Wo sind die Rosenheimer Fußballfans?

OVB
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Sogar die gegnerischen Spieler schauen bewundernd zu, wenn die Sechziger, wie hier Andreas Voglsammer (rechts), technisch starken Fußball bieten - nur der Rosenheimer Fußball-fan kommt nicht ins Stadion. Und so muss der Bayernliga-Tabellenführer seine Heimspiele vor fast leeren Rängen (im Hintergrund) absolvieren.

Rosenheim - Hans Klinger feiert seinen 70. Geburtstag. Das Geschenk, das er sich am meisten wünscht, wird aber nicht dabei sein - ein volles Jahnstadion.

Hans Klinger, der Jubilar, wird vor dem Spiel ein paar Geschenke bekommen, anlässlich seines 70. Geburtstags, den er am Donnerstag feiern durfte. Das Geschenk aber, das er sich am meisten wünschen würde, wird nicht dabei sein: nämlich ein richtig volles Jahnstadion, das die Leistung, die der TSV 1860 Rosenheim als Tabellenführer der Fußball-Bayernliga seit vielen Monaten zeigt, entsprechend würdigt. Auch der FC Eintracht Bamberg, dessen Vorgänger-Vereine immerhin einen klangvollen Namen hatten in Bayern, wird am heutigen Samstag (15 Uhr) nicht die Massen anlocken.


Wer aber überhaupt? Der FC Ismaning, amtierender Bayernligameister, war kürzlich zum Pokalspiel hier, der oberbayerische Rivale SV Heimstetten wurde in einer richtigen Gala mit 5:1 schwer geschlagen nach Hause geschickt. Und eigentlich müssten die Fans ja nicht wegen eines namhaften Gegners kommen, sondern wegen der eigenen Mannschaft. Die wird von der Konkurrenz in höchsten Tönen gelobt, "die Rosenheimer spielen derzeit in einer anderen Liga", anerkannte Hans Blößl, der Ismaninger Chef. BFV-TV, die Internet-Sportschau der Bayernliga, hat an diesem Wochenende Marco Schmidt eingeladen, den Trainer der Sechziger. Er soll erzählen, woher die Mannschaft diese Stärke bezieht.

Ist wohl eines der Mysterien des Fußballs, denn die Rahmenbedingungen sind bescheiden. Rosenheim lässt seine Fußballer ein bisschen im Stich, nicht nur die Zuschauer fehlen, auch die Trainingsmöglichkeiten. "Wir sind der einzige Bayernligist, der über keinen eigenen Trainingsrasenplatz verfügt", klagt Klinger. Dabei ist man BFV-Nachwuchsleistungszentrum, hat neben den beiden Herren-Teams noch 13 Juniorenmannschaften. Schmidts Bayernligatruppe pendelt zwischen Nicklheim, BGS-Platz und Luitpoldhalle, wobei die beiden letzteren Anlagen kein oder ein nur bedingt taugliches Flutlicht haben. Der eigene Kunstrasen ist mit dem Nachwuchs schon überlastet. Ein bisschen neidisch blickt Klinger da nach Kolbermoor, wo er "sieben Fußballplätze" gezählt hat. Seit knapp zwanzig Jahren steht Hans Klinger an der Spitze der Fußballer, hat sie durch schwierige Zeiten geführt und nun steht man an der Bayernligaspitze, strebt sogar die Regionalliga an. "Ein bisschen mehr sollte schon gewürdigt werden, was diese Mannschaft leistet", wünscht er sich. 16 von 18 möglichen Punkten hat sie geholt aus den letzten sechs Spielen, Marco Schmidt will die Serie nun gegen Bamberg fortsetzen, "wir sind super drauf". Wieder kann der Coach aus einem breiten und qualitativ hochwertigen Kader wählen, der viel Selbstbewusstsein getankt hat in den letzten Monaten und mit breiter Brust gegen Bamberg antreten kann. Selbst wenn die Oberfranken um den brandgefährlichen Torjäger Peter Heyer zuletzt zweimal in Folge gewonnen haben und wieder auf Kurs Regionalliga sind. Auch auf den zuletzt fehlenden Julian Richter kann Schmidt zurückgreifen.


Die Mannschaft hat fest vor, ihrem Chef Hans Klinger mit dem fünften (mit Pokal sogar siebten) Sieg in Folge ein würdiges Geburtstagsgeschenk zu machen und weiter Werbung in eigener Sache zu betreiben. Aber man kann eben nur den Leuten zeigen, was man drauf hat, die auch da sind. Die meisten aber kommen nur einmal im Jahr, zum Derby. So eine Kulisse wie Anfang August gegen den Sportbund, die würde sich Hans Klinger in seinen schönsten Träumen öfters wünschen. Doch die Realität erschreckt ihn. Jedes Mal wieder.

hü/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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