"Captain Phillips": Höllentage auf See

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"Kapitän Richard Phillips" (Tom Hanks, l.)  gerät in die Fänge des somalischen Piraten "Bilal" (Barkhad Abdirahman).

Berlin - In einem fesselnden Thriller verfilmte Paul Greengrass mit „Captain Phillips“ die wahre Geschichte eines von Piraten entführten Kapitäns, brillant gespielt von Tom Hanks.

Im April 2009 sticht in Oman das Frachtschiff Maersk Alabama in See. Während der Fahrt um das Horn von Afrika steht die Crew unter dem Kommando von Kapitän Richard Phillips. Das Schiff der US-Handelsmarine hat eine heikle Route vor sich, vorbei an Somalia, einem der ärmsten und politisch instabilsten Länder der Erde. Dennoch ist die Fahrt Routine, wie der erfahrene Seemann Phillips seiner Frau mailt. Doch entern vier Somalis mit Maschinengewehren das Schiff und verbreiten so viel Angst, wie sie selbst haben. Um seine Mannschaft zu retten, begibt sich Phillips mit den Piraten ins winzige Rettungsboot.

Der heute 57-Jährige war der erste US-Kapitän, der von Piraten entführt wurde. Unter dem Titel „Höllentage auf See“ hat er einen sehr spannenden Bericht über die Geiselnahme geschrieben. Den hat auch Regisseur Paul Greengrass gelesen, der für seine Verfilmung dieser wahren Geschichte mit Tom Hanks den besten Interpreten für die Hauptrolle gefunden hat: Stets bleibt Hanks wahrhaftig, lässt aus Phillips nie einen klassischen Hollywood-Helden werden. Vielmehr zeigt er ihn als einen vielschichtigen, um seine Crew besorgten Menschen.

Greengrass, der früher Journalist war, interessierte sich bereits in Filmen wie „Die Bourne Verschwörung“ für politische Machtgefüge und wirtschaftliche Zusammenhänge. Zudem versteht er es, den Pulsschlag des klassischen Actionkinos auf genau abgebildete Zusammenhänge zu übertragen, etwa in den Dokudramen „Bloody Sunday“ über die Eskalation des Nordirlandkonflikts 1972 oder in „Flug 93“ über jenes Flugzeug, das am 11. September 2001 vermutlich ins Kapitol oder das Weiße Haus fliegen sollte. Die fiebrig schwankende Handkamera, eines der liebsten Stilmittel des Briten, kommt in diesem temporeichen Hochsee-Thriller wieder zum Einsatz – kombiniert mit rasanten Schnitten und einem virtuos gestalteten Spannungsbogen, der dabei nie übertrieben wirkt.

Bemerkenswert ist zudem, wie sehr sich Greengrass um Ausgewogenheit bemüht: Er zeigt auch die Seite der Piraten ausführlich. Verzweifelt ist die Lage dieser ehemaligen somalischen Fischer, denen man die Fanggründe längst genommen hat.

von Ulrike Frick

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