Offener Brief an den Intendanten

Oberbürgermeister fordert Ende des Dortmund-Tatorts: Der WDR mobbt unsere Stadt 

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Die Kommissare Nora Dalay (Aylin Tezel) und Jan Pawlak (Rick Okon, Mitte) mit dem ehemaligen Bergmann Stefan Kropp (Andreas Döhler) in einer Szene des Dortmund-Tatorts „Zorn“.
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Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau hat sich öffentlich beim WDR-Intendanten über die „klischeehaften“ Tatort-Folgen aus Dortmund geärgert - und fordert, sie abzuschaffen. Seine Stadt sei ein Mobbingopfer. 

Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau ärgert sich, der WDR mobbe seine Stadt. 

Dortmund - „Dat Leben hier in Dortmund, dat is dat Schönste vonne Welt.“ So sehen es viele Bewohner der Ruhrgebietsstadt selbst. Und deswegen war es für die Dortmunder nur konsequent, dass der WDR ihnen 2012 einen eigenen Tatort geschenkt hat. Die erste Folge „Alter Ego“ zeigte Dortmund als Hochglanzstadt*, ohne schäbige Ecken. Das Tatort-Team erfand den sperrigen Hauptkommissar Peter Faber: einen schwierigen Mann mit undefinierbaren Problemen (inzwischen wissen die Tatort-Zuschauer mehr über ihn), der einen langen braunen Parka trägt, den er nie auszieht. Faber ist einer, der kalte Ravioli direkt aus der Dose isst, in seinem Büro schläft, sein Team anmotzt und im Dienst ein lecker Pilsken in der Kneipe bestellt. Das ist okay für die Dortmunder, sie mögen Schauspieler Jörg Hartmann in seiner Rolle. Doch in den Folgen danach zeichneten die Drehbuchautoren das Bild einer hässlichen, problembelasteten Stadt. Oberbürgermeister Ullrich Sierau sieht seine Stadt sogar als Mobbingopfer und hat deshalb am Wochenende einen offenen Brief an den WDR-Intendanten Tom Buhrow geschrieben, über den weit über Dortmunds Grenzen hinaus diskutiert wird. 

Oberbürgermeister Ullrich Sierau über den Dortmund-Tatort: „fortwährendes Mobbing“

Seine frühere Aussage, dass ein Tatort die Stadt „adelt“, will Sierau zurücknehmen: „Was sich in vorherigen Folgen schon angedeutet hat, lässt sich nach der Folge von Sonntag nur als fortwährendes Mobbing gegenüber einer Stadt, einer Region sowie den dort lebenden Menschen bezeichnen“, schreibt der Oberbürgermeister. Sierau vermisst ein „ein Mindestmaß an Bezug zur Realität“, auch wenn er natürlich wisse, dass ein Tatort keine Doku, sondern Fiktion ist. „Das Bild, das am Sonntag über die Orte der Handlung in Dortmund und Marl sowie über die gesamte Region zu bester Sendezeit bundesweit vermittelt wurde, ist an Klischeehaftigkeit nicht mehr zu überbieten.“ Dortmund Oberbürgermeister schimpft, das sei „maximal lächerlich“, so als würden die Münchner Hauptkommissaren Ivo Batic und Franz Leitmayr Lederhosen tragen und Schuhplatteln: „Es wäre derselbe Effekt, es wäre genauso daneben.“

Darüber hinaus wirft der Oberbürgermeister dem WDR-Team vor, den Strukturwandel im Ruhrgebiet zu ignorieren, stattdessen plump an Ruhrpott-Klischees aus den 1980er-Jahren festzuhalten. Damit disqualifiziere der Fernsehsender die Menschen und sich selbst. Sierau habe daher sogar nichts dagegen, wenn die Folge „Zorn“ vom Sonntagabend die letzte in der Dortmunder Tatort-Reihe wäre. Durchschnittlich 9,22 Millionen Zuschauer hatten den Krimi am Sonntag im Ersten verfolgt. 

(Wie denken Sie, liebe Zuschauer, darüber? Schreiben Sie es in die Kommentare.) 

Am Dienstag veröffentlichte der WDR eine Stellungnahme: „Aus dramaturgischen Gründen wird auch verdichtet und zugespitzt. Dadurch können einzelne Szenen von den einen als Klischees empfunden werden, von den anderen als realistische Darstellung.“ 

Der Dortmunder Tatort thematisiert am 14, April ein Fetisch-Thema - mit extremen Szenen!

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