Dokumentarfilm über die Arbeit von Profilern

"Blick in den Abgrund": Mord, Tod und Leid

Mord, Tod und Leid: Der Dokumentarfilm "Blick in den Abgrund" zeigt die Arbeit von Profilern. Hier finden Sie den Kinotrailer und die Kritik:

Als der Taxifahrer diese Frage stellt, kann sich die forensische Psychologin aus Finnland ein Lächeln nicht verkneifen: „Sind Sie wie Jodi Foster aus ,Schweigen der Lämmer‘?“ „Das ist nur ein Film“, antwortet sie. „Die Realität ist etwas ganz anderes.“ Helinä Häkkänen-Nyholm lebt in einer Realität, in der ihr der Tod und das Böse im Menschen täglich begegnen. Ihre Arbeit und die von fünf Kollegen aus anderen Ländern hat Dokumentarfilmerin Barbara Eder für ihr neues Werk „Blick in den Abgrund“ begleitet. Eine Dokumentation, in der Mord, Tod und Leid die zentralen Themen sind, kann und sollte ohne Effekthascherei auskommen. Das gelingt Eder. Unaufgeregt filmt sie eine Welt, die beim bloßen Betrachten verstörend genug ist. Da sitzt Kriminalhauptkommissar Stephan Harbort einem Mörder und Vergewaltiger gegenüber, der sagt: „Tot ist gut“. Da sitzt Profiler Gérard Labuschagne beim Essen in der Kantine und spricht nebenbei am Telefon über einen Fall, dessen Details den meisten den Appetit verderben würden. Und da sucht Psychiaterin Helen Morrison im Gehirn von Serienmördern nach Anomalien – gefunden hat sie noch keine.

Warum werden Menschen zu Mördern? Kann das jedem passieren? Um diese zentralen Fragen dreht sich „Blick in den Abgrund“. Doch es geht auch um die Auswirkungen des Berufs für die, die sich täglich mit diesen Themen befassen müssen. Oder wollen. „Freude und Glück hat man bei dieser Arbeit selten“, sagt Häkkänen-Nyholm an einer Stelle. Alle sechs Protagonisten wissen, wie es ist, wenn ein Fall sie nicht mehr schlafen lässt. Etwas mehr Einblicke in das private Leben der Profiler wären schön gewesen, doch sie bleiben auf Distanz. Der Film macht deutlich: In ihrem Beruf ist das unerlässlich.

Ann-Kathrin Gerke

Rubriklistenbild: © RealFiction/dpa

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