Iron Man 2: Männer in Stahl-Strumpfhosen

  • schließen
  • Weitere
    schließen

„Iron Man 2“ ist ein lässiger Film, der die Action-Szenen pflichtschuldig abarbeitet und sich dann seinen Figuren widmet. Am Donnerstag kommt er in die Kinos, hier gibt es den Trailer zum Film.

Wer dabei war, vergisst nicht: Als AC/DC im vergangenen Jahr in München aufspielten, krachte eine Dampflokomotive auf die Bühne, dann kam das erste Gitarrenbrett. „Iron Man 2“ startet mit „Shoot to Thrill“ der australischen Hardrocker und endet mit „Highway to Hell“. Die Musike ist die Lok dieses Film, der auch sonst an ein AC/DC-Konzert erinnert: geradeheraus, ohne Schnörkel und mit Volldampf nach vorn. Großartige Unterhaltung – selbst wenn beim Niveau Luft nach oben bleibt.

Jahrezehnte haben Comic-Verfilmungen darunter gelitten, dass die Kamera nicht aufzeichnen konnte, was in der Fantasie der Zeichner, Texter und ihrer Leser so spektakulär aussah. Dank digitaler Aufnahmetechnik und Computeranimation hat das Kino aufgeschlossen und steht jetzt vor einem neuen Problem: Manche Produktion wirkt gar zu perfekt, die Comic-Helden auf der Leinwand sind allzu steril, und der Zuschauer sehnt sich nach dem Charme der von Hand gezeichneten Sprechblasen-Heftchen. Denn selbst Pixel-Schlachten ermüden.

Doch es gibt Ausnahmen – und wie der erste Teil gehört auch „Iron Man 2“ dazu. Zwar arbeitet auch in Jon Favreaus Film die Tricktechnik auf höchstem Blockbuster-Niveau – die am Computer programmierten Kampf- und Materialschlachten sind ganz so, wie man das erwarten darf. Aber eben auch ganz so, dass sie allein auf Dauer langweilen würden – wären nicht die Schauspieler.

Es ist also nicht die Doppelpeitsche aus elektrischer Strahlung, mit der Ivan Vanko den Rennwagen von Tony Stark zerlegt und dem Schöpfer des Iron Man an den Kragen will, um zu rächen, was dessen Vater dem seinen angetan hat, die nachhaltig Eindruck macht. Es ist das sardonische Lächeln, mit der Mickey Rourke diese Peitsche schwingt, das in Erinnerung bleibt. In Rourke, dem erstaunlichsten Schauspiel-Rückkehrer der vergangenen Jahre, hat Regisseur Favreau sowieso den bestmöglichen Gegenspieler für den smart-arroganten Playboy Tony Stark gefunden. Rourke genügen eine Handvoll russischer Sätze in diesen zwei Stunden und dennoch ist er von dämonischer Präsenz. Ein viel zu großes, über und über tätowiertes Tier in einem viel zu kleinen Käfig. Kaum ist Rourke das erste Mal zu sehen, fragt man sich auch schon, wann er explodieren wird.

Seine Figur bringt die Geschichte ins Rollen, als durch Vankos Angriff auf der Rennbahn der Welt klar wird, dass dieser russische Fleischberg die „Iron-Man“-Technik besitzt, die dessen Erfinder Stark bislang vor Militärs und Öffentlichkeit mit dem Hinweis geheim hielt, nur bei ihm würden sie nicht in falsche Finger geraten.

Der Film nimmt dann natürlich den zu erwartenden Verlauf. So kann der Zuschauer neben den bereits Genannten auch Gwyneth Paltrow, Samuel L. Jackson oder Scarlett Johansson gespannt dabei zusieht, wie sie verdammt lässig ihrer Arbeit nachgehen, ohne von einer allzu komplizierten Dramaturgie abgelenkt zu werden.

Zudem hat Robert Downey jr. während er dafür sorgt, dass einzig sein Iron Man Chef im Ring ist, wunderbar Gelegenheit, zu zeigen, wie viel Freude ihm die Rolle macht. Man ist dankbar, dass er dabei stets durchblicken lässt, dass es natürlich albern ist, wenn sich erwachsene Männer in Superhelden-Strumpfhosen zwängen. Selbst wenn diese aus Stahl sind.

von Michael Schleicher

Zurück zur Übersicht: TV & Kino

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser