Miss Sophie und Butler James

"Dinner for one" feiert 50. Jubiläum

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Butler James und der berüchtigte Tigerkopf.

Hamburg - "Dinner for one" ist fester Bestandteil des Silvester-Fernsehprogramms, und das schon seit Jahren. Jetzt feiert der berühmte Sketch sein 50. Jubiläum.

"Verehrtes Publikum, meine Damen und Herren, wir befinden uns hier auf dem Landsitz von Miss Sophie." Wenn der Fernsehansager Heinz Piper alljährlich mit diesem Satz auf den Bildschirmen der Republik erscheint, dann hat auch der letzte Bundesbürger begriffen: Es ist Silvester. Denn Piper gibt die Einführung zum Kultsketch "Der 90. Geburtstag oder Dinner for One", der in diesem Jahr sein 50. Jubiläum feiert - und inzwischen zum Jahreswechsel gehört wie Sekt und Feuerwerk.

Im März 1963 führten die britischen Schauspieler Freddie Frinton und May Warden ihren Sketch erstmalig in der bekannten Fassung im deutschen Fernsehen auf. Weil der Auftritt in der Live-Sendung "Heute Abend Peter Frankenfeld" so erfolgreich war, entschied sich der NDR, das Stück von den beiden Varieté-Darstellern noch einmal aufführen zu lassen. Diesmal um eine Magnetaufzeichnung anzufertigen, welche die ARD wenige Wochen später am 8. Juni ausstrahlte. Diesem Jubiläum widmet der NDR nun zum Jahresende gleich zwei Sondersendungen.

Der knapp 18-minütige Dauerbrenner ist ein Fernsehphänomen und das nicht nur, weil das Stück überhaupt keinen Bezug zu Silvester hat. In Großbritannien kennt den englischsprachigen Sketch kein Mensch. Und der Humor ist auf den ersten Blick so angestaubt wie das Tigerfell im Salon von Miss Sophie, der Stolperfalle für den ebenso loyalen wie trinkfesten Butler James.

Die Geschichte des "Dinner for One" ist umweht von hübschen Anekdoten. Belastbare Fakten sind dagegen rar. Klar ist immerhin, dass der Komiker Frinton mit dem Sketch viele Jahre durch die englische Varieté-Landschaft zog. Es war sein Brot-und-Butter-Stück, das zuverlässig jedes Publikum zum Lachen brachte. Frinton hatte die Rechte daran erworben. Geschrieben hat es Wylie Laurie, ein sonst weitgehend erfolgloser Bühnenautor. Das hat der Journalist Stefan Mayr recherchiert, dessen Lexikon "Dinner for One von A bis Z" pünktlich zur 50-Jahr-Feier in einer Neuauflage erschienen.

"Dass heute kaum etwas über den Ursprung des Stückes bekannt ist, liegt auch daran, dass dieser Erfolg lange nicht absehbar war", sagt Mayr. Tatsächlich landete die Aufzeichnung von 1963 zunächst im Archiv und etablierte sich erst zehn Jahre später allmählich als (west-)deutsche Tradition zum Jahreswechsel. Bis heute lief "Dinner for One" nach Mayrs Zählung über 350 Mal im deutschen Fernsehen. Seit 1988 rangiert die Show im Guinness-Buch der Rekorde als meistwiederholte TV-Produktion. Im Rekordjahr 2004 schauten zu Silvester rund 14 Millionen Deutsche zu.

Damit dürfte"Dinner for One" einer der größten Coups in der Geschichte des öffentlich-rechtlichen Fernsehens sein. Schließlich zahlte der NDR für die Aufzeichnung an Frinton gerade einmal 4150 Mark. Dem Sender gelang es, die Aufzeichnung in über 20 Länder weiterzuverkaufen.

Warum der Sketch über Generationen hinweg Menschen zum Lachen bringt, ist schwer zu erklären. Mayr vermutet, dass der Humor vor allem Frintons Verdienst ist. Dieser hatte das Stück so oft auf Kleinkunstbühnen aufgeführt, dass er jede Bewegung im Traum beherrschte. "Da sitzt jede Sekunde perfekt, und er spielt mit großem körperlichen Einsatz", sagt Mayr. Der Kult beruht aber auch auf Nostalgie. Schließlich sind inzwischen ganze Generationen mit "Dinner for One" aufgewachsen.

Zum kommenden Jahreswechsel senden die Dritten das "Dinner for One" und seine regionalen Mundart- und Dialektversionen fast 20 Mal. Es gibt also reichlich Gelegenheiten, Miss Sophie zum 50. Jubiläum ihres 90. Geburtstags zu gratulieren - "the same procedure as every year".

afp

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