Ein bisschen Fernseh-Ruhm

Hier werden "Tatort"-Komparsen gecastet

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Albertina Garise posiert für den Fotografen der Castingagentur.

Köln - Gesucht werden „internationale Gesichter“, heißt es im Aufruf der Agentur Eick. Komparsen für den Kölner „Tatort“. Beim Casting wird ein Hotel in Troisdorf zur Bühne.

Die Schlange vor dem Hotel in Troisdorf bei Bonn wird länger und länger. Immer mehr Menschen kommen - viele Araber, Asiaten und Afrikaner sind unter ihnen. Alle greifen nach den weißen Formularen, die ein Mann am Eingang verteilt. Wer sich an diesem Samstag vor dem „Primula“ eingereiht hat, ist nicht auf der Suche nach einem Hotelbett. Es geht um ein kleines bisschen Fernseh-Ruhm. Auf einem gelben Zettel neben der Tür steht das Wort „Casting“.

Für den Kölner „Tatort“ werden „internationale Gesichter“ gesucht, heißt es im Aufruf der Casting-Agentur Eick. Die Kleindarsteller und Komparsen werden für Szenen im Asylbewerberheim benötigt, teilte eine WDR-Sprecherin mit. Die Kölner Kommissare Max Ballauf und Freddy Schenk ermitteln dort in einem Mordfall. „Wenn die Seele platzt“ lautet der Arbeitstitel des Krimis, der voraussichtlich im kommenden Jahr ausgestrahlt wird. Die Dreharbeiten beginnen im April.

Albertina Garise ist mit ihren beiden Kindern nach Troisdorf gekommen. Ihr Freund hat den Aufruf im Internet entdeckt. „Ich habe mich gefreut, dass wir direkt angesprochen wurden“, sagt sie. Ursprünglich kommt die 38-Jährige aus Simbabwe, seit zehn Jahren lebt sie in Deutschland.

Dass sie im Tatort wohl eine Asylbewerberin spielen wird, stört sie nicht. „Das ist schon in Ordnung.“ Believe und Friedrich, Garises Kinder, tollen herum, drehen ihre Runden um den kleinen Stehtisch, an dem die Mutter die Bewerbungsbögen ausfüllt. „Einmal im Fernsehen sein, das wäre schon toll.“

In die Hotel-Lobby kommen mehr und mehr Menschen, die Sitzplätze werden langsam knapp. Zwischen lilafarbener Deko sitzen Familien und Freunde - es ist bunt geworden. An diesem Samstagmittag wird Troisdorf zu einer kleinen Weltstadt.

An einem Tisch sitzt Nhat-Huy Nguyen. Seine Eltern kommen aus Vietnam, der 20-jährige Student ist in Deutschland aufgewachsen. „Ich wollt mal schauen, was schauspielerisch so geht“, sagt er. Ob er wirklich Schauspieler werden möchte, weiß er allerdings nicht. Aber probieren könne man das ja mal.

Wenn Nguyen sich eine Rolle aussuchen könnte, wäre das nicht die eines Asylbewerbers. „Doch beim Schauspielern muss man in Rollen schlüpfen. Außerdem fühle ich mich nicht so deutsch-deutsch, von daher ist das schon okay“, erklärt er. Aufgeregt ist er vor dem Casting nicht, den Kölner Tatort schaut er eher selten. „Ich hatte einfach nichts Besseres zu tun, jetzt bin ich hier.“

Albertina Garise und ihre Kinder haben mittlerweile die Bögen fertig ausgefüllt. Mit einigen anderen Bewerbern geht es für sie nun in einen Nebenraum. Und auch hier heißt es wieder: anstehen. Allerdings geht alles recht schnell - obwohl es furchtbar eng ist und es verschiedene Schlangen gibt. Die Assistentinnen sammeln die Bögen ein. Im Gegenzug bekommt jeder eine Nummer. Garise ist die 3074. Dann kurz vor die Kamera, Zettel hochhalten, einmal lächeln - und fertig. Der Nächste, bitte. Ob sie die kleine TV-Rolle bekommen haben, das wissen die Bewerber in zwei bis drei Wochen.

dpa

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