Krise mit der Türkei als Thema 

Zwei Gäste, drei Sprachen: Wirrwarr bei Anne Will

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Eine Stunde Zeit, um auf Ministerebene das deutsch-türkische Verhältnis zu entspannen: Ob Kanzleramtsminister Peter Altmaier und der türkische Jugend- und Sportminister Akif Çağatay Kılıç diese Chance in der Talkshow nutzten, lesen sie hier.

Bemüht sachlich und höflich-diplomatisch versuchte Kanzleramtsminister Altmaier ein konstruktives Gespräch zu führen. Nur einmal zog er eine klare rote Linien. "Nazi-Vergleiche sind etwas, was überhaupt nicht geht. Diese Vergleiche müssen aufhören", viele Deutsche seien darüber sehr schockiert und traurig. 

Plötzlich sprach Altmaier Niederländisch 

Und weil Altmaier dieser Punkt so wichtig war, wechselte er gleich noch ins Niederländische und richtete völlig unvermittelt einige verständnisvolle Sätze an die TV-Zuschauer im Nachbarland. Er erinnerte dabei an die Besetzung des Landes im Zweiten Weltkrieg durch Hitlers Truppen. Da war nicht nur die Moderatorin Anne Will verdutzt. 

Zwei Gäste, drei Sprachen in der Talkrunde zum Thema "Welcher Weg führt aus der Krise?": Der Minister aus der Türkei, in Deutschland aufgewachsen, wechselte je nach seinem Belieben von Deutsch auf Türkisch. Meist, so schien es nicht nur vielen Twitter-Nutzern, wenn die Fragen unangenehmer wurden.

Angesichts der jüngsten Eskalation im Konflikt seines Landes mit den Niederlanden sprach Kılıç von "Polizeigewalt" und "aggressiven Methoden" der Holländer. Es wäre besser gewesen, wenn die türkische Regierung zunächst bei der niederländischen Regierung angefragt hätte, spielte der Kanzleramtsminister den Ball zurück. "Jeder souveräne Staat hat das Recht zu entscheiden, ob ausländische Minister einreisen dürfen oder nicht." 

Kılıç relativiert Nazi-Vorwürfe

Die Frage von Anne Will, ob die Niederlande angesichts der Wahlen am Mittwoch hier etwas überreagiert hatte, wollte Altmaier nicht kommentieren. Andersherum konnte Kılıç nicht konkreter erklären, was denn genau nationalsozialistisch sei am Vorgehen in Deutschland und anderswo in Europa. "Es wurde gesagt, dass Deutschland Methoden benutzt hat, die an Nazi-Methoden erinnern", versuchte er die Aussagen seines Präsidenten und des Außenministers zu relativieren. 

Viel lieber klagte der Sportminister über eine zunehmende Islamophobie, insbesondere in den Medien. Als Beleg hielt er ein Erdogan-kitisches Spiegel-Cover in die Kamera. "Ich mag auch häufig Spiegel-Titel nicht, etwa wenn es um Angela Merkel geht. Das ist aber die Freiheit der Presse. Das entscheidet nicht die Bundesregierung. Die Presse hat die Freiheit, Sachen zu veröffentlichen, die wir nicht mögen", erklärte der Kanzleramtsminister unter großen Applaus des Publikums.  

Aussage gegen Aussage bei 4000 PKK-Akten

Auch bei der Frage, ob denn die Bundesregierung genug gegen PKK-Aktivisten im eigenen Land tue, wurden sich die Minister nicht einig. Letztlich behauptete Kılıç, Staatspräsident Recep Erdogan habe der Bundeskanzlerin bei einem G20-Treffen Akten mit rund 4000 Fällen von türkischen PKK-Terroristen übergeben, die seitdem noch nicht von der deutschen Justiz bearbeitet wurden. "Das müssten ja ganze Kisten von Aktenordnern gewesen sein. Das glaube ich nicht, dass die ihr Präsident Frau Merkel gegeben hat", wagte sich Altmaier weit aus der Deckung. So stand letztlich Aussage gegen Aussage - und die Aufforderung, die Kisten notfalls direkt an den Kanzleramtsminister zu senden. "Ich weiß, was übergeben wurde und ich weiß, was da drin ist", entgegnete Kılıç, der nun mit dem türkischen Justizminister sprechen will. 

"Samthandschuhe": Viel Kritik auf Twitter

Anne Will musste sich derweil auf Twitter viel Kritik gefallen lassen, etwa dass sie es ihrem Gast durchgehen ließ, immer wieder die Sprache zu wechseln. Und überhaupt, dass der türkischen Regierungspartei AKP eine solche Bühne geboten wurde. 

Quelle: rosenheim24.de

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