Dezimierte F1-Klassenfahrt: Eine Art Phantomschmerz

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Sebastian Vettel sieht die Entwicklung der kleinen Teams mit Sorge. Foto: Srdjan Suki

Austin (dpa) - Die Fassaden sind nackt, die Veranden verwaist. Kein Stuhl, kein Sonnenschirm, kein Teamlogo. Von der Einrichtung ganz zu schweigen. Im Formel-1-Fahrerlager zum Großen Preis der USA sind zwei Motorhomes leer. Jene, die für Caterham und Marussia bestimmt waren.

Doch die Hinterbänklerteams haben Insolvenzantrag gestellt, die teure Klassenfahrt nach Texas fällt für sie aus. In der Boxengasse fehlen sie ohnehin. "Es ist schockierend zu sehen, dass sie nicht hier sind", sagte Sebastian Vettel wie kaum ein zweiter voller Sorge. Phantomschmerzen in der Formel 1? Sie halten sich ansonsten in Grenzen. Das PS-Geschäft geht weiter. Es muss weitergehen.

Nur 18 Autos nehmen am drittletzten Formel-1-Rennwochenende teil - so wenige wie letztmals beim Grand Prix von Monaco 2005. "Es ist besorgniserregend zu sehen, dass es Teams nicht bis zum Ende des Jahres schaffen", erklärte Vettel. "So wie ich das sehe, ist das keine komplette Überraschung. In den vergangenen Jahren haben wir gesehen, dass es für kleinere Rennställe eng wird, ihr Budget zu finden, vor allem in diesem Jahr mit den höheren Kosten und dem neuen Reglement. Das hat es für sie vielleicht zu schwer gemacht."

Leichter hätten es kleinere Teams, wenn Chefvermarkter Bernie Ecclestone seinen Verteilungsschlüssel ändern würde, was einer Umverteilung der Prämien von oben nach unten nahekäme. Der andere wichtige Ansatz ist eine Kostenreduzierung.

Der Automobil-Weltverband FIA nahm in einer Mitteilung die beiden Krisenfälle Caterham und Marussia zum Beispiel, um auf die Dringlichkeit einer Ausgabengrenze hinzuweisen. Denn entsprechende Initiativen seien notwendig, "um das Überleben des bestehenden Starterfelds sicherzustellen oder potenzielle neue Bewerber anzuziehen", teilte der Weltverband in einem Schreiben mit.

FIA-Chef Jean Todt hat sich mit dem Vorschlag einer Budgetobergrenze bislang nicht durchsetzen können. Das ficht potenzielle neue Teams, wie etwa Forza Rossa, offenbar nicht an. Sie wollen rein. Der zur Tatenlosigkeit verdammte Caterham-Stammpilot Marcus Ericsson versucht drinzubleiben, indem er den Grand Prix zumindest in Zivil aufsucht, um im Formel-1-Zirkus nicht in Vergessenheit zu geraten.

Ein vorläufiges Aus von Caterham und Marussia zeichnete sich schon lange ab. Entsprechend nüchtern bewertet ein Fahrer wie Adrian Sutil, dessen Rennstall Sauber wie auch Force India und Lotus zu den weiteren potenziellen Sorgenteams zählt, die Situation. "Der Zustand war schon bekannt. Es war das ganze Jahr ein Thema, dass viele Teams auf der finanziellen Seite schwächeln. Also ist das für mich keine große Überraschung", erzählte er. "Vielleicht gibt es auch mal den Punkt, wo es keinen Sinn macht und es besser ist, vielleicht aufzuhören anstatt es immer weiterzuführen und in Schulden zu geraten." Vielleicht ist dieser Punkt erreicht.

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