Über 1000 Zuschauer bei Lokalderby in Berchtesgaden

Zwei Derbysiege für Angerer Ringer

Michael Klouceck gelingt ein sehenswerter Wurf nach Ausheber gegen Alexander Petersen.
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Michael Klouceck gelingt ein sehenswerter Wurf nach Ausheber gegen Alexander Petersen.

Anger - Ein beinahe perfektes Derbywochenende erlebten in den vergangenen Tagen die Angerer Ringer, die ihre Konkurrenten aus dem Bezirk Inn-Chiem in zwei spannenden Kämpfen bezwingen konnten. Am Samstagabend gewann die erste Mannschaft auswärts beim TSV Berchtesgaden vor über 1000 Zuschauern mit 12:18 und festigte vor dem Spitzenkampf mit dem TSV Westendorf damit ihren zweiten Tabellenplatz in der Oberliga Süd. Nicht weniger wichtig war am Tag darauf der 13:18 Auswärtserfolg der zweiten Mannschaft beim SV Wacker Burghausen II, durch den die Angerer Reserve jetzt beste Chancen auf den Klassenerhalt in der Bayernliga Süd hat. Einzig die Schülermannschaft schlug am Wochenende auf das Angerer Gemüt, als sie sich gegen den TSV Berchtesgaden unter Wert verkaufte und deutlich mit 27:12 unterlag.

Etwas mehr als drei Jahre sind nun bereits vergangen, seit die Berchtesgadener Ringer für ihre Heimkämpfe von der Sporthalle an der Breitwiese ins „AlpenCongress“ umgezogen sind und dadurch mit im Schnitt 1000 Zuschauern die wohl höchsten Besucherzahlen in ganz Deutschland bei sich begrüßen dürfen. Als am Samstag dazu auch noch über 100 Schlachtenbummler aus Anger nach Berchtesgaden reisten, war alles perfekt für ein emotionales und hochspannendes Lokalderby angerichtet, in dem die endgültige Entscheidung dem Anlass angemessen auch erst im letzten Kampf fiel. Wenig überraschend gingen die Gastgeber nach dem ersten Kampf mit 4:0 in Führung, da der SC Anger wie auch schon den ganzen Rest der Saison über die Klasse bis 57 kg nicht besetzen konnte und Tobias Küpper so kampfloser Sieger wurde. Zu einem rein ungarischen Duell gingen im Anschluss Peter Fodor und Armin Majoros – beide absolute Siegringer ihrer Mannschaften – bis 130 kg Freistil auf die Matte. Der Angerer war dabei fast den ganzen Kampf über einen Ticken aktiver und wurde vom insgesamt gut leitenden Kampfrichter Robert Reitmeier mit zwei Punkten nach Aktivitätszeit belohnt. Zusammen mit zwei weiteren Wertungen, bei denen er den Berchtesgadener jeweils von der Matte schob, gewann Majoros schlussendlich mit 4:0 und holte damit zwei wichtige Mannschaftspunkte für die Gäste. Weiter spannend blieb es im nächsten Duell, wo der erfahrene Berchtesgadener Sebastian Hillebrand auf den Angerer Nachwuchsringer Lorenz Hagelauer traf. Der Gastgeber, der eigentlich im klassischen Stil beheimatet ist, war zweimal durch Überführen des Gegners in die Bodenlage sowie ebenfalls zweimal per Aktivitätspunkt erfolgreich. Gleichzeitig hielt er den Angerer aber stets weit genug auf Distanz, um diesem keine Beinangriffe zu ermöglichen und gewann nach sechs Minuten letztendlich verdient mit 6:0 Wertungs- und 2:0 Mannschaftspunkten. Weitere vier Punkte für die Gastgeber, die dadurch mit 10:2 davoneilten, musste bis 98 kg griechisch-römisch Michael Marnette gegen den zweiten Ungarn der Berchtesgadener, Tamas Fodor, zulassen. Eine erste Bodenlage konnte der Angerer noch erfolgreich verteidigen, doch bei der zweiten gelang Fodor eine Serie von Durchdrehern, die schließlich zur technischen Überlegenheit für den Berchtesgadener führte. Es lag damit an Felix Baumgartner, bis 66 kg griechisch-römisch gegen Lukas Laue einen Sieg zu holen, um die Führung der Gastgeber zur Pause etwas zu verkürzen und so seinen Mannschaftskollegen nach der Unterbrechung die Chance auf den Gesamtsieg zu erhalten. Dieser Aufgabe stellte sich der Angerer bravourös und besiegte den Berchtesgadener nach einer taktisch hervorragenden Leistung mit 4:1. Der Gastgeber kam lediglich durch eine angeordnete Bodenlage in der ersten Hälfte zu einem Punkt, ehe Baumgartner nach der Pause selbst einen Aktivitätspunkt erhielt und zudem einmal per Rausschieben und einmal durch Überführen in die Bodenlage erfolgreich war. Nach fünf Kämpfen lagen die Gastgeber damit immerhin nur noch mit 10:4 in Führung, ehe nach der Pause die große Angerer Aufholjagd begann.


Die ersten vier Punkte dazu steuerte Max Pöschl hinzu, die ihm aber bereits nach der Waage sicher waren, da sein Gegenüber Lukas Gruber für die Gewichtsklasse bis 86 kg einige Kilogramm zu schwer war. Den im freien Stil auf der Matte ausgetragenen Freundschaftskampf entschied der Angerer nach sechs Minuten mit 7:0 für sich und war dabei v.a. per Beinangriff erfolgreich. Bis 71 kg Freistil standen sich mit Christoph Graßl und Matthias Eckart zwei Ringer gegenüber, die aus zahlreichen Duellen in der Vergangenheit bereits bestens miteinander vertraut waren. Der Angerer ging früh mit 4:0 in Führung, als er Graßl nach einem Beinangriff auch noch durchdrehen konnte, und erhöhte diese Führung kurze Zeit später durch einen zweiten Beinangriff auf 6:0. Eine bereits vor dem Kampf erlittene Verletzung am Knöchel trat dabei leider bei Graßl wieder zu Tage, der dadurch zur Aufgabe gezwungen war, womit Eckart seine Farben mit vier Mannschaftspunkten erstmals mit 10:12 in Führung brachte. Deren Ausgleich besorgte ihm nächsten Kampf Marius Mackamul bis 80 kg griechisch-römisch gegen Dennis Baumgartner, als der Berchtesgadener nach sechs Minuten mit 2:0 triumphierte. Bis Mitte der zweiten Hälfte hatten sich die beiden Ringer größenteils neutralisiert und jeweils auch erst einen Aktivitätspunkt erhalten, ehe dem Angerer zunehmend die Kräfte schwanden und Mackamul durch Rausschieben und zwei weitere Aktivitätspunkte mit 5:1 in Führung ging. Unerklärlich aus Angerer Sicht war nach dem Kampf eine zweimalige Beinarbeit Mackamuls in der angeordneten Bodenlage, die vom sonst sicher agierenden Mattenleiter nicht geahndet wurde. Im Vorfeld keinen Favoriten hatte der vorletzte Kampf zwischen Alexander Petersen und Michael Klouceck bis 75 kg griechisch-römisch, sodass hier noch einmal sechs spannende Minuten erwartet werden durften. Dem Angerer gelang es früh, den Berchtesgadener in die Bodenlage zu überführen und setzte aus dieser in bester Frank-Stäbler-Manier zum Ausheber mit anschließendem Wurf an, was ihm insgesamt sechs Punkte einbrachte. Nach einer zweiten Überführung in die Bodenlage und anschließenden Ausheber wurde Klouceck beim Wurfversuch von Petersen abgefangen, wofür beide Ringer jeweils zwei Punkte erhielten. Nach der intensiven ersten Hälfte schaltete der Angerer im zweiten Abschnitt einen Gang zurück und verwaltete seinen Vorsprung überlegt, was ihm zum Schlusspfiff zwei Mannschaftspunkte und seinem Team einen 12:14 Vorsprung einbrachte. Den Sack zu machen konnte dadurch im letzten Kampf Markus Fürmann, der bis 75 kg Freistil gegen Michael Brandner auf der Matte stand. Beide Mannschaften hatten nach der Waage hier wohl vier Angerer Punkte eingerechnet, die sich der Angerer auch souverän sicherte. Kein Risiko eingehend kam Fürmann durch Beinangriffe, „Russische Rollen“ und Durchdreher zu immer mehr Punkten, durch die er kurz nach der Pause technisch überlegener Sieger wurde und seine Mannschaft endgültig zum vom Angerer Anhang, der den ganzen Abend nicht zu überhören war, skandierten „Derbysieger“ machte. Kommenden Samstag steht für die Angerer bereits der nächste Höhepunkt an, wen der ungeschlagene Tabellenführer der Oberliga Süd, der TSV Westendorf, in der Aufhamer Sporthalle zu Gast sein wird.

Den Vorkampf zu diesem Duell bestreiten die beiden zweiten Mannschaften aus Anger und Westendorf, die nach dem Sieg der heimischen Ringer am Sonntag in Burghausen nun bereits acht Punkte trennen. Eine geschlossene Mannschaftsleistung sowie die Unterstützung von ca. 50 mitgereisten Angerer Fans war am Sonntagnachmittag der Schlüssel für den Auswärtserfolg der Angerer Reserve beim Bezirksrivalen, der damit zum zweiten Mal in dieser Saison bezwungen werden konnte. Im ersten Kampf wurde Paul Hogger bis 57 kg griechisch-römisch nach einem eigenen „Kopf-Press-Griff“ von Erwin Kobsar mit einem Kopfzug gekontert und unterlag nach einer Minute per Schulterniederlage. Diese erste Führung der Gastgeber konnte im Abschluss Lukas Koch bis 130 kg Freistil direkt wieder ausgleichen, als er kampfloser Sieger wurde und damit den entspanntesten Nachmittag aller Angerer Ringer hatte. Ohne Erfolg blieb Korbinian Schwabl, der bis 61 kg Freistil von Markus Zehentmaier mit einigen Beinangriffen erwischt wurde und beim 9:0 Endstand drei Mannschaftspunkte für den Burghausener zulassen musste. Weitere vier Punkte für die Gastgeber erreichte bis 98 kg griechisch-römisch Tetik Gökhan, der gegen den ca. zehn Kilogramm leichteren Roman Koch seinen Kraftvorteil ausspielen konnte. Nach einem 10:0 Pausenrückstand gelang es dem Angerer auch in der zweiten Hälfte nicht, Punktgewinne des Burghauseners zu verhindern, der damit nach vier Minuten technisch überlegener Sieger wurde. Ebenso gewann im nächsten Kampf für den SC Anger Franz Fröhlich, der bis 66 kg griechisch-römisch gegen Hermann Turovskij drei sehenswerte Ausheber-Würfe aufbot, für die er jeweils vier Punkte erhielt. Zusammen mit drei weiteren Wertungen hatte der Angerer damit bereits in der zweiten Minute die technische Überlegenheit erreicht.


Den Ausgleich zum 11:11 Zwischenstand gelang im Anschluss Benedikt Argstatter, der Johann Eitel bis 86 kg Freistil sicher beherrschte und v.a. am Mattenrand immer wieder zu einem oder zwei Punkten kam. Nach sechs intensiven Minuten hatte sich der Angerer schließlich einen 0:9 Vorsprung erarbeitet, für den er mit drei Mannschaftspunkten belohnt wurde. Ein Schlüsselduell wurde der Kampf bis 71 kg Freistil, wo es Benedikt Schmid mit dem bisher ungeschlagenen Mansur Dakiev zu tun bekam. Der Angerer konnte zwar nicht jeden Beinangriff des Burghauseners abwehren und musste insgesamt neun Punkte zulassen, doch auch Schmid landete zahlreiche erfolgreiche Aktionen und hatte Dakiev nach seiner zweiten Vierer-Wertung an diesem Nachmittag sogar schon kurz vor der Schulterniederlage. Beim Schlussgong stand es nach sechs nervenaufreibenden Minuten 9:12, womit der Angerer dem Burghausener dessen erste Saisonniederlage beibrachte und den SCA mit 11:13 in Front brachte. Um weitere drei Punkte konnte Simon Öllinger die Führung bis 80 kg griechisch-römisch ausbauen, der nach einer Verletzungspause von sechs Wochen zum ersten Mal wieder auf der Matte stand. V.a. in der ersten Kampfhälfte, in der er sich sieben seiner insgesamt zehn Punkte holte, beherrschte der Angerer seinen Gegenüber, Dominik Ratz, deutlich und konnte es sich so auch erlauben, in den letzten eineinhalb Minuten einen Gang zurückzuschalten und die Führung zu verwalten. Bei fünf Punkten Vorsprung hatte Max März im vorletzten Kampf bis 75 kg griechisch-römisch damit bereits die Chance, durch einen Sieg den Angerer Gesamterfolg zu sichern. In der ersten Hälfte wurde der Angerer vom den gesamten Kampf über sicher leitenden Johannes Steinberger noch mit einem Aktivitätspunkt belohnt, ehe sein Kontrahent Konstantin Kainhuber nach der Pause aktiver wurde und seine angeordnete Bodenlage zusätzlich für einem Durchdreher nutzte. März kam mit einem Punkt durch Rausschieben noch einmal etwas heran, wurde dann aber kurz vor Schluss bei einem letzten Angriffsversuch gekontert und verlor so insgesamt mit 5:2. Vor dem letzten Kampf zwischen Mahsun Ersayin und Markus Wimmer bis 75 kg Freistil stand es damit 13:16, sodass die Gastgeber durch einen überlegenen Sieg noch die Chance auf den Gewinn des Gesamtkampfes hatten. Dementsprechend intensiv begann der letzte Kampf von Seiten des Burghauseners auch, doch Wimmer überstand die erste Minute schadlos und kam in der ersten Hälfte sogar noch selbst zu zwei Punkten, als Ersayin seinem Anfangstempo etwas Tribut zahlen musste. Auch nach der Pause blieb das Bild unverändert, als der Angerer alle Angriffe des Burghauseners verteidigen konnte und selbst noch zu zwei weiteren Punkten kam. Beim finalen 4:0 hatte er sich damit nicht nur zwei Mannschaftspunkte erkämpft, sondern auch den Gesamtsieg seiner Mannschaft gesichert und wurde entsprechend jubelnd von seinen Teamkollegen und den mitgereisten Fans im Angerer Eck empfangen.

Als einzige Angerer Mannschaft ohne Erfolg blieben am Wochenende die Schüler des SCA, die in Berchtesgaden mit 27:12 etwas unter die Räder gerieten. Den Vorkampf sahen mit ca. 500 Fans bereits mehr Zuschauer als so manches Bundesliga-Duell und bereiteten zumindest den jungen Angerer Sportlern damit eine einmalige Atmosphäre. Für den SCA war zum Auftakt bis 30 kg griechisch-römisch Jakob Hogger mit einem technisch überlegenen Sieg über Florian Eder erfolgreich, ehe sich bis 80 kg Freistil Benedikt Hinterseer ebenso gegen Korbinian Leo geschlagen geben musste. Im Duell zwischen Florian Ilsanker und Leander Haunerdinger bis 33 kg Freistil stand es bis eine Minute vor Schluss noch ausgeglichen, als der Berchtesgadener eine Beinschraube fassen konnte und den Angerer bis zum Schlussgong über die Matte drehte. Da der Gastgeber zu diesem Zeitpunkt mit 20:9 in Führung lag, erhielt er drei Mannschaftspunkte. Einen souveränen Erfolg sicherte sich bis 63 kg griechisch-römisch Benedikt Rothe, der Luca Hasenknopf zuerst mit einem Achselwurf auch die Matte warf und den Berchtesgadener direkt im Anschluss nach einem Kopfzug schulterte. Einen weiteren Schultersieg und die damit leider bereits letzten vier Angerer Punkte an diesem Abend steuerte bis 36 kg griechisch-römisch Stefan Steiner bei, der beim Stand von 0:10 vorzeitiger Sieger wurde. Bis 55 kg Freistil blieb Turpal Etiev gegen Daniel Petersen, der bereits einige Male in der Oberliga mit der ersten Mannschaft Erfahrung sammeln durfte, chancenlos und verlor technisch überlegen. Auch Stefan Nitzinger konnte bis 40 kg Freistil seinen Kontrahenten Andreas Pelzer nicht daran hindern, immer mehr Punkte zu sammeln, und musste sich ebenfalls technisch überlegen geschlagen geben. Bis 50 kg griechisch-römisch stand es zwischen Danny Quarg und Artur Raisch ausgeglichen 2:2, als der Berchtesgadener mit einem Wurf erfolgreich war und den Angerer schulterte. Seinem kleinen Bruder Albert Raisch erging es bis 43 kg griechisch-römisch ebenso, als er von Paul Ilsanker beim Stand von 6:0 geschultert wurde. Beim 23:12 waren die Gastgeber damit bereits Gesamtsieger des Grenzlandliga-Kampfes, als sich auch Zelimkhan Pitsaev gegen Korbinian Hochreiter technisch überlegen geschlagen geben musste und die Berchtesgadener so zu vier weiteren Punkten kamen. Die erste Chance auf Wiedergutmachung bietet sich für die Schüler am kommenden Samstag, wenn der AC Wals in der Aufhamer Sporthalle zu Gast sein wird.

Lukas Koch, Abteilung Ringen SC Anger

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