Lisicki will zur WTA-WM

Sabine Lisicki
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Sabine Lisicki will auf jeden Fall unter die Top acht, um bei der WTA-WM dabei zu sein

Berlin - Zum Durchatmen hat Sabine Lisicki nach ihrem Finalautritt in Wimbledon wenig Zeit. Jetzt will sie erstmal ein paar Tage Auszeit nehmen. Die nächsten Ziele stehen aber schon fest.

Wimbledon-Finalistin Sabine Lisicki hat keine Angst vor den gestiegenen Erwartungen und strebt zum Saisonabschluss die WTA-WM der besten acht Spielerinnen des Jahres an. „Das ist relativ realistisch. Natürlich muss ich den Rest der Saison sehr gut spielen, um da hinzukommen. Aber da kommen halt nur die Besten acht hin“, sagte die 23 Jahre alte Berlinerin in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa. In der Jahreswertung liegt sie derzeit auf Platz neun. „Darum kämpfen werde ich auf jeden Fall. Wenn man die einstellige Zahl sieht, ist das noch ein zusätzlicher Ansporn.“


In den ersten Tagen nach ihrem verlorenen Endspiel bei dem Grand-Slam-Turnier in London und der Rückkehr nach Deutschland hatte die neue deutsche Tennis-Queen kaum Zeit zum Durchatmen. Bei der Rückkehr am Flughafen gab sie schon wieder Interviews für Funk und Fernsehen, am Montag lud sie zu einer Pressekonferenz, für Dienstag und Mittwoch waren weitere Fototermine und Gespräche angesetzt. Auch der „Spiegel“ und die „Grazia“ hatten sich angesagt.

Erst Ende der Woche wolle sie „zwei, drei Tage ganz frei nehmen“, sagte Lisicki. „Ich werde hier in Berlin Freunde treffen, shoppen gehen, das ganz normale Programm. Ich werde dem Körper Regeneration geben und dem Kopf auch.“ Spätestens am kommenden Montag beginnt dann aber in Florida die Vorbereitung auf die Hartplatzsaison.


Sie hat eine Rasenallergie! Sechs Fakten zu Sabine Lisicki

Sie hat eine Rasenallergie! Sechs Fakten zu Sabine Lisicki

Bum-Bum-Bine, Doris Becker, Sab Fab – in London hat sich Sabine Lisicki in den vergangenen Jahren so manchen Spitznamen erspielt. Alle Jahre wieder zeigt sie in Wimbledon ihr bestes Tennis. Doch wer ist Sabine Lisicki überhaupt? Wir verraten Ihnen sechs wichtige Fakten zu ihr. © dpa
Kindheit: Ihre Eltern Richard und Elisabeth wanderten als Aussiedler aus Polen nach Deutschland ein. Lisicki begann mit sieben Jahren Tennis zu spielen. Sie spricht Deutsch, Englisch und Polnisch. Das Duell mit Mutter Elisabeth wurde ihr schnell zu langweilig, da traf es sich gut, dass der Vater Tennistrainer ist. Mit 14 Jahren wechselte Lisicki von Berlin nach Florida in die Tennisakademie von Trainer-Legende Nick Bolleterie. „Das geschah alles freiwillig, ich musste meinen Papa ja sogar anbetteln, dass er mir Stunden gibt“, erzählte Lisicki in der Talkrunde bei Markus Lanz. Ihr Vater ist bis heute ihre wichtigste Bezugsperson und reist mit ihr auf der Tour. © dpa
Beste Deutsche: 2008 löste sie als Nummer 89 der Welt Martina Müller als beste deutsche Spielerin ab. Ihr bisher höchste Platzierung (Stand 2. Juli 2013) erreichte die aktuelle Weltranglisten-24. am 21. Mai 2012 mit Rang zwölf. In Wimbledon war Lisicki schon zweimal im Viertelfinale (2009, 2012) und je einmal im Halbfinale (2011) und im Finale (2013). Gegen Serena Williams verlor sie beim Stand von 6:2, 1:0 neun Spiele in Folge, konnte das Match aber noch drehen. Mit 210 km/h hält sie den inoffiziellen Aufschlagrekord. © dpa
Rasenallergie: Bei Lisicki wurde neben einer Glutenunverträglichkeit auch eine Rasenallergie festgestellt. Aufhalten lässt sie sich davon aber nicht. © dpa
Alkohol: Die Lust nach Partyexzessen verspürte Lisicki in ihrer Jugend nie. „Ich mag keinen Alkohol. Ich war immer früh im Bett, um am nächsten Tag zu trainieren“, so Lisicki. Tennis ist ihre ganze Leidenschaft: „Es gibt nichts Schöneres, als vor 15 000 Fans auf dem Platz zu stehen.“ Auch eine mögliche Musikerkarriere schlug sie dafür aus. © dpa
Verletzungen: 2010 musste sie wegen einer Knöchelverletzung mehrere Monate pausieren. 2011 starb sie fast an einer Lebensmittelvergiftung, die sie sich bei einem Turnier in China zugezogen hatte. „Es war eine lebensbedrohliche Situation. Ich war extremst dehydriert, fast bewusstlos“, sagte Lisicki damals. © dpa
Hobbies: Vor Wimbledon 2013 schaute Lisicki beim Royal Ascot, einem traditionsreichen britischen Pferderennen südlich von Windsor, vorbei. Während ihrer Reisen auf der Tennis-Tour überredete sie Mama Elisabeth, eine Künstlerin, immer wieder Sehenswürdigkeiten zu besuchen. © dpa

Nach ihren sensationellen Wimbledon-Wochen mit den Siegen gegen die fünfmalige Turniersiegerin Serena Williams oder die Weltranglisten-Vierte Agnieszka Radwanska weiß Lisicki genau, dass der Druck nun immens gewachsen und die öffentliche Aufmerksamkeit extrem gestiegen ist. Ihre außergewöhnlichen Ergebnisse auf Rasen muss sie nun auch auf den anderen Belägen bestätigen.

„Ich habe im Prinzip bis nächstes Jahr zur Sandplatzsaison nicht sehr viele Punkte zu verteidigen. Das ist auch schön, dann kann es nach oben gehen und einen Schritt weiter nach vorne“, sagte Lisicki.

In der Weltrangliste verbesserte sie sich auf Platz 18 und ist damit zweitbeste Deutsche hinter Angelique Kerber auf Rang neun. Während sich die Kielerin aktuell als Gejagte und deutsche Nummer eins etwas schwerzutun scheint, fürchtet Lisicki diese Rolle nicht. „Ich habe das ja schon gehabt, deutsche Nummer eins zu sein und das Druckgefühl zu haben“, sagte sie. „Es ist am Anfang schwer, es ist was Neues. Aber mittlerweile sehe ich es wirklich so, dass Druck ein Privileg ist. Das heißt auch, dass Leute wirklich an deine Stärke glauben, dass du gewinnen kannst.“

Trotzdem hat sie sich für das letzte Grand-Slam-Turnier des Jahres kein konkretes Ziel gesetzt. Ihr bislang bestes Ergebnis bei den US Open war 2011 das Achtelfinale. „Jetzt will ich mit dem Selbstvertrauen, das ich aus Wimbledon mitgenommen habe, weiterspielen“, sagte Lisicki. Vor Flushing Meadows (26. August bis 8. September) wird sie wahrscheinlich die Turniere in Toronto (5. bis 11. August) und anschließend in Cincinnati und New Haven spielen.

„Die Vorbereitung wird für mich wichtig sein. Deswegen möchte ich mir auch ein bisschen Zeit nehmen, um den Körper sich erst einmal erholen zu lassen und dann eine gute Vorbereitung zu haben“, sagte Lisicki und ergänzte: „Damit ich mich bereit fühle, Turniere spielen zu können. Gut spielen zu können.“

dpa

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