Zwei Brüder und eine Bank

„Hell or High Water“: Kein Land für arme Schlucker

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Zwei gegen die Bank: Den Brüdern Tanner (Ben Foster, li.) und Toby (Chris Pine) droht die Zwangsversteigerung ihrer Farm.

München - „Hell or High Water“ ist ein höllisch unterhaltsames Katz-und-Maus-Spiel im modernen Wilden Westen.

Im wahrhaft Wilden Westen, im tiefsten Texas, wo Schusswaffen offen getragen werden dürfen, wird inzwischen nicht nur mit Bleikugeln gekämpft, sondern auch mit Knebelverträgen und Wucherzinsen. Vor 150 Jahren haben weiße Siedler dieses Land den Komantschen geraubt, nun wird es den Nachfahren jener Siedler wieder weggenommen: von skrupellosen Bankern.

Zwei ungleiche Brüder, der besonnene Toby (Chris Pine) und der hitzköpfige Tanner (Ben Foster), versuchen verzweifelt, sich aus dem Würgegriff ihrer Kreditgeber zu befreien und ihre verpfändete Farm vor der Zwangsversteigerung zu retten. Sie tun dies auf typisch texanische Art: indem sie die Filialen jener Bank ausrauben, die ihre Familie drangsaliert. Doch der ebenso scharfsichtige wie scharfzüngige Texas Ranger Marcus (Jeff Bridges) heftet sich mit seinem Partner Alberto (Gil Birmingham), halb Komantsche, halb Mexikaner, gnadenlos an die Fersen der Brüder. Zwei gegen die Bank – eine Art „Bonnie und Clyde“ für die Immobilienblasen-Ära, ein höllisch unterhaltsames Katz-und-Maus-Spiel, spannend bis zum blutigen Showdown, gewürzt mit messerscharfen Dialogen und schwarzem Humor, so staubtrocken wie die Landschaft des Stetson-Staates – all das bieten Autor Taylor Sheridan („Sicario“) und Regisseur David Mackenzie („Young Adam“) mit „Hell or High Water“. Sie können auf fabelhafte Darsteller bauen, allen voran der große Lakoniker Jeff Bridges („The Big Lebowski“). 

Wie eine Mischung aus Inspektor Columbo und dem Dude legt er den knorrigen Polizisten an, hinter dessen Zyniker-Fassade sich eine anrührende Verletzlichkeit verbirgt. Auch die beiden Brüder, die sich in schönster Robin-Hood-Manier bei den raffgierigen Geldinstituten bedienen, entpuppen sich als verblüffend vielschichtige Figuren, genauso abgründig und unberechenbar wie der ganze Film. Der changiert zwischen packendem Bankräuber-Thriller, sozialkritischer Satire, Neo-Western, Charakterstudie, Road Movie und fast dokumentarischer Analyse der ländlichen US-amerikanischen Mittelschicht.

Unterstützt durch einen wunderbar atmosphärischen Folk- und Country-Soundtrack von Nick Cave und Warren Ellis, fängt die Kamera in flirrenden Cinemascope-Bildern die Landschaft ein, ihre Weite, ihre Schönheit, ihre Trostlosigkeit. Die Kleinstädte, in denen das Brüder-Duo seine Überfälle verübt, sind infolge der Immobilienkrise gespenstisch leergefegt. Überall stillgelegte Betriebe, verlassene Häuser und geschlossene Läden – nur die Banken scheinen noch geöffnet zu haben. Und an jeder Ecke werben riesige Plakate für dubiose Kredite. Statt „No Country for old Men“ müsste es hier heißen: „Kein Land für arme Schlucker“. Ein Ort, an dem die Grenzen zwischen Gut und Böse längst verwischt sind – der perfekte Ausgangspunkt für ein grandioses Westerndrama.

„Hell or High Water“

mit Chris Pine und Jeff Bridges

Regie: David Mackenzie

Laufzeit: 102 Minuten

Hervorragend

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie „No Country for old Men“ mochten.

Marco Schmidt

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