Schumis Ritterschlag: Hut ab vor Vettel!

Weltmeister-Umarmung! Sebastian Vettel (l.) und Michael Schumacher
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Weltmeister-Umarmung! Sebastian Vettel (l.) und Michael Schumacher

Abu Dhabi/Berlin - Ritterschlag vom Rekordmeister: Michael Schumacher hat sich tief vor Sebastian Vettel verneigt und dessen Weltmeister-Triumph noch einmal nachdrücklich gewürdigt.

“Wie er sich durch die Saison gebissen und zum Schluss groß aufgetrumpft hat, ist aller Ehren wert. Hub ab vor so viel Talent, Beharrlichkeit und Renngeilheit“, schrieb der Vettel-Freund am Freitag auf seiner Homepage. Gleich nach dem Sieg und Weltmeisterschaftsgewinn in Abu Dhabi hatte Schumacher dem 18 Jahre jüngeren Nachfolger gratuliert, “aber ich wollte es nun, da die ersten Glückwunsch-Wellen abgeebbt sind, nochmals wiederholen“, erklärte Schumacher.


Die Formel-1-Weltmeister seit 1969

Niki Lauda (Foto), Ayrton Senna und Michael Schumacher: Diese Motorsport-Legenden dominierten die Formel 1 über Jahre hinweg. Ein Überblick über die Weltmeister der vergangenen 41 Jahre.  © Getty Images
1969: Jackie Stewart (Schottland), Matra-Ford © mm
1970: Jochen Rindt (Österreich), Lotus-Ford © Getty Images
1971: Jackie Stewart (Schottland), Tyrrell-Ford © Getty Images
1972:  Emerson Fittipaldi (rechts, Brasilien), Lotus-Ford © Getty Images
1973 Jackie Stewart (Schottland), Tyrrell-Ford © Getty Images
1974 Emerson Fittipaldi (Brasilien), McLaren-Ford © Getty Images
1975: Niki Lauda (Österreich), Ferrari © Getty Images
1976: James Hunt (England), McLaren-Ford © Getty Images
1977: Niki Lauda (Österreich), Ferrari © Getty Images
1978: Mario Andretti (USA), Lotus-Ford © Getty Images
1979: Jody Scheckter (Südafrika), Ferrari © Getty Images
1980: Alan Jones (Australien), Williams-Ford © Getty Images
1981: Nelson Piquet (Brasilien), Brabham-Ford © Getty Images
1982: Keke Rosberg (Finnland), Williams-Ford © Getty Images
1983: Nelson Piquet (Brasilien), Brabham-BMW © Getty Images
1984: Niki Lauda (Österreich), McLaren-Porsche Turbo © Getty Images
1985 Alain Prost (Frankreich) McLaren-Porsche Turbo © Getty Images
1986: Alain Prost (Frankreich), McLaren-Porsche © Getty Images
1987: Nelson Piquet (Brasilien), Williams-Honda Turbo © Getty Images
1988: Ayrton Senna (Brasilien), McLaren-Honda Turbo © Getty Images
1989: Alain Prost (Frankreich), McLaren-Honda © Getty Images
1990 Ayrton Senna (Brasilien), McLaren-Honda © Getty Images
1991 Ayrton Senna (Brasilien), McLaren-Honda © Getty Images
1992: Nigel Mansell (England), Williams-Renault © Getty Images
1993: Alain Prost (Frankreich), Williams-Renault © Getty Images
1994: Michael Schumacher (Kerpen), Benetton-Ford © Getty Images
1995: Michael Schumacher (Kerpen, auf dem Foto mit Benetton-Boss Flavio Briatore), Benetton-Renault © Getty Images
1996: Damon Hill (England), Williams-Renault © Getty Images
1997: Jacques Villeneuve (Kanada), Williams-Renault © Getty Images
1998: Mika Häkkinen (Finnland), McLaren-Mercedes © Getty Images
1999: Mika Häkkinen (Finnland), McLaren-Mercedes © Getty Images
2000: Michael Schumacher (Kerpen), Ferrari © Getty Images
2001: Michael Schumacher (Kerpen), Ferrari © Getty Images
2002: Michael Schumacher (Kerpen) Ferrari © Getty Images
2003: Michael Schumacher (Kerpen), Ferrari © Getty Images
2004: Michael Schumacher (Kerpen), Ferrari © Getty Images
2005: Fernando Alonso (Spanien), Renault © Getty Images
2006 Fernando Alonso (Spanien), Renault © Getty Images
2007: Kimi Räikkönen (Finnland), Ferrari © Getty Images
2008: Lewis Hamilton (Großbritannien), McLaren-Mercedes © Getty Images
2009: Jenson Button (Großbritannien), Brawn GP © Getty Images
2010: Sebastian Vettel (Deutschland), Red Bull © dapd

Die einzigen beiden deutschen Formel-1-Champions kennen sich schon lange. 1995 bekam der einst als “Baby-Schumi“ bezeichnete Vettel einen Pokal aus den Händen des großen Schumi. “Als ich dann an der Reihe war, kam, was kommen musste. Wie es halt so ist, wenn man sein großes Vorbild trifft: Ich hab' gestottert, wusste nicht, was ich sagen sollte. Kurz: Ich hab' kein Wort rausgebracht“, erinnerte sich Vettel in der “Bild“-Zeitung (Freitag).


15 Jahre später zieht der gerade mal 23-Jährige alle in seinen Bann. Um Worte ist er eigentlich nie verlegen, selbst die Feiermüdigkeit nach dem WM-Titel konnte seinen Redeschwall kaum bremsen. Mit seiner natürlichen Art und seinem spitzbübischen Humor avanciert der Heppenheimer zu Everybody's Darling. Und auch Schumacher, der vom Kumpel zum Statisten degradiert wurde, gönnt ihm den Erfolg von ganzem Herzen. “Wir kennen uns ja nun schon seit sehr vielen Jahren, wir sind seit vielen Jahren Freunde, und deshalb freue ich mich total für ihn“, meinte Schumacher.

Als echtes Team konnten sich die beiden auch schon zusammen freuen. Im vergangenen Jahr gewannen Schumacher und Vettel zum dritten Mal in Serie den Nations Cup beim Race of Champions. In einer Woche wollen sie in Düsseldorf Titel Nummer vier ansteuern. Der Spaß soll bei den beiden Vollprofis, die den Ruf genießen, Perfektionisten zu sein, die ihr Team mitreißen, dann aber auch nicht zu kurz kommen. “Da wird dann schon mal Fast Food zusammen bestellt und in der Umkleide Burger gegessen“, erzählte Vettel über die bisherigen gemeinsamen Auftritt beim Rennen der Meister.

Siebenmal gelang es Schumacher, der an diesem Samstag in Abu Dhabi in die Tests mit den Reifen des neuen Ausrüsters Pirelli einsteigt, die WM-Krone in der Königsklasse zu ergattern. Er war bei seinem ersten WM-Triumph - 1994 - 25 Jahre und 315 Tage alt. Vettel dagegen gerade mal 23 Jahre und 134 Tage - Rekord. Schumacher fuhr bislang 68 Mal auf die Pole Position, Vettel schaffte es bereits 15 Mal, Schumacher gewann 91 Rennen, Vettel bis dato 10.

Michael Schumacher wurde zur Ikone bei Ferrari mit fünf Titeln in Serie, Vettel könnte Selbiges mit dem Privatteam Red Bull von Dietrich Mateschitz gelingen. Die Scuderia sei noch weit, weit weg, meinte Vettel. Der Heppenheimer, der im Gegensatz zu Schumacher in dessen erster und bislang noch beispielloser Karriere wie ein Star zum Anfassen wirkt, will 2011 mit Red Bull den Titel verteidigen.

Und wenn bei Kumpel Schumacher und seinem Mercedes alles endlich in die Gänge kommt, könnte es zum Duell der beiden deutschen Champions kommen. Mal sehen, wer wem in einem Jahr gratulieren kann.

dpa

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