Kein Erstliga-Ringen mehr in Anger

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Von Links: Kassier Franz Biok, der 1. Vorstand des SC Anger Max Stadler, Tobias Klouceck (2. Abteilungsleiter), Ralf-Peter Lehmann (1. Abteilungsleiter), Reiner Hogger (Sportlicher Leiter) sowie Angers 1. Bürgermeister Silvester Enzinger.

Anger - Die „Bombe“ war schon am Wochenende geplatzt: Die Ringer Abteilung des SC Anger zieht ihre Mannschaft aus der 1. Bundesliga zurück.

Lag es nun an der bereits getroffenen endgültigen Entscheidung oder an der stillschweigenden Zustimmung des überwiegenden Teils der Vereinsmitglieder: Zu der Abteilungs-Hauptversammlung kamen am Mittwoch Abend in das Gasthaus Klosterwirt in Höglwörth relativ wenig Mitglieder. Knapp 40 Personen – die meisten davon aktive Ringer – diskutierten über die Neuausrichtung und wählten die Abteilungsleitung für die kommenden zwei Jahre.

Der 1. Abteilungsleiter der Abteilung, Ralf-Peter Lehmann erläuterte kurz die Abteilungserfolge des vergangenen Jahres und nannte hier als einen der Höhepunkte den dritten Europameisterschaftstitel in Folge für Katharina Baumgartner bei den Kadetten. Auch die Schüler konnten nach zehn Jahren erstmals wieder den Titel in der Grenzland-Liga holen. Das Werben um künftigen eigenen Ringernachwuchs wurde in Kooperation mit den Schulen des Berchtesgadener Landkreises zum Erfolg. Mehrere hundert Kinder lernten die Sportart Ringen kennen.

Lehmann zeigte sich enttäuscht von einer zum Teil geringen Zuschauer Resonanz in den Bundesligakämpfen, brach aber trotz aller kritischen Ansätze zum „Abenteuer Bundesliga“ eine Lanze für das langjährige Bundesliga Engagement: „ Das Bundesliga-Team hat auch in der vergangenen Saison manch guten Kampf nach Anger gebracht und den Namen Anger in Deutschland würdig vertreten. Die Aufhamer Sporthalle sei mittlerweile zur „Ringer-Arena“ mutiert. Einige ausländische Ringer hätten die beendete Zusammenarbeit sehr bedauert, da man sich in Anger wohl gefühlt habe. Man hoffe darauf, dass sich die Sponsoren auch weiter engagieren würden und die Angerer Ringsportfans den eingeschlagenen Weg mitgehen würden.

Im Nachgang machte er aber nochmals klar, warum man sich für den Schritt entschieden habe, die Bundesliga Mannschaft abzumelden: „Wir können dieses große Rad finanziell und sportlich nicht mehr drehen.“ Die Reaktionen des Präsidenten des Deutschen Ringer Bundes (DRB) Manfred Werner sowie des Bayerischen Vizepräsidenten für den Bereich Sport Erich Stanglmaier sei vom Grundsatz her im Gespräch positiv gewesen, da man von Verbandsseite ohnehin eher erwarte, dass Anger als Bundesstützpunkt den Focus auf eigene Aktive, bzw. auf die Förderung Deutscher Ringer lege.

Sportliches Ziel sei der schnellstmögliche Aufstieg der Oberligamannschaft in die 2. Bundesliga, für die man keine Aufstiegssperre erwarte. Allerdings prüfe man derzeit die Statutenlage, da eine solche Rückzugskonstellation bisher noch nicht vorgekommen sei. Eine 2. Mannschaft, in der insbesondere talentierte Jugendringer eingebaut werden, sollten sei für die Bezirksliga Ndb-Opf./ Inn-Chiem geplant. Finanziell sei aber unter Umständen mit einer Strafe durch den DRB zu rechnen, die gemäß den Richtlinien des Bundes bis zu 10 000 Euro betragen könne.

Der erst vor Kurzem ernannte Sportliche Leiter Reiner Hogger, führte nochmals aus, dass man innerhalb der kommenden 14 Tage mit allen eigenen Ringern einig werden wolle: Bernhard Koch habe seine Bereitschaft in der diesjährigen Oberliga Mannschaft zu ringen bereits mitgeteilt, ebenso hoffe man auf den Verbleib von Stefan Koch und Bernie Mayr. Der 1. Vorstand des SC Anger, Max Stadler schilderte die Situation aus der Sicht des Gesamtvereins: „Das Risiko des Bundesligaengagements war für den Hauptverein nicht mehr überschaubar. Aus unserer Sicht ist das der richtige Schritt.“ Er wies darauf hin, dass den übrigen Abteilungen Etatwünsche der Ringerabteilung oft schwer vermittelbar waren. „Das wird jetzt einfacher werden.“ Der Eindruck, dass damit nur ausländische Ringer finanziert würden, hätte sich jetzt erledigt.

Kassier Franz Biok erläuterte die Einnahmen und Ausgaben des vergangenen Jahres, in denen insbesondere die Aufwendungen für die Bundesliga Mannschaft deutlich zu Buche geschlagen haben. Das Jahr wurde mit einem Defizit von rund 5000 Euro abgeschlossen. Biok stellte klar: „Wir sind allen unseren finanziellen Verpflichtungen termingerecht nachgekommen.“

Vorstandschaft bestätigt

Nach der Entlastung der Vorstandschaft wurde die neue Vorstandschaft gewählt: Die Führungscrew, die für ihren Schritt des Rückzugs aus der 1. Bundesliga bereits von vielen Seiten Zuspruch bekam, stellte sich komplett zur Neuwahl und wurde jeweils einstimmig gewählt: Ralf-Peter Lehrmann ist für zwei weitere Jahre Abteilungsleiter, als sein Stellvertreter fungiert weiterhin Tobias Klouceck. Kassier bleibt Franz Biok, als Kassenprüferin wurde Renate Koch bestätigt. Zusätzlich wurde als weiterer Kassenprüfer Herbert Tschakert gewählt. Die nicht zur Wahl stehende Position der Jugendleitung verbleibt weiterhin bei Julia Weiß und Martina Abler.

Organisatorisch verbleibt die Leitung bei Herbert Steinmaßl, dem Biok einen ironischen Kommentar mit auf den Weg gab: "Manche Posten sind Lebensposten. die verlässt man nur auf biologischem Weg." Angers 1. Bürgermeister Silvester Enzinger, der bereits die Abteilungswahlen geleitet hatte, ging zum Abschluss nochmals auf das Beenden des Bundesligaengagements ein: „Der Schritt der Abteilungsleitung war richtig. Um das Ringen in Anger braucht man auch im 61. Jahr seit Bestehen keine Angst haben. Euer Weg kann sehr erfolgreich sein. Wichtig ist, dass ihr zusammen haltet.“

Hogger wies noch auf die kommenden sportlichen Aktivitäten in den kommenden Monaten hin: So würde eine Angerer Jugendmannschaft in den Pfingstferien in die USA fahren, amerikanische Ringer würden diesen Besuch in Anger Mitte Juni erwiedern. Nach dem beliebten Schülerturnier „Schlumpfcup“ Anfang Juli sei Mitte Juli eine Neuauflage des „Tom-Kirchner-Gedächtnis-Turniers“ geplant, das mit Schüler- und Männermannschaften durchgeführt werden solle.

Ein Ringerfan drückte zum Abschluss dann doch noch seine Enttäuschung aus: „Es ist schon schade, wenn es kein Bundesliga-Ringen mehr in Anger gibt. Aber wenn es nicht mehr geht, dann war es sicher ein guter Schritt zum richtigen Zeitpunkt.“

awi

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