Freeriden im Berchtesgadener Land

+
Flo Gottschlich in seinem "neuen" Element.

Berchtesgaden - Früher Skifahrer, heute Extrem-Biker. Flo Gottschlich nutzt die natürlichen Gegebenheiten für seinen Extrem-Sport.

Früher war er Skifahrer, dann ist er auf das Fahrrad umgesattelt. Nicht etwa auf ein Rennrad für weite Strecken. Was Flo Gottschlich vielmehr anspornt, sind die Berge, natürliche Umgebungen, Bike-Parks, die das Erlebnis auf dem Zweirad in der ganzen Bandbreite erst ermöglichen. Im Biker-Cross-Weltcup war er unter den Top 20, „arbeiten, trainieren, auf Rennen fahren“ – so fasst er den Sport zusammen. Ganz so dem Sport verpflichtet ist er inzwischen nicht mehr. Er betreibt jetzt das Freeriden, „draußen in der Natur, ohne den Druck eines klassischen Rennens“, wie er es von damals noch kennt. Im Berchtesgadener Talkessel böten sich viele Möglichkeiten zum Biken, „oft sind wir aber nicht erwünscht“, so Gottschlich. Wenn es nach ihm geht, möchte er das ändern. Ideen hat er erst kürzlich aus Kanada mitgebracht. Dort war er in Whistler, „dem Biker-Eldorado schlechthin.“


Flo Gottschlich macht die Bike-Parks unsicher

Flo Gottschlich macht die Bike-Parks unsicher
Flo Gottschlich macht die Bike-Parks unsicher © kp
Flo Gottschlich macht die Bike-Parks unsicher
Flo Gottschlich macht die Bike-Parks unsicher © kp
Flo Gottschlich macht die Bike-Parks unsicher
Flo Gottschlich macht die Bike-Parks unsicher © kp
Flo Gottschlich macht die Bike-Parks unsicher
Flo Gottschlich macht die Bike-Parks unsicher © kp
Flo Gottschlich macht die Bike-Parks unsicher
Flo Gottschlich macht die Bike-Parks unsicher © kp
Flo Gottschlich macht die Bike-Parks unsicher
Flo Gottschlich macht die Bike-Parks unsicher © kp
Flo Gottschlich macht die Bike-Parks unsicher
Flo Gottschlich macht die Bike-Parks unsicher © kp
Flo Gottschlich macht die Bike-Parks unsicher
Flo Gottschlich macht die Bike-Parks unsicher © kp
Flo Gottschlich macht die Bike-Parks unsicher
Flo Gottschlich macht die Bike-Parks unsicher © kp
Flo Gottschlich macht die Bike-Parks unsicher
Flo Gottschlich macht die Bike-Parks unsicher © kp

In das Radfahren sei er hineingerutscht. „Gaudihalber“ sei er anfangs unterwegs gewesen, mehr nicht. Dann das erste Rennen, die zunehmende Professionalisierung, Deutsche Mannschaft, erste Sponsoren. Viele von Gottschlichs Sorte gibt es im Berchtesgadener Talkessel nicht. Wohl auch nicht so viele, die schon so oft Brüche vorzuweisen hatten. Erst vor wenigen Wochen wurde ihm eine Metallplatte aus dem Arm entfernt. Ein paar Beinfrakturen, der Arm, die Schulter, der Wirbel – Biker leben mit der Gefahr. „Man wird immer besser, das Stürzen gehört aber dazu“, sagt Gottschlich, der sich zum Trainieren nach Österreich orientiert - nach Leogang, nach Saalbach-Hinterglemm. Für Biker gute Orte, ihrem professionalisierten Hobby zu frönen. „Davon leben kann vielleicht die Top 10“, sagt Gottschlich. In Österreich befinden sich die Bike-Parks, also jene speziellen Strecken, die dazu errichtet wurden, sie mit dem Fahrrad hinter sich zu bringen. Steilkurven in Pfadlandschaften, weite Sprünge, rasend schnell durch dichten Wald hindurch. Professionell hat er drei Serien bestritten, drei Weltcups, Events in Andorra, in Kanada. Sponsoren hat der Bischofswieser Biker zwar, doch die Reisekosten für eine Weltcup-Saison betrugen locker zwischen 10.000 und 15.000 Euro. „Das Rad im Flugzeug mitzunehmen, ist nicht ganz billig“, gibt er mit einem Lächeln zu verstehen. Deshalb konzentriert er sich jetzt lieber auf das Freeriden, auf „Forrest Pump“, wo man ohne Radkette durch den Wald flitzt, das Gelände nutzt. Im „Super Cross“, Gottschlichs Paradedisziplin, tritt man zu zweit gegeneinander an, während der Massenstart eine ganz besondere Herausforderung ist. Erst kürzlich war er mal wieder unterwegs, 180 Starter, die 1800 Höhenmeter zu bewältigen hatten. Stürze sind da vorprogrammiert. Zwar ist Gottschlich noch immer Einzelkämpfer, aber nicht mehr so, wie er es in der Vergangenheit war. „Heute bin ich mehr mit Freunden unterwegs“, erzählt er. Das Biken hat während der Weltcup-Jahre das komplette Leben ausgefüllt. Die Wochenenden waren mit Wettkämpfen gefüllt, die wenige Zeit, die übrig blieb, war kaum vernünftig zu nutzen. So extrem möchte er den Sport heute nicht mehr betreiben, weiß er.


Er hat neue Herausforderungen, etwa sein Videoprojekt, in der Freeriding-Szene zwischenzeitlich guter Standard. Videodrehs seiner Bike-Extremerfahrungen veröffentlicht er regelmäßig im Internet, ein Medien-Profi bereitet das gefilmte Material auf. Mit dem Rad überhaupt erst auf den Berg zu kommen, ist manches Mal eine besondere Herausforderung. „Entweder man geht zu Fuß, oder...“ Im Berchtesgadener Talkessel bleibt es meist dabei. Räder sind in den Bergen nicht erwünscht. „Obwohl wir sehr viele Möglichkeiten hätten, Biker-Strecken umzusetzen“, sagt Gottschlich. Am Jenner keine Chance, Nationalparkgebiet. „Am Götschen und am Hochschwarzeck sind wir leider auch nicht erwünscht“, erzählt er. Ein weiter Weg scheint vor den Zweirad-Profis zu liegen. Sicher ist sich Gottschlich aber, dass vorhandene Strecken gut angenommen würden. In Kanada, Whistler, dort, wo er erst kürzlich mit ein paar Gleichgesinnten war, begrüßte man im August den Millionsten Besucher. Dort ist der Bike-Sport viel populärer, Berge extra für Biker - doch auch in Österreich werde das Angebot gut angenommen. „Wenn es eine gute Strecke gibt, fährt man gerne zwei Stunden mit dem Auto“, sagt Gottschlich. In Kanada haben die waghalsigen Freerider im Übrigen ihr Eldorado gefunden. 56 Strecken, ein Gelände mit Sprüngen und Steilkurven, künstlich Verbautes, kombiniert mit gewachsenen Gegebenheiten. Drei Wochen waren sie dort. Drei Wochen, die sie nicht mehr vergessen werden.

kp

Kommentare