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Der Wechselreigen ist eröffnet

OVB
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Eine Auswechslung beim Kreisligisten TuS Raubling: Der aus dem Spiel gegangene Akteur (links) muss damit seinen Fußballtag allerdings noch nicht beendet haben.

Landkreis  - Eine neue Regel im Amateurfußball sorgt für viel Wirbel bei den einheimischen Vereinen. Künftig dürfen alle Mannschaften auf Kreisebene drei Spieler beliebig oft ein- und auswechseln.

Nach den ersten Spieltagen berichten einige Beteiligte über ihre ersten Erfahrungen, Spielleiter und Schiedsrichter erklären noch einmal genau die Regularien.

Für manche Spieler war aufgrund von taktischen Zwängen oder wegen gravierender Fehler bereits vor Ablauf von 90 Minuten Schluss und sie durften zum Duschen gehen. Bei Dauerregen oder eisigen Temperaturen keine schlechte Alternative. Mit der neuen Regel bleiben die Duschen vorerst kalt, denn ausgewechselte Spieler können kurze Zeit später wieder auf das Spielfeld - und das beliebig oft.

Seit dieser Saison dürfen Trainer von der Kreisliga abwärts (Kreisliga, Kreisklasse, A-, B-, C-Klasse) 14 Spieler beliebig oft hin und her tauschen, wie es bereits seit längerem im Jugendfußball erlaubt ist. Nachdem sich diese Regel dort bereits positiv auswirkte, führte man das "Rückwechseln" nun auch im Seniorenbereich ein.

"Bei den 24 bayerischen Kreistagen haben sich insgesamt mehr als 60 Prozent der 4950 Delegierten aus allen Vereinen für die Regelung ausgesprochen", erklärt Rainer Koch, Präsident des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV). "Für die kleinen Vereine ist es aufgrund von Spielermangel immer schwieriger geworden, den Spielbetrieb dauerhaft aufrecht zu erhalten", begründet er die Regeländerung.

Dies ermöglicht es zum Beispiel Vereinen mit kleineren Kadern auch einmal mit nur zwölf Spielern bei einem Spiel anzutreten, da man jetzt verschiedenen Spielern immer wieder Pausen gönnen kann.

Nun häufiger zu beobachten: Ausgewechselte Spieler wärmen sich an der Seitenlinie wieder auf.

Die Regel besagt genau, dass Spieler auf Kreisebene nach einer Auswechslung wieder eingewechselt werden dürfen. Dies ist in jeder Spielunterbrechung, allerdings nur mit Zustimmung des Schiedsrichters, möglich. Dieser muss nur den jeweils ersten Wechsel eines Spielers notieren. Alle weiteren Wechsel werden dann nur noch registriert. Wird ein Spieler wegen Verletzung ausgewechselt und kann nicht mehr am Spiel teilnehmen, so verringert sich das Wechselkontingent der Mannschaft um einen Spieler. Gleiches gilt bei einer Roten oder Gelb-Roten Karte für eine Mannschaft.

Nachdem sich die Vereine selbst auf den Kreistagen für das "Rückwechseln" ausgesprochen haben, sei dies laut BFV-Sprecher Tobias Günther keine Regel die in den "Hinterzimmern des Verbandes" ausgetüftelt wurde. Dennoch ist die Kritik von Seiten der Vereine nicht leise.

Die Hauptkritikpunkte an der Neuerung sind das befürchtete Zeitspiel und das Unterbrechen des Spielflusses. Dafür sind die Trainer allerdings selbst zuständig. Sie sind nicht gezwungen, so oft wie möglich zu wechseln und die Regel aufs äußerste "auszureizen". Dazu meint Raublings Trainer Manfred Thaler: "Die Trainer tun sich selbst keinen Gefallen, wenn zuviel hin und her gewechselt wird, weil der Spielfluss darunter leidet."

Die Gefahr des Zeitspiels könnte jedoch zum Problem werden. Man stelle sich nur vor eine Mannschaft führt wenige Minuten vor Schluss mit einem Tor und wechselt deswegen in jeder Unterbrechung munter ein und aus. Nachdem die Spieler sicher nicht vom Platz sprinten werden geht der zurückliegenden Mannschaft viel Zeit verloren. "Der letzte Wechsel in der 90. Minute ist sicherlich auch dafür da, um etwas Zeit herauszuholen", sagt Anton Görgmayr, Spieler und gleichzeitig Pressesprecher des Kreisligisten SV Vogtareuth. Um dies zu verhindern sind die Schiedsrichter angehalten, Wechsel in der Schlussphase genau zu beobachten und gegebenfalls zu verweigern, was eine weitere Belastung für den Schiedsrichter bedeutet. "Die Unparteiischen müssen nicht nur darauf achten, dass sich kein vierter Auswechselspieler ins Feld mogelt, sondern möglicherweise auch einen Wechsel verweigern," fordert Kreisspielleiter Bernd Schulz aus Großkarolinenfeld. "Falls ich bemerke, ein Wechsel erfolgt nur zum Zeitschinden, muss ich die verlorenen Minuten nachspielen lassen", sagen Schiedsrichter wie Gerhard Burghart (SV Westerndorf) und Josef Ramsl (SC Frasdorf), die an den ersten Spieltagen Kreisliga-Partien mit Rückwechseln leiteten.

"Bevor man von vornherein alles ablehnt sollte man sich auch einmal über die Vorteile Gedanken machen", sagt Kreis-Schiedsrichter-Obmann Franz Eimannsberger (Gruppe Inn). Man kann nun auch wieder auf ältere routinierte Spieler zurückgreifen, die konditionell nicht 100-prozentig fit sind.

Weitere Varianten mit Vorteilen: Gibt es im Verein einen hervorragenden Standardschützen, der aber nicht lange hohes Tempo gehen kann, darf der Trainer seinen Spezialisten beispielsweise zu jedem Freistoß einwechseln und kurz darauf wieder vom Platz holen. Auch nach einer Verletzung kann man einen Spieler noch einmal kurz aufs Feld schicken um zu sehen, ob er noch weiterspielen kann. Neben Mannschaften mit kleinem Kader könnten aber auch junge Spieler von der neuen Regel profitieren. "Wenn ein junger Spieler zu Beginn nicht ganz bei der Sache ist, kann ich ihn kurz rausholen und noch einmal auf ihn einwirken, anstatt dass ich ihn gleich komplett aus dem Spiel nehmen muss," meint Aktivcoach Matthias Pongratz vom Kreisligisten SV/DJK Oberndorf. "Außerdem kann ich diesen Spielern jetzt noch viel mehr Spielzeit geben", ergänzt er. Trotz der Unterbrechung des Spielflusses könnte das ein oder andere Spiel von der Regel profitieren. Ein Spieler muss sich nun nicht mehr schonen um das ganze Spiel durchzuhalten und kann daher die ganze Zeit Vollgas geben. Wenn er müde ist kann er sich kurz ausruhen und später wieder ins Geschehen eingreifen.

Bis jetzt erfolgten erst wenige Spieltage, weswegen man noch keine grundlegenden Erkenntnisse hat. Man muss sicherlich noch etwas "abwarten, beobachten und gegebenenfalls Nachjustieren", heißt es nicht nur von Seiten des BFV. An heißen und schwülen Tagen im kommenden Sommer werden aber sicherlich einige Spieler froh sein wenn sie für zehn Minuten mal kurz durchatmen und sich erfrischen können.

ma/Oberbayerisches Volksblatt

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