Kittel ist Sprinterkönig

Froome gewinnt die 100. Tour de France

Christopher Froome
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Der Brite Christopher Froome (Mitte), Nairo Alexander Quintana aus Kolumbien und Joaquim Rodriguez auf dem Siegerpodest auf der Champs Elysées

Paris - Marcel Kittel war auch auf der Champs Elysées nicht zu schlagen und holte sich seinen vierten Etappensieg bei der Tour de France. Als Gesamtsieger durfte sich der Christopher Froome feiern lassen.

Im schwachen Licht der Pariser Abendsonne überstrahlte Christopher Froome die gesamten Champs-Elysees. Im leuchtend Gelben Trikot stand der schlaksige Gewinner der 100. Tour de France auf dem Podium und genoss den größten Moment seiner Laufbahn. Zuvor ließ sich Froome von seinem Kollegen feiern, und war vor Freude den Tränen nah. Die Arbeit war erledigt - zum zweiten Mal in Folge siegt nach Bradley Wiggins ein Brite beim wichtigsten Radrennen der Welt. Mit seinem Prestigeerfolg auf der Schlussetappe sorgte Sprinter Marcel Kittel auch für ein deutsches Glanzlicht zum Abschluss.


Christopher Froome bei der Einfahrt ins Ziel der 100. Tour de France

Auf der "Tour d'Honneur" hatte der als Topfavorit gestartete Froome zuvor drei Wochen Strapazen, drei Wochen Druck, drei Wochen Kampf um die Gesamtführung, die immer auch von bohrenden Fragen der Doping-Zweifler begleitet waren, genüsslich ausklingen lassen. Froome posierte für Fotos, sein geschlagener Herausforderer Alberto Contador zollte ihm Anerkennung - und auch das traditionelle Glas Sekt ließ er sich nicht nehmen. Zahlreiche britische Fans säumten wie 2012 den weltberühmten Pariser Prachtboulevard, der Union Jack war nicht zu übersehen. `Mein Glück ist nicht zu beschreiben. Es wird eine Weile dauern, es zu begreifen“, sagte Froome.


Als „die nächste große Nummer“ unter den Sprintern endete für den Arnstädter Kittel die Tour, wie sie begonnen hatte: mit einem Besuch auf dem Podium. Im Sprint auf dem Kopfsteinpflaster des Pariser Prachtboulevards siegte er vor Andre Greipel und Mark Cavendish und verdiente sich ein weiteres unvergessliches Erlebnis. In der abendlichen Dämmerung der französischen Hauptstadt rastete Kittel vor Freude fast aus. „Das ist einfach geil, es ist der Hammer. Das ist mein Traum, der wahr geworden ist“, sagte er. Die konzentrierte Arbeit der Teams Quick Step und Argos hatte zuvor den erwarteten Massensprint herbeigeführt.

"Die deutschen Fahrer haben eine phantastische Leistung gezeigt"

Beim Bund Deutscher Radfahrer (BDR) feierte Präsident Rudolf Scharping das glänzende Gesamtergebnis seiner Fahrer: „Die deutschen Fahrer haben bei dieser Tour de France mit ihren sechs Etappensiegen eine phantastische Leistung gezeigt. Der Triumph von Marcel Kittel auf den Pariser Champs-Elysees ist das Ausrufezeichen einer neuen Generation.“

Für Froome war der Gesamtsieg Lohn für ein Rennen, in dem er nie ernsthafte Zweifel an seiner Ausnahmestellung hatte aufkommen lassen. Stark im Zeitfahren, dominant in den Bergen - Chris Froome ist ein würdiger Gewinner des „Maillot jaune“. „Es ist ein unglaubliches Gefühl“, sagte der 28-Jährige, als er den Triumph auf der schweren letzten Alpenetappe am Samstag in trockene Tücher gebracht hatte. Nur den Kolumbianer Nairo Quintana (Movistar) und Joaquim Rodriguez (Spanien/Katjuscha), die neben ihm auf dem Podium im Herzen der Weltstadt standen, hatte er ziehen lassen müssen. Zu gefährden war Froome da aber längst nicht mehr.

Froome: Meine Reise hierher "ist kaum in Worten zu beschreiben"

Noch im Vorjahr hatte er für Bradley Wiggins den Edelhelfer spielen müssen - trotz eines besseren Leistungsvermögens bei den schweren Anstiegen. 2013 stellte sich das Sky-Team - wenn auch ohne den verletzten Wiggins - voll in den Dienst Froomes. Allen voran der Australier Richie Porte erwies sich als treuer Adjutant, reichte seinem Chef etwa einen Zuckernachschub, als dieser auf dem Weg nach Alpe d'Huez Schwäche zeigte.

Froomes Triumph jedoch war nie wirklich bedroht und für den gebürtigen Kenianer letztlich nur schwer zu fassen. „Die Reise, die für mich auf einem Mountainbike auf den kleinen Straßen Kenias begann und mich nun hier in das Gelbe Trikot geführt hat, ist kaum in Worten zu beschreiben“, sagte Froome.

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Kaum zu glauben waren die überragenden Vorstellungen Froomes für viele seiner Kritiker. Seit er auf der achten Etappe nach Ax-3-Domaines die Gesamtführung übernommen hatte, begleitete ihn die öffentliche Skepsis. Die entsprechenden Fragen parierte Froome zumeist mit stoischer Ruhe, im Gegensatz zu Vorjahressieger Bradley Wiggins, der diese als Affront verstand. „Es ergibt ja Sinn, wenn man sich die Geschichte der Tour anschaut. Jeder Radprofi im Gelben Trikot würde stark kritisiert werden. Ich akzeptiere und verstehe das.“

Nur einmal klang bei Froome so etwas wie Verbitterung durch, am Tag nach seiner Gala am Mont Ventoux. Sein bis dahin größter Sieg interessierte kaum, der Dopingverdacht stand im Mittelpunkt.

Die 101. Ausgabe der Tour de France startet im kommenden Jahr am 5. Juli in der englischen Grafschaft Yorkshire, inmitten der aktuellen Radsportbastion Großbritannien. Wie bei der Jubiläumsausgabe gibt es zum Auftakt keinen Prolog, sondern eine klassische Flachetappe. Über 190 km führt die Strecke von Leeds nach Harrogate. Froome will dort seine nächste Traumreise beginnen.

SID

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