So funktioniert der High-Tech-Schwimm-Anzug

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Schwimmen musste Britta Steffen aber natürlich noch selbst.

Berlin - Die Weltrekordflut im Schwimmsport geht weiter. Neuartige Schwimm-Anzüge ermöglichten 108 Weltrekorde im vergangenen Jahr.

Olympiasiegerin Britta Steffen schwamm am Donnerstag im Vorlauf der deutschen Meisterschaften in Berlin über 100 Meter Freistil Weltrekord.Einige wichtige Fragen und zentrale Punkte:

Warum purzeln durch die High-Tech-Anzüge die Weltrekorde?

Durch verschiedene Materialien wird der Wasserwiderstand reduziert und ein Auftrieb erzeugt, der Schwimmer besser durch das Wasser gleiten lässt. Die Athleten “liegen“ besser im Wasser , bewegen sich mehr als früher an der Wasseroberfläche.

Was ist neu an Britta Steffens Anzug?

Hersteller adidas verwendete bei seinem weniger als 200 Gramm schweren Modell “Hydrofoil“ nach eigenen Angaben ultraleichten Webstoff, der mit einer Oberfläche aus Polyurethan komplett beschichtet ist. Das neue Material saugt kaum Wasser, bleibt daher leicht und glatt. Darüber hinaus wurde die Kompression verbessert, dadurch wird die Durchblutung gefördert und die Stabilität gewährleistet. Früher wurde das durch intensives Rumpftraining der Schwimmer erreicht.

Was kosten die neuen Schwimm-Anzüge?

Zu Zeiten der guten alten Badehose war ein Schwimmer mit höchstens 40 Euro dabei, ein High-Tech-Anzug kostet im Schnitt das Zehnfache. Weil diese Anzüge extrem eng anliegen und die Schwimmer sich meist nur mit fremder Hilfe aus den Anzügen schälen können, ist die Haltbarkeit sehr begrenzt. Wo sich früher eine Handvoll Hersteller den Markt aufteilten, verdienen heute auch Nischenhersteller groß mit. Einweg-Anzüge, wie es sie auch schon gab, sollen aber verboten bleiben.

Warum wurden vom Weltverband FINA Anzüge nun doch genehmigt, andere aber verboten?

Über diese Frage wird in Schwimmkreisen heftig spekuliert. So ist oft von finanziellen Interessen die Rede. Auffallend war die Genehmigung des besonders umstrittene Anzugs eines italienischen Herstellers (“Jaked01“), der zugleich Ausrüster des italienischen Verbandes ist. In Rom finden Ende Juli die Weltmeisterschaften statt. Offizielle Antwort der FINA zu der überraschend hohen Anzahl der genehmigten Anzüge: Die Zeit für wissenschaftliche Tests sei vor der WM zu kurz gewesen. Dies wird von Athleten und Trainern aber massiv in Zweifel gezogen.

Was passiert bis Anfang 2010, wenn strengere Regeln erlassen und neue Anzüge vorgelegt werden müssen?

Weltrekorde werden weiter in Dimensionen verbessert werden, die je nach Strenge und Konsequenz der neuen Regeln wohl so schnell nicht mehr erreicht werden können. Ob die von allen Schwimmern eingeforderte Chancengleichheit mit neuen Bestimmungen erreicht werden kann, bleibt die Kernfrage eines fairen Schwimmsports.

dpa

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