10 Jahre OVB24

Kein Olympia am Königssee: "Und plötzlich war es still"

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Die Nachricht, dass Pyeongchang die Olympischen Winterspiele 2018 ausrichten wird, sorgte am Königssee am 6. Juli 2011 für große Enttäuschung.
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Berchtesgadener Land - Der 6. Juli 2011 ist ein Tag, den nicht nur ich, Christine Stanggassinger, im Gedächtnis behalten habe. Zum fünften Mal hatte sich das Berchtesgadener Land um die 'Mit-Austragung' der Olympischen Winterspiele beworben. Am späten Nachmittag sollte die Entscheidung fallen.

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Die Seelände in Schönau am Königssee war voll mit Menschen. Blasmusik und Trommeln sowie Erfrischungen sollten die zahlreichen Besucher, Sportler, Funktionäre und Politiker unterhalten. Auf einer Großleinwand wurde die Berichterstattung aus dem südafrikanischen Durban übertragen. Dort wollte das IOC am Nachmittag darüber abstimmen, wer die Olympischen Winterspiele 2018 austragen darf.

Neben München mit Garmisch-Partenkirchen und Schönau am Königssee hatte sich zum dritten Mal Pyeongchang/Südkorea und Annecy/Frankreich beworben. Den Franzosen rechnete man nur Außenseiterchancen aus. Dennoch war die Anspannung am Königssee zu spüren.

Stefan Kurz (r.) war zuversichtlich, dass die Olympischen Spiele 2018 nach München und somit an den Königssee kommen würden.

Der selbsternannte "Bewerbungs-Weltmeister", der damalige Bürgermeister von Schönau am Königssee, Stefan Kurz, hatte neben seiner Lederhose auch sein Sonntagslächeln aufgesetzt und scherzte unter anderem mit Ski-Ass Hilde Gerg und Rodel-Bundestrainer Norbert Loch. Auch zahlreiche Sportler waren gekommen, um zu erfahren, ob sie einmal Olympia 'dahoam' erleben dürfen.

Zum fünften Mal hatte sich das Berchtesgadener Land bereits für Olympische Winterspiele beworben. Ob allein oder mit Salzburg, bisher hatten immer andere die Nase vorn. Sollte sich das am 6. Juli 2011 ändern? Stefan Kurz, Landrat Georg Grabner und ein Großteil der Anwesenden an der Seelände hofften es.

Olympia-Party am Königssee

Aber es gab auch Gegner, die Grünen hatten sich, ob auf Gemeinde-, Kreis-, Landes- oder Bundesebene, klar gegen eine Olympia-Bewerbung ausgesprochen. Aus ihrer Sicht fehlte der ökologische Gedanke in der Bewerbung. Zwei neue Sporthallen in München, der Umbau der bestehenden Olympia-Eishalle und des Olympia-Schwimmbades, sowie die Schaffung einer Eisschnelllaufbahn war nur eine Tatsache, die die Gegner störte.

Kosten und Nachhaltigkeit in Frage gestellt

Im Umkreis von Garmisch-Partenkirchen sollten temporäre Sportstätten für die nordischen Skibewerbe entstehen, die aus Sicht der Grünen leicht in Ruhpolding und Oberstdorf ausgetragen hätten werden können. Natürlich sorgten auch die enormen Kosten von 30 Millionen Euro für die Bewerbung und mehreren Milliarden für die Durchführung der Spiele für einen Aufschrei unter den Gegnern.

All diesen Faktoren zum Trotz hatte sich München mit seiner Bewerbung mit Garmisch-Partenkirchen und Schönau am Königssee durchgesetzt und wartete jetzt gespannt auf die Entscheidung. Die natürlich auf sich warten ließ. Was der Stimmung am Königssee keinen Abbruch tat. Es wurden Fähnchen, Luftballons und Gummibärchen verteilt, gefachsimpelt und diskutiert.

Bereits im ersten Wahlgang hatte sich das IOC für einen Kandidaten entschieden.

Dann endlich verkündete der damalige IOC-Präsident Jacques Rogge, dass es im ersten Wahlgang bereits ein eindeutiges Ergebnis gegeben habe. "Und plötzlich wurde es still am Königssee", kann ich mich noch erinnern. Landrat Georg Grabner, der in Durban weilte, sagte im Fernseh-Interview: „Es schaut nicht gut aus."

Alle Verantwortlichen hatten auf eine Stichwahl zwischen Pyeongchang und München gehofft. Sie befürchteten das Schlimmste. Die Luft am Königssee ließ sich trotz des traumhaften sonnigen Sommertages fast schneiden, alle starrten auf die Leinwand und warteten auf die Entscheidung. Rogge bekam einen Umschlag gereicht... Luft anhalten am Königssee... doch auf der Karte stand "Pyeongchang 2018".

Königssee unter Schock

"Die Enttäuschung ist natürlich riesengroß", gab Stefan Kurz sofort zu. "Vor allem, wenn man als Bürgermeister fünfmal bei einer Bewerbung mit dabei ist und fünfmal verliert. Da brauche ich nichts dazu sagen, es ist niederschmetternd." Nicht nur der Bürgermeister, sondern auch viele andere äußerten sich an meinem Mikrofon ähnlich. Wie Hilde Gerg: "Ich glaube, das Gewicht der dritten Bewerbung Pyeongchangs hat jetzt da den Ausschlag gegeben." Die ehemalige Weltklasse-Rodlerin Barbara Niedernhuber ließ sich die Stimmung nicht vermiesen: "Natürlich sind wir ein bisschen traurig, aber wir tragen es mit Fassung."

Auch 2022 "NOlympia"

Norbert Loch machte eine klare Ansage: "Wir werden weiterkämpfen, 2022 sind wir dran!" Stefan Kurz schränkte sofort ein, dass die Entscheidung eine Stadt wie München treffen müsse. "Wenn München uns fragen würde, ob wir bei einer erneuten Bewerbung dabei wären, wären wir blöd, wenn wir nein sagen würden. Mit unserer Kunsteisbahn am Königssee sind wir mit Sicherheit dabei", verkündete Kurz.

Und tatsächlich wagte München noch einmal den Vorstoß, scheiterte aber im Vorfeld bereits an der Bürgerbeteiligung. Die Bevölkerung in München, Garmisch-Partenkirchen, Traunstein und im Berchtesgadener Land stimmte in einem Bürgerentscheid gegen die Bewerbung. Für Olympia-Gegner die klare Entscheidung, keine Olympische Spiele in Deutschland mehr anzustreben.

Für mich war die Entscheidung des IOC, die Olympischen Winterspiele 2018 nach Südkorea zu geben, der klare Beweis, dass man olympische Spiele kaufen kann. Immerhin wurden die Sportstätten komplett neu gebaut und gerade noch so rechtzeitig fertiggestellt. Da traue ich mir zu, zu sagen, dass das Konzept Münchens sicher nachhaltiger gewesen wäre. Ob nachhaltig genug, das steht auf einem anderen Blatt.

BGLand24.de-Reporterin Christine Stangassinger

Auf alle Fälle ist mir dieser Tag in Erinnerung geblieben, da ich von Anfang an sehr skeptisch war, ob eine Bewerbung Erfolg haben könnte. Die Begeisterung der absoluten Olympia-Befürworter war aber ansteckend. Am Ende war ich fast selbst gewillt, zu glauben, München könnte es mit Garmisch-Partenkirchen und Königssee schaffen. Natürlich hielt sich die Enttäuschung bei mir in Grenzen, aber ich glaube, dass wir Journalisten als neutraler Berichterstatter letztlich auch sehr pragmatisch sind und Dinge einfach akzeptieren, wenn man sie nicht ändern kann.

Sollte sich das Berchtesgadener Land jemals noch einmal für Olympische Winterspiele bewerben, würde ich mir wünschen, dass Stefan Kurz und Georg Grabner die Bewerbung federführend begleiten, denn wenn jemand von dem Olympischen Geist am Königssee überzeugt ist, dann sind es diese beiden. Diese Begeisterung spüre ich bis heute, wenn ich mich an diesen Tag erinnere.

cz

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