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Spektakuläre Wendung im Fall Contador?

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Alberto Contador bestreitet jegliche Schuld

Madrid - Im Dopingfall um den spanischen Radprofi Alberto Contador steht womöglich eine spektakuläre Wendung bevor.

Der spanische Radsportverband (RFEC) hat Medienberichten zufolge beschlossen, den dreimaligen Tour-de-France-Sieger vom Vorwurf des Dopings freizusprechen. Die Disziplinarkommission habe dem Einspruch des Madrilenen gegen die drohende Einjahressperre stattgegeben, meldeten mehrere Online-Zeitungen und das staatliche Fernsehen (TVE) am Montag übereinstimmend. Das Urteil soll demnach an diesem Dienstag offiziell verkündet werden. Der 28-Jährige könne bereits am Mittwoch bei der Algarve-Rundfahrt in Portugal starten, schrieb “El País“.


Doping: Die merkwürdigsten Ausreden

Alberto Contador erklärte seine positive Doping-Probe mit verunreinigtem Essen. Er wurde daraufhin freigesprochen. Es ist nicht die erste merkwürdige Erklärung in der Geschichte des Dopings. © AP
Doping - die dümmsten Ausreden
Ex-Sprinter Dennis Mitchell nutzte seinen positiven Dopingbefund, um sich als Sexprotz zu outen. Das viele Testosteron komme von einer wilden Partynacht, in der er seine Frau verwöhnt habe. „Fünf Flaschen Bier und mindestens vier Mal Sex mit seiner Frau. Es war ihr Geburtstag. Die Lady hatte es verdient“, so lautete sein Statement. © Getty
Der Klassiker: Wer hat die Dopingmittel in Dieter Baumanns Zahnpastatube deponiert? © ots/dpa/Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Adrian Mutu: Der rumänische Fußballspieler sagte 2004 nach einer positiven Dopingprobe, er habe lediglich ein Mittel zur “Steigerung der sexuellen Leistungsfähigkeit“ genommen. Zuvor hatte er zugegeben, Kokain genommen zu haben, dieses Geständnis wenige Tage später jedoch widerrufen. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Die Lebensmittelvergiftung der anderen Art: Ex-Sprinter Linford Christie beteuert: „Ich habe nicht gedopt, ich habe nur Avocados gegessen!“ © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Die wohl abgefahrenste Ausrede für Blutdoping hatte Radsportler Tyler Hamilton: “Ich bin ein Mischwesen. Die fremden Zellen in meinem Körper werden von den Stammzellen meines vor der Geburt gestorbenen Zwillingsbruders produziert." © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Gefährliche Mitbringsel: Die aus Südamerika importierten Bonbons sollen mit Koks verseucht gewesen sein, meint Straßenrad-Star Gilberto Simoni. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Johann Mühlegg soll eine Spezial-Diät gemacht haben, wegen der in seinem Kreislauf eine EPO-ähnliche Substanz nachgewiesen wurde... © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Auf den Hund gekommen: Frank Vandenbroucke behauptete, als bei ihm Anabolika und EPO sichergestellt wurden, die Mittel seien für seinen asthmakranken Hund bestimmt gewesen. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Justin Gatlin gab einem Masseur die Schuld. Der soll ihn nämlich mit einer testosteronhaltigen Salbe bearbeitet haben. Es soll sich sogar um eine fiese Retourkutsche des Profikneters gehandelt haben, meint Gatlin. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Christian Henn, ehemals Radprofi, wollte eigentlich nur der eigenen Libido auf die Sprünge helfen. Ein Spezialtee wurde ihm zum Verhängnis. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Ex-T-Mobile-Fahrer Matthias Kessler nahm angeblich Präparate zu sich, auf denen chinesische Schriftzeichen standen. Nur doof, dass er kein Chinesisch kann. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Zu tief ins Glas geschaut und damit den Testosteronspiegel erhöht. Floyd Landis schiebt‘s auf den Whiskey  © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Keiner war über einen positiven Dopingtest so verwundert wie Patrik Sinkewitz: "Ich? Das kann nicht sein", wunderte er sich. Und das ist noch nicht mal eine Ausrede...  © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Martina Hingis, die Schweizer Version von Zahnpasta-Dieter Baumann: Jemand soll ihr Koks in den Fruchtsaft gemischt haben. Sieht ja auch aus wie Süßstoff... © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Ex-Radprofi Rolf Aldag gibt dem System die Schuld. Ohne EPO-Missbrauch hätte er im T-Mobile-Team keinen neuen Vertrag bekommen. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Erik Zabel sagte, er habe nur einmal EPO probiert. Die Substanz habe aber nicht mit seinem Körper und Geist harmoniert. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Jan Ullrich ließ sich in einer Disco Ecstacy andrehen. „Ulle“ schluckte die Tabletten, ohne sich dabei etwas gedacht haben zu wollen. “Ich war den Abend ziemlich mies drauf. Das waren zwei Tabletten, wo mir bestätigt wurde, (...) und dass das eigentlich harmloses Zeug ist.“ Wer ihm die Tabletten gab, sagte er nicht. “Zu den Tabletten kann ich gar nichts sagen, ich kenn' kein Ecstasy. Ich weiß nicht wie das aussieht. Ich bin um die Ecken gezogen und war in verschiedenen Läden. Ich möchte keinen Unschuldigen da mit reinziehen.“ © Getty
400-Meter-Olympiasieger LaShawn Merritt wurde nach positiven Dopingproben gesperrt. Die positiven Tests ließen sich mit der Einnahme eines frei erhältlichen Produkts zur Vergrößerung des männlichen Geschlechtsteils erklären, sagte sein Berater. © dpa
Claudia Pechstein: “Ich weiß nun, dass ich eine Blutmacke habe, aber nicht krank bin“, sagte die Eisschnellläuferin. Die Sportlerin war 2009 wegen auffälliger Blutwerte gesperrt worden. Später erklärten Ärzte, ein von ihrem Vater vererbter Gen-Defekt sei für die hohen Retikulozyten-Werte verantwortlich. © dpa
Ivonne Kraft: Den positiven Test auf das Asthma-Mittel Fenoterol erklärte die Mountainbikerin 2007 mit einer explodierten Sprühflasche. Ihre Mutter habe Asthma-Spray benutzen wollen, dann sei die Flasche explodiert und sie habe die Substanz offenbar eingeatmet. © Getty

Verbandschef Juan Carlos Castaño wollte sich dazu nicht äußern. Er bestätigte nur, dass an diesem Dienstag das Urteil fallen wird. Contador war am zweiten Ruhetag der vergangenen Tour in Pau positiv auf das Kälbermastmittel Clenbuterol getestet worden. Das Anti-Doping-Labor in Köln hatte den Beweis erbracht. Der Fahrer führte den Befund jedoch auf den Genuss eines verunreinigten Steaks zurück und bestritt jegliches Doping: “Ich bin das Musterbeispiel eines sauberen Sportlers.“ In seinem Einspruch machte Contador geltend, dass er das verbotene Mittel nicht absichtlich genommen habe. Auch könne ihm keine Nachlässigkeit zur Last gelegt werden.


In einer vorläufigen Entscheidung hatte der RFEC sich vor knapp drei Wochen dafür ausgesprochen, den Madrilenen für ein Jahr zu sperren und ihm den Gewinn der Tour 2010 abzuerkennen. Allerdings betonte der Verband, Contador könne keine Absicht nachgewiesen werden. Die entdeckte Menge Clenbuterol sei auch so gering gewesen, dass sie keine leistungssteigernde Wirkung gehabt habe. Der RFEC plädierte deshalb für eine einjährige und nicht wie üblich für eine zweijährige Sperre.

Contador, der in Spanien als Sportheld gefeiert wird, bekam Unterstützung von allen Seiten. Selbst Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero setzte sich für ihn ein. “Es gibt keinen juristischen Grund, Contador zu bestrafen“, schrieb der sozialistische Regierungschef, der damit auch den Radsportverband unter Druck setzte. Auch Oppositionsführer Mariano Rajoy meinte: “Ich sehe für eine Einjahressperre keine Grundlage.“

Bei der Entscheidung des Verbands habe auch der Fall Dimitrij Ovtcharov eine Rolle gespielt, hieß es. Der deutsche Tischtennisprofi war im August 2010 nach der Rückkehr von den China Open in A- und B-Probe positiv auf Clenbuterol getestet worden. Er konnte aber mit Hilfe einer Haaranalyse darlegen, dass der Stoff mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit durch die Nahrungsaufnahme in China ohne sein Wissen in seinen Körper gelangt war. Die Welt-Anti-Doping- Agentur (WADA) verzichtete schließlich auf ihr Einspruchsrecht beim Internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne.

Im Falle Contadors ließen die WADA und der Radsport-Weltverband UCI allerdings bereits durchblicken, dass sie vor das Sportgericht ziehen, falls das Urteil aus ihrer Sicht zu milde ausfallen sollte. Der spanische Verband arbeite an einem Freispruch, der von diesen Organisationen nicht angreifbar sein soll, berichtete das staatliche Fernsehen. WADA und UCI hätten einen Monat Zeit, gegen das Urteil aus Spanien Einspruch zu erheben.

dpa

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