Ferrari nähert sich Silberpfeilen

"Bauchgefühl besser": Vettel hofft im ewigen Kampf gegen Mercedes

Sebastian Vettel in seinem neuen Ferrari in Barcelona.
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Sebastian Vettel in seinem neuen Ferrari in Barcelona.

Barcelona - Ist es mit der Dominanz von Mercedes vorbei? Bei den Formel-1-Testfahrten in Barcelona deutet sich an, dass Ferrari näher dran ist. Das freut vor allem Sebastian Vettel.

Sebastian Vettel hat wieder Hoffnung. "Mein Bauchgefühl ist besser als im Vorjahr", sagte der Ferrari-Pilot in Barcelona. Die Eindrücke der Testfahrten in dieser Woche stimmen den viermaligen Weltmeister äußerst positiv. Es scheint, als hätte seine Scuderia im Winter viel richtig gemacht und den Rückstand auf Branchenprimus Mercedes aufgeholt.

Ob es nach drei Jahren erdrückender Dominanz der Silberpfeile in der Formel 1 aber wirklich wieder spannend wird, bleibt fraglich. "Wo das Potenzial dieses Autos liegt, ist heute unmöglich zu sagen. Wir versuchen, nicht links und nicht rechts zu schauen", sagte Vettel.

Scuderia Ferrari bei den Tests auf Mercedes-Niveau

Den 29-Jährigen interessierte es deswegen auch nicht, dass er in Schlagdistanz zu Mercedes war, Ferrari in Spanien regelmäßig schnelle Runden fuhr und als einziges Team auf dem Niveau des Überteams der Vergangenheit lag - nur Mercedes und Ferrari blieben während der vier Testtage unter 1:21 Minuten. "Es ist wichtig, dass wir viele Runden fahren. Das ist uns an den ersten drei Tagen recht gut gelungen", sagte Vettel.

Bei einem kleinen Experiment blieb sein Wagen zwar einmal auf der Zielgeraden liegen, doch es war der einzige kleiner Patzer. Ansonsten lief die neue "Rote Göttin" unter der spanischen Sonne wie ein Uhrwerk. Nicht zuletzt Räikkönens Bestzeit von 1:20,872 zum Ausklang am Donnerstag war dafür ein starkes Indiz.

Probleme bei Hamilton

Dafür gab es bei den Silberpfeilen Probleme. Der dreimalige Champion Lewis Hamilton (Großbritannien) und sein neuer Teamkollege Valtteri Bottas (Finnland) spulten ihr geplantes Programm zunächst routiniert ab, doch am Donnerstag wurde Hamilton vom einem Elektronikfehler ausgebremst und musste am Vormittag in der Garage bleiben.

"Schade, dass ich nicht mehr fahren konnte, aber bisher waren es tolle Tage. Die Jungs haben einen unglaublichen Job gemacht", sagte Hamilton. Vier Wochen vor dem Saisonstart in Melbourne (26. März) gilt der 32-Jährige trotzdem als großer WM-Favorit, genau wie Bottas fuhr er in Barcelona schon eine komplette Renndistanz zur Probe.

Die Autos und Fahrer der Formel 1 in der Saison 2017 im Überblick

Kaum jemand bezweifelt, dass Hamilton nach dem Rücktritt von Weltmeister Nico Rosberg seinen vierten Titel einfahren wird. Allerdings ist die Sehnsucht groß, dass ihn mehr Teams dabei ärgern, dass es wieder verstärkt Spannung und Spektakel gibt.

Vettel wagt allerdings noch keine Prognosen. "Ich habe keine Kristallkugel. Ich habe nur zwei andere Kugeln, aber die nützen dafür nichts", sagte Vettel und grinste. Am Donnerstag schaute er nur zu, weil Kimi Räikkönen das Steuer übernahm. Erst beim zweiten und letzten Test in der kommenden Woche (7. bis 10. März) sitzt der 42-malige Grand-Prix-Sieger in Barcelona wieder im bislang überzeugenden SF70-H.

Ein gut gelaunter Vettel schreibt Autogramme.

Seit September 2015 in Singapur hat der Heppenheimer nicht mehr gewonnen, 2016 gab es keinen einzigen Sieg für Ferrari. "Die Latte liegt hoch, das wissen wir, aber wir sind dran!", meinte Vettel. Auch bei Mercedes hat man die Fortschritte der Italiener registriert. "Ferrari ist genauso gut vorbereitet wie wir", sagte Niki Lauda, der Aufsichtsratschef der Silberpfeile, dem Fachportal Motorsport-Magazin.com.

Beide Teams haben das neue Reglement mit anderen Vorgaben für Aerodynamik und Reifen bislang offenbar am besten umgesetzt. Die Autos sind in den Kurven deutlich schneller, die Rundenzeiten sinken, und die Fahrer werden körperlich mehr beansprucht. "Das ist schon beachtlich", sagte Hamilton: "In der neunten Kurve habe ich unter meinem Helm gejubelt, man fühlt sich wie ein Kind in der Achterbahn."

SID

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