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Tour de France

Ungläubiges Staunen über skandalfreie Tour

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Die Tour de France 2009 - bislang läuft sich reibungslos und ohne (Doping-)Skandale ab.

Verbier - Die 96. Tour de France rollt skandalfrei durch die Lande - und hinterlässt ungläubiges Staunen.

Dass nach der zweiten Tour-Woche noch immer kein Dopingfall die Frankreich-Rundfahrt erschüttert hat, lässt die Skeptiker beileibe nicht eine Wende zum Guten vermuten. "Ich habe nicht das Gefühl, dass der Profiradsport sich ernsthaft ändert. Dieser Sport ist in einer Strukturkrise, die noch viele Jahre anhalten wird", sagte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble in einem Interview dem "Tagesspiegel" (Montag).

Damit spricht der CDU -Politiker Dauer-Kritikern wie Werner Franke aus der Seele. Für den Heidelberger Molekularbiologen ist das Ausbleiben von Positiv-Fällen nicht Ausdruck eines Mentalitätswandels, sondern einer Vertuschungsaktion. "Es wird darauf geachtet, dass nichts rauskommt. Das wäre schlecht für's Geschäft", sagte Franke der Deutschen Presse-Agentur dpa. Die Kooperation des Radsport-Weltverbands UCI und des Tour-Veranstalters ASO, die beide die diesjährigen Astana-Festspiele in den höchsten Tönen loben, sei "alles eine Sauce der Korruptionsharmonie", die Tour ohnehin nur "ein Kabarett zur Volksverdummung".

Kurz vor der Großen Schleife hatte es noch so ausgesehen, als würde die 96. Tour nahtlos an ihre dopinggeplagten Vorgänger anknüpfen. Das Tour-Zentralorgan "L'Équipe" berichtete, in Bälde sei mit "vier bis sieben" Entlarvungen zu rechnen. Seitdem herrscht Funkstille. Einzig am vergangenen Freitag ging kurz ein Doping-Raunen durch das Pressezentrum in Colmar. Die UCI teilte in einer Erklärung mit, dass zwei Spanier positiv auf das EPO-Präparat CERA getestet worden seien. Die Namen: Inigo Landaluze und Ricardo Serrano , beide nicht bei der Tour dabei. Für Franke kein Wunder: "So große Fehler werden von Tour-Ärzten beim Dopen nicht mehr gemacht. Man weiß, was sie einnehmen müssen, damit sie nicht erwischt werden."

Auch der frühere Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer hat sich längst von der Vorstellung des "reinen Sportlers" verabschiedet. Ob bei dieser Tour aber noch ein Fahrer in die Fußstapfen seiner im Vorjahr gefallenen Helden Stefan Schumacher und Bernhard Kohl treten wird, vermag der Schwabe nicht zu sagen: "Ich gebe keine Prognose ab, ob es hier noch keinen Dopingfall gibt." Sicher sei nur: "Wenn es keinen gibt, glaubt das sowieso keiner."

Diese Form des Generalverdachts, der vor allem den deutschen Tour-Startern zu schaffen macht, und der den Freiburger Etappensieger Heinrich Haussler mit dazu brachte, künftig für sein Geburtsland Australien starten zu wollen, bringt Rudolf Scharping in Rage. Es beschleiche ihn das Gefühl, "dass einige regelrecht enttäuscht sind, dass die Kontrollen vor und während der Tour greifen, so dass potenzielle Betrüger abgeschreckt wurden", sagte der Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) der dpa. Auch wenn die Jagd nach Betrügern "ein ständiger Wettlauf" bleibe: "Das System greift."

Dies glaubt Schäuble nicht mehr. Für ihn hat der Profi-Radsport längst "seine Unschuld verloren". Vom Dauer-Duell Armstrong vs. Contador bekommt der für den Sport zuständige Bundesminister kaum etwas mit, sein Bildschirm bleibt diesbezüglich schwarz. "Ich weigere mich, die Tour de France anzuschauen. Ich finde es als Sportfan unglaublich, dass ARD und ZDF immer noch stundenlang übertragen und in der Tagesschau Etappenberichte wie einst gesendet werden", sagte Schäuble.

Von Benjamin Haller und Andreas Zellmer , dpa

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