Anne Will: Sido und Stoiber stammeln um die Wette

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Sido und Edmund Stoiber waren am Mittwoch in der neuen Talkshow von Anne Will zu Gast - und stammelten um die Wette

Berlin - Rapper Sido und Edmund Stoiber saßen am Mittwoch in der neuen Talkshow bei Anne Will. Das Thema: "Wut im Bauch". Doch statt zu diskutieren, stammelten Sido und Stoiber die meiste Zeit nur vor sich hin.

Keine großen Politiker, die Parolen verkünden, keine Wirtschaftsexperten, die über die Eurokrise lamentieren - es geht auch ohne sie. Diese Erkenntnis wollte die ARD-Talkerin Anne Will am Mittwochabend in ihrer neu definierten Talkshow untermauern, die nach wie vor ihren eigenen Namen trägt, aber nicht mehr am Sonntagabend die Weltgeschichte neu erklären will, sondern sich zunehmend gesellschaftlichen Phänomenen nähern möchte.

Das Fernsehpublikum nahm dieses Gesprächsangebot nur mäßig an. Gerade einmal 1,22 Millionen Zuschauer schalteten die nun 75-minütige Talkshow ab 22.45 Uhr im Durchschnitt ein; der Marktanteil lag bei 8,4 Prozent. Damit lag Will unter ihrem eigenen Wunschergebnis von “eineinhalb bis zwei Millionen Zuschauern“ - das hatte sie allerdings auch mehr als langfristigen Wert ausgegeben, nicht als Nahziel. Auch im Fernduell mit ZDF-Talker Markus Lanz lag Will hinten: Der erreichte mit seiner Sendung ab 23.15 Uhr immerhin 1,55 Millionen (10,6 Prozent) - beide Talkshows überschneiden sich eine Dreiviertelstunde lang.

Tim Raue - der Spießer aus der Straßengang

Will hatte zuvor vier Jahre lang den ARD-Sonntags-Talk bestritten, wo sie zuletzt durchschnittlich 4,05 Millionen Zuschauer (14,1 Prozent) erreichte (1. Halbjahr 2011). Vom 11. September an übernimmt Günther Jauch den besten und quotenstärksten Talkplatz der ARD.

Deswegen muss Will nun mittwochs ran und wählte sich als Thema der ersten Ausgabe: “Wut im Bauch“. Die Gäste hockten nicht alle von vornherein im Kreis, sie stießen nach und nach in die Gesprächsrunde, in der zuerst Spitzenkoch Tim Raue ganz allein mit Will saß. Er war in seiner Jugend Mitglied der Berliner Gang “36 Boys“ - Warum er dabei sein wollte, fragte Will. Raue meinte, es sei ein Integrationsprojekt gewesen, eine Art Familienersatz. Ob er inzwischen ein Spießer sei? “Ja, ich gehe nicht weg, und habe keine Ausfälle mehr“, lautete Raues Antwort. Sein gelbes Tuch in der Brusttasche des Jacketts ergänzte seine Selbsteinschätzung gut.

Sido: "Es sind ja auch nicht alle Frauen die Schlampen, verstehste."

Der Rapper Sido gesellte sich als zweiter Gast zu Will. Er hatte mit Songs wie dem "Arschficksong" Erfolg. Darin singt er

"es fing an mit 13 und ner tube gleitcreme

dann brauch man nich erst lockern

sonder kann ihn gleich reinschieben

katrin hat geschrien vor schmerz

mir hats gefallen

ich hab gelernt man kann ne hand reinschieben und dann ballen

ich hab experimentiert katrin war schockiert

sie hat nich gewusst dass der negerdildo auch vibriert

ihr arsch hat geblutet und ich bin gekommen

seit diesem tag sing ich den arschficksong"

Anne Will sprach ihn auf sein Frauenbild an, doch der Rapper breuhigte sie: "Es sind ja auch nicht alle Frauen die Schlampen, verstehste. Das kannste Dir ja sicher schon denken." Auf den “Arschficksong“ sei er aber trotzdem stolz. Überhaupt ist Sido überzeugt, dass er anspruchsvolle Musik macht - auch wenn es sich für die meisten Zuschauer der Sendung so nicht darstelle. Aus irgendeinem Grund steht ihm aber die Nervosität ins Gesicht geschrieben. Immer wieder gerät Sido ins Stammeln, er reibt sich über die Hose, knetet sein Knie und rutscht unruhig auf dem Sessel hin und her. Mit der Gewalt in London oder Berlin wollten die Diskutanten nichts zu tun haben. In London handele es sich um “Schwachsinn“, meinte Raue. In den Bildern kenne er sich nicht wieder.

Veronica Ferres darf sich selbst promoten

Und wie passte Schauspielerin Veronica Ferres zwischen die beiden Provokateure? Ihr ARD-Film “Sie hat es verdient“ am 14. September handelt von Jugendlichen, die aus der Spur geraten sind. Anne Will bot ihr eine geeignete Plattform zu Eigenwerbung. Mit ihrer Anwesenheit wurde auch Sido ein wenig ruhiger.

Und dann fand die Sendung doch noch eine kleine politische Wendung, als CSU-Mann Edmund Stoiber und der Publizist Christian Nürnberger als letzte die Sendung enterten. “Ich versteh' kein Wort“, meinte Sido, und dann wurde Stoiber richtig redselig wie in alten Zeiten, als es noch richtige Talks gab, in denen die Gastgeber sich um ihn rissen. Aber lebhaft wurde es trotzdem nur relativ kurz, weil sich alle damit beruhigten, dass der Jugendliche, der Autos anzündet, die Sendung sowieso nicht einschaltet. Wirklich Stellung wollte Stoiber aber nicht beziehen. Er redete lieber um den heißen Brei.

dpa

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