem Genuss. Wenn Verkehrssünder Werner mit Priester und Streifenpolizist drei „Vater Unser“ und zwei „Ave Maria“ beten muss, weil 400 Zloty Geldstrafe einfach zu viel sind. Oder die Autodiebe das Kommunionskleid für die Enkeltochter noch freundlich an den nächsten Laternenmast hängen, bevor sie mit Graboschs Mercedes davon rauschen.

„Polnische Ostern“ ist ein respektables Filmdebüt, mit vielen frischen Ideen, mit Witz und Herz, liebenswerten Charakteren und einem exzellenten Ensemble. Das Beste am ganzen Film ist aber zweifellos Henry Hübchen als ungläubiger und fremdenfeindlicher Opa Werner. Der hat, mit grauer Schiebermütze und beigefarbener Popelinejacke bewaffnet, bis zum versöhnlichen Ende eine gehörige Wandlung zu durchleiden. Hübchen balanciert diesen zänkischen Alten leichtfüßig und fein zwischen Satire und Tragödie. „Die ostdeutsche Antwort auf Marcello Mastroianni“, wie Hübchen zu DDR-Zeiten gerühmt wurde, beweist hier gerade in den leisen Momenten, dass eine gelungene Figur im Film immer beides sein muss – leicht und schwer, komisch und berührend.

Ulricke Frick

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