Tore, Tränen und Skandale

+
Rudi Bommer.

Burghausen - Beifall, Tränen, eine Provinzposse und sechs Tore: Im letzten Heimspiel des Jahres war bei Wacker Burghausen einiges geboten

Lesen Sie auch:

Bommer geht - Wacker nimmt Stellung


Rudi Bommers Abschied mit Beifall und Tränen, Hans Steindls Rücktritts-Bekanntgabe, eine Pressekonferenz, die man auch als Provinzposse bezeichnen kann, und nicht zuletzt sechs Tore - im letzten Heimspiel des Fußball-Drittligisten SV Wacker Burghausen im Jahr 2011 gegen Kellerkind Carl Zeiss Jena (4:2) war jede Menge geboten.

Rühmliches, aber auch viel Unrühmliches. Fakt ist aber: Die Mannschaft, die Rudi Bommer seinem (noch nicht bekannten) Nachfolger "übergibt", ist völlig intakt und hat eine bärenstarke Herbstrunde gespielt. Ganz egal wie das letzte Match am kommenden Samstag in Oberhausen endet.


Mannschaft und Fans standen zu Trainer Bommer, die Vorstandschaft dagegen nicht (mehr). Und so kam es in der fast einstündigen Pressekonferenz nach dem Jena-Match zu einem Eklat: Bommer, der von Präsidiumsmitglied Klaus Schultheiss mit den Worten "Abzocker - morgen sind sie eh weg!" beschimpft wurde, wehrte sich genauso lautstark ("...diesmal nicht mit mir - nicht wie 2004, als ich zu 1860 ging") und verließ wenig später den Raum, ehe er noch von wartenden Wacker-Fans gefeiert wurde.

Fußball gespielt wurde freilich auch noch vor 2800 Besuchern - und das nicht mal schlecht. Die Burghausener, die zu Hause weiterhin ungeschlagen sind, gingen bereits in der zweiten Minute durch Sebastian Glasner in Führung, als er das Leder nach schöner Vorarbeit von "Ali" Eberlein per Hacke ins Netz beförderte. Traumhaft gemacht!

"Dann waren wir nachlässig in der Deckung und René Vollath hat überragend gehalten", analysierte Bommer. Einige Male gewann der Burghausener Goalie das Direktduell gegen Ex-Bundesliga-Star Jan Simak - grandios vor allem seine Reaktion in der siebten Minute. In der Endphase des ersten Durchgangs waren die Hausherren dem 2:0 jedoch näher als die Thüringer dem Ausgleich, doch Christian Brucia und Glasner wussten mit ihren Chancen nichts anzufangen.

Gleich nach der Pause gelang den Gästen ein Doppelschlag zur zwischenzeitlichen 2:1-Führung: Sebastian Hähnge, der zunächst per Kopf an Vollath gescheitert war, vollendete im zweiten Versuch zum 1:1 (47.) und Robert Zickert verlängerte wenig später einen Freistoß von Simak - getreten aus dem Halbfeld - per Kopf ins Wacker-Netz (50.).

Gut für Burghausen, dass Zickert beim Torjubel gegen eine Werbebande trat und dafür Gelb-Rot gezeigt bekam. "Da fällt mir nichts mehr ein", klagte Carl-Zeiss-Trainer Petrik Sander, "das war Mord an der eigenen Mannschaft." Auch sonst war der Gäste-Coach mit dem Auftritt seiner abwehrschwachen Crew ganz und gar nicht zufrieden und sprach von "Dämlichkeiten, die man selten sieht". Der eine oder andere Spieler sei "nervlich nicht in der Lage, dem Druck standzuhalten".

Gegen nur noch zehn Mann drehten die Burghausener das Match binnen weniger Minuten: Alexander Eberlein traf mit einem nicht ganz unhaltbaren 20-Meter-Flachschuss zum 2:2 (53.), Glasner - der kurz zuvor die Latte anvisiert hatte - vollendete nach einer Kombination über Brucia und Eberlein zum 3:2 (59.). Und nach einer zwischenzeitlichen Ausgleichschance durch Nils Pichinot (Vollath erneut stark) war es Eberlein, der nach einer Youssef-Mokhtari-Ecke zum 4:2-Endstand abstaubte (70.).

cs/Oberbayerisches Volksblatt

Kommentare