Ist der Abstieg von Kolbermoor II fair?

Kolbermoor - Darf eine unterklassige Mannschaft wie Kolbermoor 2 aufgrund eines Nichtantretens einer höherklassigen Mannschaft wie Wasserburg bestraft werden und muss absteigen?

Die Spielordnung des bayerischen Fußball-Verbandes umfasst 51 Seiten mit 79 Paragraphen und rund 500 Absätzen in denen so elementare Dinge wie Spielbetrieb, Spielerwechsel, Spielwertung, Entscheidungsspiele oder Spielrecht genauestens und größtenteils vernünftig geregelt sind. So ist zum Beispiel das Spielrecht genauestens aufgeführt, aber an einigen Stellen sind die Paragraphen und Absätze undicht, nicht genau ausformuliert und sie entsprechen, wie im Fall Kolbermoor, nicht dem im Sport so oft zitierten Fairplay.


Es stellt sich eine entscheidende Frage: Darf eine unterklassige Mannschaft wie Kolbermoor 2 aufgrund eines Nichtantretens einer höherklassigen Mannschaft wie Wasserburg bestraft werden und muss absteigen? Klar hätten sich die Kolbermoorer Verantwortlichen beim zuständigen Spielleiter erkundigen können, ja sogar müssen, aber auch erfahrene Vereinfunktionäre geben zu, dass ihnen dieser Lapsus genauso hätte passieren können.

Man stelle sich nur folgendes Szenario vor: Fünf Spieltage vor Schluss legt eine Grippe die halbe Kolbermoorer Bezirksliga-Mannschaft flach und sechs Spieler von Kolbermoor 2 müssen bei der Ersten aushelfen. Das dezimierte Kolbermoor 2 wird das erste Mal bestraft und verliert sein Spiel an diesem Wochenende. Danach tritt man, vier Spieltage vor Schluss, nachdem die Spieler der Ersten wieder gesund sind, wieder komplett in der Kreisklasse an. Jetzt wird das letzte Spiel von Kolbermoor 1 abgesagt, weil der Gegner keine Mannschaft zusammenbringt. Und deshalb dürfen diese sechs Spieler, die vier Wochen vorher nur ein Spiel bei der „Ersten“ ausgeholfen haben in den Relegationsspielen nicht mehr antreten – die zweite Bestrafung.


Ist das fair? Macht das Sinn? Nein! In dieser ganzen Angelegenheit gibt es bisher – außer Schwindegg – nur Verlierer, es sei denn der Paragraph 44 Absatz 1 wird in Zukunft abgeändert und es heißt: „Tritt eine Mannschaft verschuldet zu einem Spiel nicht an, wird das Spiel für den Gegner als gespielt gewertet.“ In diesem Fall hätte Kolbermoor alles richtig gemacht…

Hans-Jürgen Ziegler (Oberbayerisches Volksblatt)

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