TV-Talk mal anders

Gysi zu Lanz: „Warum trinken Sie eigentlich rosa und wir weiß?“

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Die ominöse Flüssigkeit im Glas von Markus Lanz zog die Aufmerksamkeit von Gregor Gysi auf sich.

Hamburg - Bei Markus Lanz geht es eigentlich um aktuelle und gesellschaftlich relevante Themen. Das gesprochene Wort steht im Vordergrund. In der Sendung am Dienstag zog etwas anderes die Aufmerksam auf sich: Der Moderator trinkt etwas, das er seinen Gästen nicht anbietet.

Wohnzimmeratmosphäre mit Knabbereien oder auch Getränken mit Geschmack ist in professionellen Talkrunden nicht erwünscht - auch wenn die meisten Menschen die Diskussionen wohl in diesem Umfeld vor ihrem Fernseher verfolgen. Die Gäste haben meist ein kleines Glas Wasser neben sich stehen. Gerade so, dass sie ihre Stimmbänder befeuchten können, wenn sie sich heiß geredet haben.

Lanz bekommt eine Extrawurst

So ist das auch bei Markus Lanz. Schlichtes Studio in rot-orange, beige Sessel mit kleinen Beistelltischen für die kleinen Wassergläser. Der Moderator, dem es nur selten die Sprache verschlägt, beansprucht aber offenbar eine Extrawurst für sich - was dem Linken-Politiker Gregor Gysi natürlich nicht entgangen ist.

Gysi war in der ZDF-Talkrunde am Dienstag zu Gast. Zusammen mit Schriftsteller Martin Suter, Journalistin Sabine Anton und Christian Lammert, der den Blog „Trump-Watch“ betreibt. Und um Trump drehte sich auch das Gespräch. Gysi hatte viel zu sagen und kam auch oft zu Wort, da fiel es Lanz schwer, das aus dem Politiker rauszukitzeln, was er gerne hören wollte. 

Gysi fordert Gerechtigkeit - auch bei der Getränkewahl

Der drehte den Spieß nämlich einfach um. Als Gysi von der Deregulierung der Banken sprach - auch ein Grund, warum sich Amerikaner gegen das politische Establishment gewendet haben - zog er einen Vergleich zum Bäckermeister heran. „Wenn der Bäckermeister kurz vor der Pleite steht kommt keiner vorbei und zahlt seine Schulden, bei den Banken ist das anders“, so Gysi. 

Lanz versuchte, diese Gerechtigkeitstheorie zu entkräften, schließlich seien die Brötchen vom Bäcker ja nicht systemrelevant. Da drehte sich Gysi zum Beistelltisch, als wollte er zu seinem Glas greifen. Schaute gespielt verdutzt auf das Glas (mit Henkel) von Lanz, das daneben stand. Nahm es in die Hand, wie ein Pfarrer, der den Kelch mit dem Wein segnet. „Sagen Sie mal, Herr Lanz, warum trinken Sie eigentlich rosa und wir weiß? Was ist denn bei Ihnen da im Glas.“

Lanz trinkt seinen Früchtetee tiefrot

Das Publikum lachte schon, als Lanz anfing zu stammeln, dass er ja eigentlich immer Früchtetee trinke. Dieser hier habe aber wohl zu wenig gezogen. „Normalerweise ist der tiefrot“, meinte Lanz. Das geht in einer Sendung, in der ein Politiker der Linken zu Gast ist, natürlich nicht. „Damit keiner denkt, ich würde mich bei Ihnen anbiedern, haben die ihn heute ein bisschen weniger rot gemacht. Nicht so kommunistisch.“

So lieferte Lanz eine Erklärung für den etwas blassen Früchtetee in der Sendung am Dienstag - allerdings nicht dafür, warum er seinen Gästen nur Wasser anbietet. Das ließ Gysi nicht durchgehen, lehnte sich zurück und meinte mit hochgezogenen Augenbrauen: „Also Sie trinken Früchtetee und wir Wasser - na, immerhin.“

Einen Rotwein?

Der Moderator kam nicht umhin, seinen Gast zu fragen, was er denn trinken wolle. Gysi im Loriot-Tonfall: „Wasser.“ Lanz: „Wollen Sie einen Rotwein?“ Gysi: „Nein, auf keinen Fall. Ich muss ja nüchtern sein bei Ihnen.“ Lammert war es schließlich, der das Getränke-Intermezzo beendete und die Diskussion wieder aufgriff.

Etwas später in der Sendung sorgte Lanz aber für etwas Schadensbegrenzung. Da sprach Gysi gerade davon, wie wichtig die Kirche für die Moral in der Gesellschaft ist. Lanz: „Wir nähern uns so an, Herr Gysi. Sie kriegen jetzt noch einen Tee von mir.“ Der stand schon bereit - tiefrot.

scw

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