"Terror - Ihr Urteil"

Airbus-Pilot aus Rosenheim: So realistisch war der Film wirklich

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Der Film "Terror - Ihr Urteil" sorgt in ganz Deutschland für Diskussionen - auch unter Piloten. 
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Rosenheim - Fast sieben Millionen Menschen schauten sich am Montagabend den Film "Terror - Ihr Urteil" an. Darunter auch ein Airbus-Pilot aus Rosenheim. Wir haben mit ihm über den Spielfilm gesprochen. 

Unser Interviewpartner, der für diesen Artikel anonym bleiben möchte, arbeitet für eine große Airline als Erster Offizier in einem Airbus A320. Genau dem Flugzeugtyp also, der in dem "Terror"-Film entführt wird und mutmaßlich über der Allianz Arena in München zum Absturz gebracht werden soll. 

Wir wollten von dem Airbus-Piloten aus Rosenheim wissen, für wie realistisch er das Szenario des Films einschätzt - und ob überhaupt ein Entführer ins Cockpit eindringen könnte.

Klare Anweisung: Die Cockpit-Tür bleibt zu!

"Sag niemals nie", so der Pilot im Interview mit unserer Redaktion, "aber seit dem 11. September 2001 wurden die Cockpit-Türen verstärkt, neue Sicherheitssysteme und Zugangscodes eingeführt." Selbst wenn Terroristen Passagiere oder Kollegen als Geisel nehmen würden, haben die Piloten klare Anweisungen. 

Diese lauten: Die Cockpit-Tür nicht zu öffnen und sich nicht auf Verhandlungen mit Geiselnehmern einzulassen. 

Auch die Argumentation der Nebenklägerin in dem Film sei unrealistisch. Die Witwe eines Flugzeuginsassen sagte aus, dass ihr Mann in einer SMS ankündigte, dass er sich wehren und mit mehreren Passagieren ins Cockpit eindringen wolle. "Mit den Gegenständen, die in einem Flugzeug zu finden sind, ist es in so kurzer Zeit fast unmöglich eine Cockpit-Tür gewaltsam zu öffnen." Und selbst wenn es doch gelungen wäre, hätte der Entführer in dem Handgemenge sicherlich die Piloten erschossen. Das hätte dann ebenfalls zu einem Absturz  geführt, wie am 11. September bei der vierten entführten Maschine in der Nähe von Shanksville in Pennsylvania.  

"Bis zu den Terroranschlägen in den USA waren Cockpit-Türen teilweise während der ganzen Flugzeit geöffnet. Kinder konnten während des Fluges einen Blick ins Cockpit werfen", so der Pilot. Das alles gibt es heutzutage nicht mehr.

"Die Piloten hätten mehrere Handlungsspielräume gehabt"

Kritisch sieht der Airbus-Pilot, dass seine Kollegen in dem ARD-Spielfilm bis zum Abschuss passiv dargestellt wurden. Sofern Sie noch am Leben waren, hätten sie mehrere Handlungsspielräume gehabt. "Sie hätten mit Flugmanövern andeuten können, dass sie nicht das machen werden, was der Terrorist will. Der Entführer würde auch unter Umständen gar nicht mitbekommen, wenn der Funk und das Mikro eingeschaltet werden, so dass man am Boden hätte mithören können, was der Terrorist sagt."

Über die genauen Optionen wollte der Pilot nicht im Detail eingehen, aber er kritisiert: "Das Geschehen im Cockpit wurde völlig außen vor gelassen. Das war ein in Stein gemeißeltes Szenario, was ich schade fand", so der Pilot. 

Keine Informationen über die Flughöhe

Auch dass im Film nicht näher ausgeführt wurde, inwiefern sich das Flugzeug rund 15 Kilometer vor der Allianz Arena bereits im Sinkflug befand, bemängelt der Airbus-Pilot. "Das Flugzeug hätte bei einem geordneten Sinkflug bei dieser Entfernung bereits auf etwa 2600 Fuß Flughöhe sein müssen, unter einem Kilometer, also knapp über dem Boden." 

Funkkontakt verloren - Strafen drohen

Er selbst sei nie in eine Situation geraten, in der er selbstverschuldet den Funkkontakt mit den Fluglotsen verlor. "Es passiert im europäischen Luftraum aber regelmäßig, dass Flugzeuge den Funkkontakt verlieren und nur über die Notfallfrequenz, also dem zweiten Funkkanal, erreicht werden können."

Die Folge: Den Piloten drohen unter anderen durch das Luftfahrtbundesamt Geldstrafen und rechtliche Konsequenzen. 

Flugzeug sicherer als ein Fußballstadion

Der Argument des Kampfpiloten Lars Koch (Florian David Fitz), wonach sich Menschen im Flugzeug selbst in ein besonderes Risiko begeben, hält er für "völlig überzogen". Heutzutage könne an jedem öffentlichen Ort etwas passieren. Man dürfe sich aber von der Terrorangst nicht so leiten lassen oder das pauschalisieren. "Im Gegenteil ist es noch sicherer in ein Flugzeug zu steigen, als ins Fußballstadion zu gehen. Ein Stadion als statisches Ziel ist noch viel angreifbarer, als ein Flugzeug, das sich in einem geschützten Raum bewegt."

"Mein Urteil: Nicht schuldig!"

Zuletzt die Frage nach seinem Urteil. "Nicht schuldig", so der Pilot. "Aber vielleicht bin ich da auch ein bisschen voreingenommen gewesen, weil es allgemein um die Rolle von Piloten ging in diesem Film." 

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mg

Quelle: rosenheim24.de

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