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Tour trägt Trauer - Unfalltod und Pistolenattacke

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Eine Luftdruckpistolen-Attacke auf Radprofis während der Fahrt fehlte bisher in den Annalen.

Verbier - Die seit 1903 gefahrene Tour de France ist reich an tragischen Ereignissen. Eine Luftdruckpistolen-Attacke auf Radprofis während der Fahrt fehlte bisher in den Annalen.

Tödliche Unfälle haben im hektischen und chaotischen Tour-Betrieb hingegen leider keinen Seltenheitswert. Am Samstag trug der Tour-Tross sieben Jahre nach dem bisher letzten Unfall-Toten wieder Trauer: Eine 61 Jahre alte Zuschauerin wurde von einem Motorrad-Polizisten erfasst und starb im Krankenhaus.

Am Sonntag stand vor dem Start der Königsetappe eine Schweigeminute auf dem Programm: “Unser tiefstes Mitleid mit der Familie der Frau, die heute an der Strecke ums Leben kam“, erklärte Lance Armstrong.

Derweil laufen die Ermittlungen der Straßburger Polizei nach den Schüssen auf Oscar Freire und Julien Dean auf Hochtouren. Zwei Jugendliche sollen sich laut Zeugenaussagen - auch von mehreren Fahrern - am Freitag auf der 13. Etappe am Streckenrand hinter einem Baum versteckt und auf die beiden Profis geschossen haben, wie die “L'Équipe“ berichtete.

“Im Dezember werde ich für vier Monate nach Afghanistan gehen. Da erwartet man so etwas, aber doch nicht bei der Tour“, wunderte sich Freires Rabobank-Teamarzt Dion van Bommel, der auch Mediziner in der niederländischen Armee ist. Freire und Dean erstatteten Anzeige wegen Körperverletzung. Den Tätern droht nach Auskunft des Staatsanwalts als Höchststrafe drei Jahre Haft und eine Geldbuße in Höhe von 45 000 Euro.

Der dreifache Weltmeister aus Spanien und der neuseeländische Fahrer vom Garmin- Team waren am Freitag im schönen Elsass bei der Abfahrt vom Col du Bannstein jeweils von einem Plastik-Geschoss getroffen worden, konnten die Etappe aber fortsetzen. Freire erwischte es am Oberschenkel, Dean am Finger. “Nichts Gravierendes, aber ich musste das Geschoss am Abend aus dem Oberschenkel entfernen. Es war drei Millimeter eingedrungen. Wäre Freire im Gesicht getroffen worden, hätte er sein Augenlicht verlieren können“, erklärte van Bommel.

Der Spanier meldete den beunruhigenden Vorfall während des Rennens einem Mitglied der internationalen Jury, doch der Kommissär verstand laut Freire “leider kein Englisch“. “Die Täter müssen Verrückte gewesen sein“, vermutete Freire, der ein ähnliches Schock-Erlebnis schon einmal als 16-Jähriger auf dem Motorrad hatte. “Radsport ist gefährlich, aber an Schüsse denkt man dabei nicht unbedingt“, sagte der Sprinter und Dean riet ansonsten zur Gelassenheit: “Wir sollten jetzt nicht hysterisch werden. Ich konzentriere mich auf das Rennen.“

Den Organisatoren ist kein Vorwurf zu machen. “Man kann nicht 200 Kilometer Strecke einzäunen“, sagte Rabobank-Sprecher Luuc Eisenga. “Die Tour ist das am besten organisierte und sicherste Radrennen der Welt. Vor so etwas ist niemand gefeit“, meinte Silence-Lotto-Teamchef Marc Sergeant. Ebenso wenig wie vor tödlichen Unfällen. Dennoch löste der Tod der 61-Jährigen, die in Wittelsheim unachtsam die Straße überquerte und dabei von einem Motorrad-Polizisten erfasst wurde, wieder eine Sicherheitsdebatte aus.

“Die Zuschauer müssen alle Vorsichtsmaßnahmen beachten, um Risiken zu vermeiden“, sagte Frankreichs Innenminister Brice Hortefeux. Bei dem Unfall wurden eine junge Mutter mit ihrem Baby im Arm und eine 61-Jährige, die sich das Bein brach, verletzt. “Ich bin direkt nach dem Unfall an der Stelle vorbeigefahren, habe die Frau auf der Straße liegen sehen und die Lücke in den Zuschauerreihen, in die das Motorrad geschleudert wurde.

Das ist entsetzlich. Das sind Bilder, die niemand sehen will“, sagte Columbia-Sportdirektor Rolf Aldag. Zuletzt war 2002 ein siebenjähriger Junge von einem Auto der Werbe-Karawane tödlich verletzt worden. Als Konsequenz wurde die Anzahl der Sponsoren-Fahrzeuge reduziert. Der bisher schlimmste Unfall ereignete sich 1964, als ein Polizei-Lastwagen in eine Brücke krachte und 20 Menschen starben.

dpa

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