Samulski im kaputtem High-Tech-Anzug zum Weltrekord

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Daniela Samulski auf dem Weg zum Weltrekord.

Berlin - Diese Frau hat Nerven! Fünf Minuten vor Daniela Samulskis großem Auftritt riss ihr Anzug. Im Stoff , aus dem im heutigen Schwimmsport die Weltrekorde gemacht sind, klaffte ein etwa 15 Zentimeter breites Loch.

Doch die für Essen schwimmende Berlinerin nahm es locker, Sprühpflaster und Tapeverband beseitigten das Malheur “unter meinem Hintern“. Mit geflicktem Anzug schwamm Samulski Augenblicke später in 27,61 Sekunden Weltrekord über 50 Meter Rücken. “Zunächst hatte ich Panik, aber vielleicht brauche ich diesen Adrenalinschub“, sagte die 25-Jährige, die bei den deutschen Meisterschaften in Berlin tags zuvor bereits einen Europarekord über diese Strecke aufgestellt hatte.

Das neue Material allein wollte Samulski nicht als Hauptgrund für ihren Coup sehen. “Die anderen tragen die Anzüge auch, die Zeiten kann man schon vergleichen, auch wenn sie rapide runter gehen. Trotzdem schwimmt immer noch ein Schwimmer“, sagte sie zur andauernden Diskussion um die High-Tech-Anzüge. Um diese “Wunder- Kleidung“ anzuziehen, brauchen die Athleten bis zu einer Stunde. Als Topfavoritin für die Weltmeisterschaft in Rom vom 17. Juli bis 2. August sieht sich Samulski aber nicht und rechnet in den nächsten Wochen noch mit weiteren Rekorden. “Ich würde mich freuen, ins Finale zu schwimmen. 27,3 oder 27,4 Sekunden muss man haben, um Weltmeisterin zu werden.“

Die zweite deutsche Weltrekordhalterin neben Britta Steffen weist einige Parallelen zu der Doppel-Olympiasiegerin auf. Beide kommen aus Berlin , drängen nicht ins Rampenlicht und erst nach einer Pause ging die Schwimm-Karriere erst richtig los. Als Jugendliche litt Samulski an Bulimie, ging nach Überwindung der Essstörung von Berlin zunächst nach Wuppertal und später nach Essen zu Trainer Henning Lambertz. “Ich musste lernen, dass ich kein schlechter Mensch bin, nur wenn ich mal eine nicht so gute Zeit geschwommen bin“, sagte Samulski damals. “Keine andere Schwimmerin hat solch ein Bewegungstalent und Wassergefühl“, lobt Lambertz und formte aus der früheren Schmetterlings- und Freistilspezialistin nun eine Top- Rückensprinterin.

Die Hauptgefreite bei der Bundeswehr-Sportfördergruppe in Warendorf zieht es zurück in ihre Berliner Heimat. Dort will sie ein Sozialpädagogik-Studium beginnen. Doch vor allen Umzugsplänen soll es in Rom endlich mit der ersten WM-Medaille klappen. Bislang steht Platz zwei bei der Europameisterschaft 2002 in Berlin als bestes Einzel-Resultat.

Von Marc Zeilhofer und Richard Janssen , dpa

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