Bauer "auf dem Weg zum Weltmeister"

OVB
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Günther Bauer trainiert mit Weltmeister Krasnikow bis kurz vor Weihnachten.

Schleching - Auf dem Weg zum Weltmeister: Das war Eisspeedway-Pilot Günther Bauer vor einigen Tagen - allerdings "nur" im örtlichen Sinne.

Denn der deutsche Meister weiß, dass die russischen Fahrer in der WM praktisch nicht zu schlagen sind. Bester Beweis dafür: In der WM 2011 gingen die acht ersten Plätze an russische Fahrer, dahinter folgte der "Rest der Welt" - und hier war Bauer als WM-Zwölfter der viertbeste Fahrer.


Der Schlechinger, der schon seit vielen Jahren in Reit im Winkl wohnt, flog vor wenigen Tagen nach Jekaterinenburg, wo ihn dann Weltmeister Nikolaj Krasnikow erwartete. "Dann haben wir noch gut 1500 Kilometer Fahrt vor uns", so der 39-Jährige.

Mit dem Weltmeister verbindet ihn schon seit längerer Zeit ein guter Kontakt. So war der WM-Seriensieger - seit 2005 ununterbrochen Weltmeister - kürzlich für eine Woche bei Bauer zu Gast. "Er hat mir einen neuen Reifen aufgebaut und hat eigentlich die ganze Zeit nur in der Werkstatt gearbeitet. Das rechne ich ihm hoch an", lobt Bauer. Denn die Anordnung der Spikes ist eine "Wissenschaft für sich" - und auch hier sind die russischen Fahrer führend.


Schon seit 2005 haben die beiden guten Kontakt, da lieh ihm Bauer einmal einen Motor. "Das ist ein pfundiger Bursch, der hält sein Wort", freut er sich.

Nur auf dem Eis ruht die Freundschaft, auch wenn jetzt erst einmal für eine ganze Zeit gemeinsam mit einigen weiteren starken Russen trainiert wird.

Bauer will möglichst gut vorbereitet sein auf die Saison. Er kann auf bewährtes Material setzen, und "das Gefühl ist nicht schlecht, aber ich fühle mich nicht so sicher wie in den Vorjahren", gibt der 39-Jährige zu.

Das hat seinen Grund. Denn bei einem Cross-Ausflug mit seinem Sohn Luca (13) nahm Günther Bauer einen Sprung zu kurz - die Folge war ein fürchterlicher Sturz, "ich bin zweimal mit dem Kopf und zweimal mit der Schulter aufgeschlagen." Der sechste Halswirbel war in Mitleidenschaft gezogen, Schulterblatt und Schlüsselbein ebenfalls. Bauer hatte Glück im Unglück, "denn wenn es mich ein wenig an einer anderen Stelle erwischt hätte, wäre ich querschnittsgelähmt gewesen."

Diesem Schicksal entging er, doch er musste drei Monate lang ein Korsett tragen, und erst vor gut eineinhalb Monaten bekam er die ärztliche Diagnose, dass er richtig gesund sei. "Medizinisch ist jetzt alles in Ordnung, aber ich habe mich natürlich nicht so vorbereiten können wie sonst", weiß er.

So geht es nun in Russland darum, wieder das richtige Gefühl fürs Eis zu bekommen. Etwa am 13. Dezember wird Bauer zunächst nach Hause kommen - bleiben wird er aber lediglich einen oder zwei Tage. "Dann geht es nach Schweden - vorausgesetzt, dort wird es endlich kalt genug, um gutes Eis zu haben."

Am 23. Dezember ist die Rückkehr geplant, "denn Weihnachten will ich mit der Familie verbringen." Schon am 27. soll es abermals nach Schweden gehen, wo der Schlechinger an den beiden folgenden Tagen Rennen 2 und 3 des "Santa-Cups" bestreiten will.

Am Dreikönigstag 2012 - seinem 40. Geburtstag - plant Bauer die Teilnahme beim Vorbereitungsrennen in Steingaden. Ob er dann bei der WM-Qualifikation in St. Johann/Pongau (14. Januar) oder aber in Sanok (Polen) oder Luchowizy (Russland/jeweils 28. Januar) mitmischt, steht noch nicht fest. "Ich kann mir zwar aussuchen, wo ich fahren will - aber solange der Qualifikationsmodus noch nicht klar ist, warte ich noch mit meiner Entscheidung ab."

Das Problem: Es dürfen zwar heuer nur sechs Russen in die WM-Serie (Grand Prix) aufsteigen - doch acht von ihnen sind insgesamt bei den Qualifikationen am Start und gehen auch als Favoriten aufs Eis, "und da möchte ich schon wissen, wie das geregelt wird."

Hart wird der Kampf um die GP-Plätze ohnehin, aber der deutsche Meister ist zuversichtlich, wie in den vergangenen Jahren in der Einzel-WM dabei zu sein.

Und er kehrt für die Team-WM wieder in die deutsche Mannschaft zurück: Jürgen Liebmann (Albaching), mit dem er sich uneins geworden war, ist nicht mehr DMSB-Teamchef. Daher fährt der Schlechinger am Wochenende 25./26. Februar in Togliatti wieder für die deutsche Auswahl. Ärgerlich findet er es, dass dieses Rennen in Togliatti und nicht beispielsweise in Inzell stattfindet. "Die in Togliatti haben letztes Jahr beim Grand Prix nicht mal richtiges Eis hergerichtet, denen hätte ich heuer kein so großes Rennen gegeben." Im Februar 2011 hatten am zweiten GP-Tag die Finalläufe in der 720.000-Einwohner-Stadt ausfallen müssen, weil das Eis viel zu dünn geworden war.

Da der Terminplan sehr eng gesteckt ist, wird es heuer voraussichtlich auch keine deutsche Meisterschaft geben. Beim internationalen Rennen in Dresden (16. bis 18. März), wo dies zunächst vorgesehen war, hoffen die deutschen Top-Piloten, nicht am Start zu sein: Da wollen sie lieber in Assen (Niederlande) beim Grand Prix mitmischen ...

who/Oberbayerisches Volksblatt

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