Moderator über Ex-Politiker: "Ein fundamentaler Wandel"

Westerwelle bei Jauch kaum wiederzuerkennen

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Erstmals sprach Ex-Außenminister Guido Westerwelle über seine Blutkrebs-Erkrankungen im Fernsehen. Bei Günther Jauch gab Westerwelle Einblicke über seinen aktuellen Gesundheitszustand, Tiefpunkte in der Therapie und die Lehren, die er daraus gezogen hat. Für den Moderator saß ein neuer Mensch vor ihm.

Er empfinde ein "unglaubliches glückliches Gefühl", das er wieder mit Menschen zusammenkomme so Westerwelle. Mal gehe es ihm besser, mal schlechter, es seien Wellenbewegungen. Aber wenn er an die Ängste vor einem Jahr zurückdenke, gehe es ihm im Vergleich heute sehr gut.

Westerwelle spricht über seine Todesängste

Die Diagnose Leukämie sei auf ihn "von einer Sekunde auf die andere" hereingebrochen, ohne Symptome, die daraufhin deuteten. An die Gesunden unter den TV-Zuschauern gerichtet sagt er: "Das Leben kann sich von jetzt auf gleich ändern. Man wundert sich, wie schmal der Grat ist."

Auf die Frage von Jauch, inwiefern er Todesangst erlebt habe, offenbart Westerwelle eine Situation, nachdem sein Körper abwehrend auf eine Infusion reagierte. Es sei gewesen, als habe man ihn nackt in eine Kühlkammer gelegt, er habe gezittert wie verrückt, "Herz, Puls, Kreislauf, nichts funktioniert mehr, Schweißausbrüche. Da gab es einen Moment, da dachte ich, so fühlt es sich also an, das Sterben", so der ehemalige FDP-Vorsitzende.

Dass die Krankheit Westerwelle grundlegend verändert hat, wird im Verlauf des Interviews mehr und mehr deutlich. Der Moderator spricht von einem 180-Grad-Wandel bzw. einem "fundamentalen Wandel", den er bei seinem Gast ausmacht. Es scheint dem TV-Mann so, als sitze ein neuer Mensch vor ihm, nicht der Politiker, den er über Jahrzehnte kannte.

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Und tatsächlich kommen Sätze aus dem Mund des ehemaligen Außenministers, die man in seiner politischen Karriere niemals erwartet hätte. Zwar spricht er von sich meist nur in der dritten Person ("man"), der Selbstschutz-Panzer des Politikers ist noch nicht ganz abgelegt, doch erhält man auch Einblicke in sein innere Seelenbefinden. Dass er während seiner Chemo mit abrasierten Haaren und im Bademantel wie jeder andere Patient über den Krankenhausflur geschlichen sei, sei ihm "völlig gleichgültig" gewesen. Die Krankheit egalisiere alle.

Die Chemo- und Strahlentherapie führte den Rheinländer an seine körperlichen Grenzen. Das eigene Immunsystem wurde zerstört, um den Boden für ein neues Immunsystem zu schaffen."Man wird selber dem Tod und dem Sterben nahe gebracht durch die Behandlung und die Bestrahlung und die Chemos, um Überleben zu können", erklärt Westerwelle in der ARD.

Besonders zu schaffen machte ihm die körperliche Isolation von seinen Lieben zum Schutz vor Infektionen. Berührungen haben ihm gefehlt. Als er nach 15 Tagen Behandlung von seinem Ehemann im Rollstuhl endlich mal wieder aus dem Krankenhaus geschoben wird, erlebte er ein "unglaubliches Glückgefühl", erfreute sich über die Natur vor seinen Augen. "Man lernt das Einfache schätzen und lieben." Er könne nun solche Augenblicke, wie einen Sonnenaufgang, viel mehr genießen und beschäftige sich nicht mehr so sehr mit "Kleinkram".

Politiker-Zitate "wie aus einer anderen Welt"

Als Jauch einen Einspielfilm laufen lässt mit barschen und aggressiven Wahlkampftönen und Parteitagsreden von Westerwelle, gesteht der Ex-Politiker, das dies wie "aus einer anderen Welt" stamme. Jedoch schränkt er auch ein, dass einige Szenen schon älter seien. "Da will ich jemanden sehen, der in 20 Jahren nichts dazugelernt habe".

Was deutlich wird im Gespräch mit Westerwelle: Es waren die zwischenmenschlichen Begegnungen, aus denen er neue Kraft geschöpft hat, die seine Lebensbatterien immer neu aufgeladen haben, wie er sagt. Auch von politischen Konkurrenten habe er viel Zuspruch erfahren ("solche bedrohlichen Krankheiten schütten ja auch Gräben zu").

Ebenso habe er von Passanten immer wieder aufbauende Worte erhalten. Junge wie ältere Menschen hätten ihn angesprochen und Glück gewünscht. "Und das hilft!" Er halte es deshalb für falsch, wenn Erkrankte sich zurückziehen und mit niemanden über den Krebs reden wollen. Das sei "absolut ungesund". Er jedenfalls wolle sich bedanken für all den Zuspruch und etwas zurückgeben von all den guten Worten, anderen Menschen nun selbst Mut machen.

Ein Leben retten - "das ist doch schön"

Mehr Infos zum Thema Knochenmarkspende:

bayern-gegen-leukaemie.de

dkms.de

Westerwelle richtet auch einen Appell an die Fernsehzuschauer sich als möglicher Knochenmarkspender registrieren zu lassen. Es koste nichts, würde auch nicht schmerzen, doch man könne eventuell ein Leben retten. "Das ist doch schön!"

Seinen eigenen Spender kann Westerwelle erst nach Ablauf der Zwei-Jahres-Frist kennenlernen, wenn beide Seiten es wünschen. Darüber wolle er aber erst nachdenken, wenn er ganz über den Berg sei.

Politisches Comeback?

Sein momentanes Ziel sei die vollständige Genesung und die Teilhabe am Leben. An ein politisches Comeback denke er nicht mehr. Auf diese Frage von Jauch entgegnet Westerwelle: "Da habe ich komplett andere Sorgen!"

Zuschauerreaktionen auf Twitter

Auch viele Zuschauer zeigen sich verblüfft über den Wandel von Guido Westerwelle infolge seiner Erkrankung. Für sie wirkt er stark verändert:

mg

Quelle: rosenheim24.de

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