Am 7. November

"Blue Jasmine": Neuer Woody-Allen-Film startet

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Die Schauspieler Peter Sarsgaard als Diplomat Dwight und Cate Blanchett als Jasmine in einer Filmszene von "Blue Jasmine".

Los Angeles - Alle Jahre wieder zaubert Woody Allen einen neuen Film aus seiner Wundertüte. Hollywoods Stars stehen Schlange, damit sie beim Altmeister mitwirken dürfen. Nun bekommt Cate Blanchett freie Bahn.

Der Absturz könnte nicht deutlicher ausfallen. Hoch über den Wolken sitzt Cate Blanchett zu Beginn des Films „Blue Jasmine“ bei Schampus in der Ersten Klasse. Als das Flugzeug wenig später landet, illustriert das ihren gesellschaftlichen Abstieg: Die New Yorker Millionärsgattin ist pleite, ihr Ex-Mann als Anlagebetrüger aufgeflogen und im Gefängnis gestorben. Blanchett muss in der Rolle von Jasmine als ungebetener Gast bei ihrer Schwester (Sally Hawkins) einziehen. Jasmine hadert mit der Vergangenheit und verweigert sich zunächst der Zukunft. Filmemacher Allen übt sich in einer Prise Gesellschaftskritik, ohne zu sehr in Dramentiefen zu versinken.

Blanchett gewann bereits einen Oscar für eine Nebenrolle in „The Aviator“. Als beste Hauptdarstellerin wurde sie für zwei „Elizabeth“-Filme nominiert, ging hierbei aber leer aus. Gut möglich, dass ihr die Leistung in „Blue Jasmine“ eine erneute Oscarnominierung beschert. Eindrucksvoll nutzt sie den Freiraum, den ihr Regisseur Allen großzügig lässt. Phlegmatisch irrt sie umher - genießt das Leben in Saus und Braus und leitet dann ihren eigenen Ruin ein. Sie verschließt die Augen vor den kriminellen Machenschaften ihres Mannes und anschließend vor ihren prekären Verhältnissen.

Als sie von der amerikanischen Ost- an die Westküste nach San Francisco umsiedeln muss, sieht sie sich mit dem deftigen Arbeitermilieu konfrontiert, in dem ihre Schwester lebt. Der Clash der Welten dient Woody Allen zu seiner üblichen, leichtlebigen Situationskomik. Unverhoffte Blind Dates entpuppen sich als Reinfall, wenn Jasmine die Nase rümpft über den hemdsärmligen Mann ihr gegenüber. An die überteuerte Designertasche klammert sie sich wie an einen Rettungsanker. Alles an ihr ist Fassade, selbst ihren Namen hat die blauäugige Schönheit - eigentlich Jeanette - aus dem Song „Blue Jasmine“ übernommen.

Die Sympathien sind in dem Film klar verteilt: Handwerker und kleine Angestellte sind grundehrlich, während Anlagebetrüger Hal, formidabel großkotzig gespielt von Alec Baldwin, als skrupelloser Finanzhai daherkommt, der seiner bescheiden-kleinbürgerlichen Schwägerin und deren Mann das Geld aus der Tasche zieht. Auch seine Ehefrau Jasmine eignet sich in ihrer Mischung aus Desinteresse und Arroganz nicht als Identifikationsfigur. Das macht die Rolle ambivalent und für Blanchett umso reizvoller. Fast gönnt man ihr, dass sie endlich einmal auf die Nase fällt - und fiebert dann doch mit, wie sich ein zarter Hoffnungsschimmer auftut.

Doch Woody Allen ist trotz seiner längst weißen Haare von Altersmilde weit entfernt. Immer wieder verzichtet der inzwischen 77-Jährige auf ein klassisches Happy End und schickt seine Figuren stattdessen einem ungewissen Schicksal entgegen. Und so muss Blanchett am Ende keine herzzerreißenden Freudentränen vergießen, sondern torkelt weiter wie benommen durch das düstere Leben. Ihre Chancen auf einen Oscar dürfte das erhöhen.

dpa

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