Meistermacher Brawn: Das „Superhirn“ hat wieder zugeschlagen

Wie der Name schon sagt: Ross Brawn ist der Macher bei Brawn GP
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Wie der Name schon sagt: Ross Brawn ist der Macher bei Brawn GP

São Paulo - Mit “Superhirn“ Ross Brawn ist der Erfolg praktisch garantiert. Alle sieben Titel holte Michael Schumacher mit dem Briten, zwei bei Benetton, fünf bei Ferrari. Sein Geheimnis:

Nun machte Brawn Jenson Button zum Champion. “Er hat eine Medaille verdient“, meinte Button, der nach neun vergeblichen Anläufen triumphierte und sich mit einem dicken Schmatzer auf die Wange bei Boss Brawn bedankte. Rekord-Weltmeister Schumacher gratulierte am Montag per Internet-Botschaft: “Für Ross, den ich nun so lange kenne, freut es mich wahnsinnig. Er hat diesen Erfolg verdient.“

“Ross macht es schon besser als die anderen“, erklärte Ex- Weltmeister und “Sky“-Experte Keke Rosberg. Brawn hatte schon 1996 bei seiner Ankunft bei Ferrari aufgeräumt. Auch jetzt habe er es verstanden, die richtigen Leute um sich herum zu sammeln, sie richtig zu fördern, zu führen und das Maximale herauszuholen. “Das ist ein Mensch mit Talent und nichts anderes“, meinte Rosberg.

Eine Show der Emotionen versagte sich Brawn indes wie gewohnt. “Euphorisch, aber benommen“, fühle er sich nun, sagte er nach dem doppelten Weltmeister-Triumph. “Es gibt ein paar Momente, in denen ich realisiere, was das Team erreicht hat. Es ist etwas sehr Besonderes“, meinte er. “Was die geschafft haben, ist aller Ehren wert“, urteilte auch sein früherer Schützling Schumacher.

Schumi und Co.: Formel-1-Weltmeister der vergangenen 40 Jahre

Die Formel-1-Weltmeister seit 1969

Niki Lauda (Foto), Ayrton Senna und Michael Schumacher: Diese Motorsport-Legenden dominierten die Formel 1 über Jahre hinweg. Ein Überblick über die Weltmeister der vergangenen 41 Jahre. © Getty Images
1969: Jackie Stewart (Schottland), Matra-Ford © mm
1970: Jochen Rindt (Österreich), Lotus-Ford © Getty Images
1971: Jackie Stewart (Schottland), Tyrrell-Ford © Getty Images
1972:  Emerson Fittipaldi (rechts, Brasilien), Lotus-Ford © Getty Images
1973 Jackie Stewart (Schottland), Tyrrell-Ford © Getty Images
1974 Emerson Fittipaldi (Brasilien), McLaren-Ford © Getty Images
1975: Niki Lauda (Österreich), Ferrari © Getty Images
1976: James Hunt (England), McLaren-Ford © Getty Images
1977: Niki Lauda (Österreich), Ferrari © Getty Images
1978: Mario Andretti (USA), Lotus-Ford © Getty Images
1979: Jody Scheckter (Südafrika), Ferrari © Getty Images
1980: Alan Jones (Australien), Williams-Ford © Getty Images
1981: Nelson Piquet (Brasilien), Brabham-Ford © Getty Images
1982: Keke Rosberg (Finnland), Williams-Ford © Getty Images
1983: Nelson Piquet (Brasilien), Brabham-BMW © Getty Images
1984: Niki Lauda (Österreich), McLaren-Porsche Turbo © Getty Images
1985 Alain Prost (Frankreich) McLaren-Porsche Turbo © Getty Images
1986: Alain Prost (Frankreich), McLaren-Porsche © Getty Images
1987: Nelson Piquet (Brasilien), Williams-Honda Turbo © Getty Images
1988: Ayrton Senna (Brasilien), McLaren-Honda Turbo © Getty Images
1989: Alain Prost (Frankreich), McLaren-Honda © Getty Images
1990 Ayrton Senna (Brasilien), McLaren-Honda © Getty Images
1991 Ayrton Senna (Brasilien), McLaren-Honda © Getty Images
1992: Nigel Mansell (England), Williams-Renault © Getty Images
1993: Alain Prost (Frankreich), Williams-Renault © Getty Images
1994: Michael Schumacher (Kerpen), Benetton-Ford © Getty Images
1995: Michael Schumacher (Kerpen, auf dem Foto mit Benetton-Boss Flavio Briatore), Benetton-Renault © Getty Images
1996: Damon Hill (England), Williams-Renault © Getty Images
1997: Jacques Villeneuve (Kanada), Williams-Renault © Getty Images
1998: Mika Häkkinen (Finnland), McLaren-Mercedes © Getty Images
1999: Mika Häkkinen (Finnland), McLaren-Mercedes © Getty Images
2000: Michael Schumacher (Kerpen), Ferrari © Getty Images
2001: Michael Schumacher (Kerpen), Ferrari © Getty Images
2002: Michael Schumacher (Kerpen) Ferrari © Getty Images
2003: Michael Schumacher (Kerpen), Ferrari © Getty Images
2004: Michael Schumacher (Kerpen), Ferrari © Getty Images
2005: Fernando Alonso (Spanien), Renault © Getty Images
2006 Fernando Alonso (Spanien), Renault © Getty Images
2007: Kimi Räikkönen (Finnland), Ferrari © Getty Images
2008: Lewis Hamilton (Großbritannien), McLaren-Mercedes © Getty Images
2009: Jenson Button (Großbritannien), Brawn GP © Getty Images
2010: Sebastian Vettel (Deutschland), Red Bull © dapd

Mindestens so wichtig wie Buttons Titel ist für die “Brawnies“ der Gewinn der Konstrukteursmeisterschaft. Dies bringt dem Team viel frisches Geld. Die Verteilung der Vermarktungseinnahmen wird nach eben dieser Rangliste geregelt. Ross Brawn: gewiefter Taktiker, cleverer Stratege, Mann vom Fach, der in der glamourösen Formel-1-Welt irgendwie ein bisschen kauzig daherkommt. Seine Hobbys sind nicht gerade actiongeladen: Fischen und Rosenzüchten. Seinen ersten Job im Motorsport trat Brawn 1976 an, bei Williams und March. Über Lola und Arrows sowie Jaguar landete der Mann aus Manchester bei Benetton, mit Schumacher. Der Kerpener, beeindruckt von Brawns Gründlichkeit, nahm ihn dann mit zu Ferrari. Ihre Zeit dort endete auch gemeinsam: Schumacher beendete nach der Saison 2006 seine Karriere, Brawn stieg für ein Sabbatjahr aus.

 Statt der Rückkehr zu den Roten ging der 54 Jahre alte Vater zweier Töchter zu Honda. Wenn auch mit viel Zittern und Bangen: Die nächste Erfolgsgeschichte nahmen ihren Anfang. Am 6. März, kurz vor dem WM-Start in diesem Jahr verkündete Aussteiger Honda: “Wir sind erfreut, dass wir das Team an Ross Brawn verkaufen konnten.“ “Dieses Team würde nicht existieren, wenn Ross nicht hier wäre“, betonte Button. “Sein Name steht auf der Seite des Autos und das bedeutet eine Menge Druck“, stellte der neue Champion klar. Die volle Konzentration hatte Brawn schon früh im vergangenen Jahr auf die Entwicklung des neuen Autos für 2009 gelegt. Ein Vorsprung, den die gestürzten Branchenführer McLaren-Mercedes und Ferrari nicht mehr aufholen konnten. “Ich denke nicht, dass irgendeiner von uns glaubt, dass wir es ohne ihn geschafft hätten“, meinte Button.

dpa

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