"Nymphomaniac"-Premiere

Shia LaBoeufs bizarrer Berlinale-Auftritt

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Steckt Shia LaBoeuf unter der Papiertüte?

Berlin - Mit einer Papiertüte auf dem Kopf und einer seltsamen Antwort hat Shia LaBeouf bei der Berlinale-Premiere von „Nymphomaniac“ für Aufsehen gesorgt. Da ging der Jubel um den Film fast unter.

Mit Kopfschütteln und Belustigung reagierten die zahlreichen Zaungäste am Roten Teppich vor dem Berlinale Palast auf den Smoking-Träger, der sich eine Papiertüte über den Kopf gestülpt hatte. Nur Augen und Mund waren ausgeschnitten. „I am not famous anymore“ ("Ich bin nicht mehr berühmt"), stand darauf in dicken Buchstaben. Genau diesen Satz hatte der Shia LaBeouf in den vergangenen vier Wochen als einzige Nachricht auf seinem Twitter-Account geschrieben - jeden Tag!

Mit dieser Aufmachung wollte der Schauspieler wohl den jüngsten Skandal kommentieren, den er mit seinem Plagiats-Geständnis losgetreten hatte. Im Dezember hatte der „Transformers“-Star zugegeben, bei der Arbeit für einen Kurzfilm kräftig abgekupfert zu haben. Anschließend hatte er auf Twitter mit Entschuldigungen, die ursprünglich ebenfalls nicht von ihm selbst stammten, von sich Reden gemacht. 

Bei der Pressekonferenz zu "Nymphomaniac" war LaBeouf zwar ohne Papiertüte erschienen, lieferte aber einen ebenso seltsamen - wenn auch sehr kurzen - Auftritt ab: Auf die Frage nach den vielen Sex-Szenen antwortete LaBeouf laut dem Entertainment-Blog hollywoodreporter.com: „Die Möwen folgen dem Fischkutter, weil sie glauben, es würden Sardinen ins Meer geworfen. Vielen Dank“. Dann stürmte er zum Erstaunen seiner Co-Stars aus dem Raum.

Der "Nymphomaniac"-Regisseur Lars von Trier selbst provozierte auf seine eigene Weise. Beim Photocall trug der 57-jährige Däne ein schwarzes T-Shirt, auf dem das Symbol des Filmfestivals Cannes, eine stilisierte Palme, zu sehen war und unter der „Persona non grata“ stand. Von Trier spielte damit darauf an, dass das Filmfest ihn 2011 nach Nazi-Äußerungen zur Persona non grata, zur unerwünschten Person, erklärt hatte.

"Nymphomaniac" stürmisch gefeiert

Viel Sex, etwas intellektuelles Futter und dazu Musik von Rammstein: Für sein Kinoepos „Nymphomaniac Volume I“ ist Lars von Trier („Breaking the Waves“, „Dancer in the Dark“) auf der Berlinale lautstark gefeiert worden. Ein Skandal blieb aus. Der in Vorberichten teilweise als Hardcore-Porno angekündigte Film erwies sich eher als Erbauungsgeschichte - die Zuschauer feierten den Dänen am Sonntagabend mit langem Applaus und Ovationen.

Uma Thurman, Christian Slater, Regisseur Lars von Trier und Stellan Skarsgard beim "Nymphomaniac"-Photocall.

Nach den ersten knapp zweieinhalb Stunden des Psychodramas aus Sucht, Selbsthass und Begierde hechtete von Trier auf die Bühne im Berlinale-Palast, winkte in den Saal und rief dann sofort die anwesenden Darsteller zu sich auf die Bühne. Charlotte Gainsbourg, die in dem Film als mittlerweile 50-jährige Joe ihre Lebensgeschichte als Sexsüchtige dem Unbekannten Seligman (Stellan Skarsgård) offenbart, war nicht zur Weltpremiere gekommen.

So erweist sich Stacy Martin in der Rolle der jungen Joe als der Star des Abends. Mit irritierender Gleichgültigkeit gibt sie sich der Sucht hin, nur selten schimmert etwas Lebensfreude durch.

Seligman, der die arg zugerichtete Joe Jahre später in einer düsteren Gasse aufspürt, bietet sich der Frau als geduldiger Zuhörer an. Zwischen den Kapiteln des Lust- und Leidenswegs unternimmt Seligman Ausflüge in die europäische Geistesgeschichte: Vom Schwarmverhalten der Flussfische über die mathematische Sequenz der Fibonacci-Zahlen und den Goldenen Schnitt bis zu Johann Sebastian Bach - Trieb und Bildung bilden den Kern des Rahmendialogs zwischen dem Büchernarr und der Nymphomanin.

Wie die Story ausgeht, blieb für das Berlinale-Publikum allerdings offen. Mit dem 145 Minuten langen „Director's Cut“ zeigte von Trier nur den erweiterten ersten Teil der Sex-Saga. In Deutschland startet „Volume I“ am 20. Februar, den zweiten Teil (Volume II) können Kinogänger ab 3. April sehen.

dpa/hn

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