Vettel: Noch ein Punkt zum Titel

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Sebastian Vettel steht vor dem Gewinn seines zweiten Weltmeistertitels in der Formel 1.

Singapur - Erst fuhr Sebastian Vettel im Lichterschein eines gewaltigen Feuerwerks als Sieger über die Ziellinie im nächtlichen Singapur, dann umarmte er “Spielverderber“ Jenson Button.

Der Brite verhinderte mit seinem zweiten Platz die schon vorbereitete Party für den zweiten Weltmeistertitel binnen 315 Tagen. Die wird nun wohl in zwei Wochen in Japan steigen, denn Fast-Weltmeister Vettel braucht jetzt nur noch einen zehnten Platz für den vorzeitigen Triumph.


“Riesenlast von mir abgefallen“

“Ich bin sehr gerührt über dieses Resultat, weil das eines meiner Lieblingsstrecken ist und außerdem eines der anstrengendsten Rennen der Saison. Es ist beinhart, aber im Ziel ist eine Riesenlast von mir abgefallen“, sagte Vettel nach dem neunten Sieg im 14. Saisonrennen und dem ersten Triumph in Singapur. Die Eltern waren für die mögliche Fete extra aus Deutschland angereist, aber der 24-Jährige nahm die verpasste WM-Party mit einem Grinsen: “Mit der Meisterschaft hat es nicht ganz geklappt. Aber es sieht so aus, als hätten wir eine andere gute Chance in Japan.“

Die Formel-1-Weltmeister seit 1969

Niki Lauda (Foto), Ayrton Senna und Michael Schumacher: Diese Motorsport-Legenden dominierten die Formel 1 über Jahre hinweg. Ein Überblick über die Weltmeister der vergangenen 41 Jahre.  © Getty Images
1969: Jackie Stewart (Schottland), Matra-Ford © mm
1970: Jochen Rindt (Österreich), Lotus-Ford © Getty Images
1971: Jackie Stewart (Schottland), Tyrrell-Ford © Getty Images
1972:  Emerson Fittipaldi (rechts, Brasilien), Lotus-Ford © Getty Images
1973 Jackie Stewart (Schottland), Tyrrell-Ford © Getty Images
1974 Emerson Fittipaldi (Brasilien), McLaren-Ford © Getty Images
1975: Niki Lauda (Österreich), Ferrari © Getty Images
1976: James Hunt (England), McLaren-Ford © Getty Images
1977: Niki Lauda (Österreich), Ferrari © Getty Images
1978: Mario Andretti (USA), Lotus-Ford © Getty Images
1979: Jody Scheckter (Südafrika), Ferrari © Getty Images
1980: Alan Jones (Australien), Williams-Ford © Getty Images
1981: Nelson Piquet (Brasilien), Brabham-Ford © Getty Images
1982: Keke Rosberg (Finnland), Williams-Ford © Getty Images
1983: Nelson Piquet (Brasilien), Brabham-BMW © Getty Images
1984: Niki Lauda (Österreich), McLaren-Porsche Turbo © Getty Images
1985 Alain Prost (Frankreich) McLaren-Porsche Turbo © Getty Images
1986: Alain Prost (Frankreich), McLaren-Porsche © Getty Images
1987: Nelson Piquet (Brasilien), Williams-Honda Turbo © Getty Images
1988: Ayrton Senna (Brasilien), McLaren-Honda Turbo © Getty Images
1989: Alain Prost (Frankreich), McLaren-Honda © Getty Images
1990 Ayrton Senna (Brasilien), McLaren-Honda © Getty Images
1991 Ayrton Senna (Brasilien), McLaren-Honda © Getty Images
1992: Nigel Mansell (England), Williams-Renault © Getty Images
1993: Alain Prost (Frankreich), Williams-Renault © Getty Images
1994: Michael Schumacher (Kerpen), Benetton-Ford © Getty Images
1995: Michael Schumacher (Kerpen, auf dem Foto mit Benetton-Boss Flavio Briatore), Benetton-Renault © Getty Images
1996: Damon Hill (England), Williams-Renault © Getty Images
1997: Jacques Villeneuve (Kanada), Williams-Renault © Getty Images
1998: Mika Häkkinen (Finnland), McLaren-Mercedes © Getty Images
1999: Mika Häkkinen (Finnland), McLaren-Mercedes © Getty Images
2000: Michael Schumacher (Kerpen), Ferrari © Getty Images
2001: Michael Schumacher (Kerpen), Ferrari © Getty Images
2002: Michael Schumacher (Kerpen) Ferrari © Getty Images
2003: Michael Schumacher (Kerpen), Ferrari © Getty Images
2004: Michael Schumacher (Kerpen), Ferrari © Getty Images
2005: Fernando Alonso (Spanien), Renault © Getty Images
2006 Fernando Alonso (Spanien), Renault © Getty Images
2007: Kimi Räikkönen (Finnland), Ferrari © Getty Images
2008: Lewis Hamilton (Großbritannien), McLaren-Mercedes © Getty Images
2009: Jenson Button (Großbritannien), Brawn GP © Getty Images
2010: Sebastian Vettel (Deutschland), Red Bull © dapd

Sogar eine fast hundertprozentige, denn nach dem Triumph in Singapur kann mit dem zweiten WM-Titel nur noch theoretisch etwas schiefgehen. Der letzte verbliebene Konkurrent Button müsste alle fünf verbleibenden Saisonrennen gewinnen und Vettel dürfte keinen einzigen Punkt mehr holen - eher schneit es vermutlich in der Sahara. “Ich fühle mich in der Lage dazu, einmal Platz zehn zu belegen. Aber auch diese Geschichte muss erst geschrieben werden“, sagte Vettel lächelnd.

Button hat aufgegeben

Während des Rennens hatte er ab und zu an die Situation in Abu Dhabi im Vorjahr gedacht, als sein Titelgewinn ein kompliziertes Rechenexempel war. In Japan in zwei Wochen hat er es leichter - Platz zehn reich definitiv: “Ich denke, dass ich das selbst ausrechnen kann.“ McLaren-Pilot Button hat schon aufgegeben: “Platz zwei ist das Beste, was man gegen Sebastian momentan erreichen kann.“

Raus aus dem Titelrennen sind Vettels Teamkollege Mark Webber (Australien) und Ferrari-Pilot Fernando Alonso (Spanien), die auf den Pllätzen drei und vier landeten. Zweitbester Deutscher war Nico Rosberg (Wiesbaden), der im Mercedes als Siebter über den Zielstrich fuhr. Adrian Sutil (Gräfelfing) holte als Achter im Force India ebenfalls noch WM-Punkte.

Schumacher übersteht Crash unverletzt

Für den Aufreger des Rennens sorgte Michael Schumacher. Der Rekord-Weltmeister stieg nach einem “Auffahr-Unfall“ mit Sergio Perez zur Hälfte des Rennens mit seinem Mercedes meterhoch in die Luft auf. Doch glücklicherweise überschlug sich das fliegende Auto nicht. Nach der Landung krachte der Silberpfeil frontal in die Streckenbegrenzung. Doch Schumacher stieg kurz darauf selbst aus dem zerstörten Mercedes aus und gab später im Fahrerlager Entwarnung: “Der Einschlag war sicher nicht ohne, aber mir geht es soweit gut.“

Schumacher nahm den größten Teil der Schuld auf sich: “Dadurch, dass Perez nicht auf seine normale Linie zurückfährt, geht er sehr früh vom Gas. Da habe ich nicht mit gerechnet und war zu nah dran.“ Die nach dem Crash folgende Safety-Car-Phase war der einzige Moment, in dem Vettels überlegener Start-Ziel-Sieg kurz in Gefahr schien. “Hier darf man sich halt keinen Fehler leisten“, sagte Vettel zum Crash seines Freundes.

Er leistete sich keinen einzigen. Vettel sorgte beim Start gleich für klare Verhältnisse. Während hinter ihm ein erbitterter Kampf um die Plätze tobte, raste der Weltmeister von der 11. Pole Position im 14. Rennen einfach vorneweg. “Das Auto war fantastisch. Ich konnte eine Lücke reißen, wann ich es gebraucht habe.“ Der Weltmeister gab sich beim heißen Tanz zwischen den Mauern bis zum Schluss keine Blöße und schrie bei der Zieldurchfahrt seine Freude heraus: “Ja, ja, wir haben es geschafft - Singapur.“

dapd

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