Laura Thies: Mut als neues Lebensmotto

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Regisseurin Laura Thies möchte im Chiemgau ihren Film "Wald der Worte" drehen. Dazu benötigt sie 30.000 Euro.
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Chieming - Laura Thies möchte „frei filmen“, ohne Korsett, ohne Zwänge - demnächst wieder. 30.000 Euro reichen ihr. Die müssen dennoch erst mal aufgebracht werden. Die Regisseurin geht deshalb in die Offensive.

„Ich fahre rum, besuche Bürgermeister und Sponsoren, Medienvertreter“, erzählt die noch 28-Jährige. Als Betteltour will sie es aber nicht verstehen. „Ich tue, was ich tun muss - ohne mich zu verbiegen. Es macht mir Spaß“.

Mit dem amerikanischen Independent-Film „Surviving Family“ hat Laura Thies, die Actress, Director und Editor unter ihrem Namen anfügt, 2012 ein höchst erfolgreiches Langfilmdebüt gefeiert. 26 Auszeichnungen bislang stärkten das Selbstvertrauen und -bewusstsein ins eigene Können. Wobei sie damit nie ein Problem hat(te): „Ich weiß, was ich kann“.

Der „Wald der Worte“

Tim Bergmann.

Die Idee für den zweiten Streifen in Spielfilmlänge (90 Minuten) ist längst Drehbuch-mäßig niedergeschrieben, von Schauspielerin und Freundin Autorin Josephine Ehlert (29). Sie soll auch die Hauptrolle übernehmen. Zwei weitere, im deutschsprachigen Raum nicht Unbekannte, hat Laura Thies fix mit im Boot: Jule Ronstedt („Aus heiterem Himmel“ / „Wer früher stirbt, ist länger tot“) und Tim Bergmann („Echte Kerle“ / „Solo für Klarinette“). Ihr Engagement ist vorerst unentgeltlich. Vielleicht geht Laura Thies auch deshalb davon aus, mit 30.000 Euro für ihr möglichst unabhängiges Projekt „Wald der Worte“, der in Laura Thies’ Vorstellung bei Chieming liegt, auszukommen. „Freilich ist es nie verkehrt, einen Sender oder andere Unterstützer im Rücken zu haben“. Auf der anderen Seite möchte die gebürtige Münchnerin „frei“ arbeiten, weil sie skeptisch ist, wenn es zu dem Sender-System kommt: „Mit diesem Projekt möchte ich mich nur ungern in ein Korsett zwängen lassen – denn dann können wir unsere Ideen wahrscheinlich nur noch bedingt umsetzen“.

Dazu benötigt sie kein dickes Portmonee: „Ich komm mit ganz wenig aus, brauche nicht viel zum Leben“. Laura Thies möchte - ein Stück weit revolutionär - mit ihrem schmalen Budget der großen schillernden Stars- und Sternchen-Filmwelt auch etwas beweisen: „Dass man auch mit bescheidenen finanziellen Mitteln gute Filme machen kann“. Mit diesem Ziel möchte sie die Szene „in Deutschland puschen“.

Die Welt mit anderen Augen sehen

Jule Ronstedt.

Fantasy-Filme haben es der Theater- und Filmschauspielerin, die 2004 ihren ersten Kurzfilm dreht (2005 fertiggestellt), angetan: „Wenn Träume fliegen lernen“ mit Johnny Depp bezeichnet sie als „großartig“. Ihr „Wald der Worte“ trägt das Genre „Bayerischer Mystery-Thriller“. Auf Mord- und Totschlag wird aber wohlwollend verzichtet, die Pläne schwingen eher ins psychische. Dabei geht’s auch um Schamanismus und Alternatives Heilen - Themen, die Laura Thies beschäftigen: „Eine Prise Thrill und die Möglichkeit, unsere alltägliche Welt mit anderen Augen zu sehen“, verspricht die studierte Medienwissenschaftlerin auf der Internet-Fanseite. Eine Geschichte um eine junge Frau, Julika, aus der Stadt. Sie geht für ein paar Wochen aufs Land, um Lösungen für ihre Probleme aus dem Alltag zu suchen. Ihr Ziel: Ein Haus namens Katharina. „Dessen Boden ist die Geschichte“, schmunzelt Laura Thies, die weiters verrät, dass die Story auch vom „Finden des Glücks“ erzählt.

In der Selbstfindung

Sie selbst befindet sich in einer Art Selbstfindungstrip und ist mit knapp 29 freilichnoch nicht am Ziel. Momentan improvisiert sie gern, umgibt sich mit einem Team, das die Leidenschaft teilt. „Ein guter Kameramann ist die halbe Miete“, so die Theater- und Musical-Darstellerin, die schon mit fünf Jahren auf der Bühne stand und sich elf Jahre später bereits einen Lebenstraum erfüllte: „In New York, am Broadway leben“. Nach acht Jahren brachte Laura Thies Erlebnisse en masse und Erfahrungen fürs ganze Leben mit nach Hause - das Visum war inzwischen abgelaufen.

Laura Thies am Chiemsee.

Vorbilder hat Laura Thies nicht: „Ich mach mir nichts aus Namen. Denn die Leute, die nur darauf Wert legen, übersehen die vielen Talente - die es zweifelsfrei gibt“. Die bald 29-Jährige weiß zwar, dass Namen fürs Fernsehen einen großen Stellenwert haben - aber auf dieser Schiene will sich nicht in Richtung Erfolg steuern: „Es kann und sollte auch anders gehen“. Das Filmset wird sich um den Chiemsee herum bewegen, unter anderem in Ising oder Chieming-Stöttham, der alten Heimat, dort, wo noch viele Freunde aus Kindheits- und Jugendtagen zu Hause sind. Im Oktober soll’s losgehen, mit Kameramann Markus Ilschner. Nach 20 Drehtagen soll der Streifen im Kasten sein.

Ab 1 Euro ein Geschenk

Die 30.000 Euro „müssen“ bei der vor ein paar Tagen gestarteten Crowdfunding-Aktion im Internet (http://www.startnext.de/waldderworte) zusammenkommen, damit Laura Thies und Josephine Ehlert ihr Projekt umsetzen können. Werden es bis Ende Februar „nur“ 29.000 Euro, platzt die Sache - vorausgesetzt, es passiert kein „Wunder“. Ab 1 Euro kann jede/r Internet-Nutzer mitmachen und somit auch „ein Teil des Films“ werden, verspricht die sympathische Initiatorin. Kommt die Summe nicht zusammen, werden die Gelderzurückerstattet. Klappt es, bekommt jeder Gönner ein Geschenk: Eine Geländersprosse aus dem Film, ein Stück Tapete, einen Fensterrahmen oder Lichtschalter...

Selbst das Konzept für den übernächsten Film ist bereits real: „Da bräuchte ich jedoch fünf Millionen Euro“, lacht Laura Thies. Sie möchte das außergewöhnliche Leben ihrer bereits 1990 verstorbenen Großmutter biographisch aufarbeiten.

Mut als neues Lebensmotto

Viele Menschen sprachen Laura Thies, die bewusst im Jetzt lebt und es genießt, in den letzten Monaten „mutige Entscheidungen“ zu. „Dabei finde ich es gar nicht so außergewöhnlich mutig, was ich mache“. Und dennoch: Am Ende des Gesprächs verrät sie - ganz leise - ihr neues Lebensmotto, ein bisschen so, als müsse es nicht jeder mitbekommen: „Mut“.

Hans-Joachim Bittner

Quelle: rosenheim24.de

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