RIESCH-EN Enttäuschung: Maria stürzt - Vicky nur 5.

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Schade: Maria Riesch ist im 2. Lauf des Riesenslaloms weggerutscht. 

Garmisch-Partenkirchen - Die deutschen „Golden Girls“ um Maria Riesch haben beim WM-Riesenslalom in Garmisch-Partenkirchen die erhoffte Medaille verpasst. Eine RIESCH-EN Enttäuschung!


Olympiasiegerin Viktoria Rebensburg lächelte ein wenig gequält über Rang fünf, Maria Riesch saß mit Tränen in den Augen am Pistenrand, Titelverteidigerin Kathrin Hölzl verließ unter großen Schmerzen verzweifelt und vorzeitig die Kandahar: Im WM-Rennen mit den größten Medaillenchancen traf die deutschen „Golden Girls“ ein Rückschlag nach dem anderen, ihre Gefühlswelt geriet teilweise völlig aus den Fugen. Während Tina Maze im Riesenslalom das erste alpine Gold für Slowenien seit 21 Jahren gewann, erlebten Riesch, Rebensburg und Hölzl einen Tag zum Vergessen.

„Eine Medaille war das Ziel, aber leider läuft im Leben nicht immer alles nach Plan“, sagte Viktoria Rebensburg, die knapp ein Jahr nach ihrer Fahrt zu olympischem Gold die Bronzemedaille um 0, 40 Sekunden verpasste. Die schnappte sich Tessa Worley aus Frankreich mit einer furiosen Aufholjagd - die Favoritin hatte nach dem ersten Durchgang nur auf Rang 19 gelegen. Maria Riesch scied im zweiten Lauf aus und bekannte: „Ich bin schon sehr enttäuscht und traurig, aber dann sind mir die zwei Medaillen eingefallen, die ich schon habe.“ In Abfahrt und Super-G hat die Lokalmatadorin in „GAP“ Bronze gewonnen.


Maria Riesch als Vierte und Viktoria Rebensburg als Sechste hatten nach dem ersten Lauf in Lauerstellung gelegen, zumindest eine Medaille schien möglich. Doch dann kam erst die Olympiasiegerin nicht an Worley aus Frankreich vorbei. Wenige Augenblicke später ging ein Aufschrei durch das Publikum: Maria Riesch hatte angegriffen - wollte zuviel und schied im Streckenabschnitt „Hölle“ aus. Mit hängendem Kopf saß sie am Pistenrand, DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier fuhr hin und legte der Doppel-Olympiasiegerin tröstend den Arm um die Schulter. „Es ist besser, alles zu riskieren als Vierte oder Fünfte zu werden. Aber eine Medaille war möglich, und deswegen ist es sehr traurig“, sagte sie.

Zu diesem Zeitpunkt hatte Viktoria Rebensburg ihren Blick schon wieder nach vorne gerichtet. „Ich werde mich jetzt schon noch ein bisschen ärgern“, sagte sie, „aber dann muss ich das schnell abhaken.“ Voraussichtlich nur noch zwei Rennen stehen in diesem Winter im Riesenslalom auf dem Programm, die Olympiasiegerin will nun wenigstens die kleine Kristallkugel im Weltcup gewinnen. „Ich versuche mich darauf zu konzentrieren.“

Bier, Plomben und Käse: Die besten Sprüche der Ski-WM

“Ich versuche anständig zu essen und habe aufgehört, Bier zu trinken.“ (Alpin-Exot Jean Pierre Roy, Skirennfahrer aus Haiti, über einen Punkt seiner WM-Vorbereitung) © dpa
“Wegen der Absage bin ich sehr enttäuscht, aber das Leben geht weiter.“ (Die amerikanische Skirennfahrerin Lindsey Vonn frei nach Dragoslav “Stepi“ Stepanovic, früherer Trainer etwa von Eintracht Frankfurt und den Stuttgarter Kickers, über ihren Verzicht für den Rest der WM) © dpa
“Ich freue mich schon auf das Bild, wie der Polizist in der Mitte steht und die Athleten anhält und ihnen ein Ticket gibt...“ (FIS-Präsident Gian Franco Kasper auf die Frage, ob Geschwindigkeiten im Skirennsport ein Ansatzpunkt für Sicherheit wären) © dpa
“Ich komme sicher jedes Jahr wieder her zum Wallfahrten.“ (Die österreichische Doppel-Weltmeisterin Elisabeth Görgl) © dpa
“Ich glaube, dass ihr das Singen, der Auftritt sehr viel Lockerheit gegeben hat. Sie hat die Leute begeistert.“ (Österreichs Sportdirektor Hans Pum über Doppel-Weltmeisterin Elisabeth Görgl und deren WM-Song) © dpa
“Er ist unkompliziert und einfach - fast so wie die Traumfrau sein sollte.“ (Christof Innerhofer am Montag in Garmisch-Partenkirchen nach Silber in der Kombination über seinen drittplatzierten Teamkollegen Peter Fill) © dpa
“Es war klar, dass kein Kraut gegen den Aksel gewachsen ist, wenn der durchkommt.“ (Der Vierte der Kombinations, Benjamin Raich (Österreich), am Montag in Garmisch-Partenkirchen über Aksel Lund Svindal (Norwegen), der ihn vom Podest verdrängte) © dpa
“In meiner bisherigen sportlichen Betreuung habe ich eine solche Kombination einer grandiosen sportlichen und charakterlichen Leistung noch nicht erlebt. Sie ist ein wahrer Profi und Champion.“ (Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Skiverbandes, über die Leistung von Maria Riesch) © dpa
“Wenn es ein bisschen länger gedauert hätte, wäre ich pinkeln gegangen, denn ich hatte Druck.“ (Der Schweizer Silbermedaillengewinner Didier Cuche über die Unterbrechungspause vor seinem Start) © dpa
“Das interessiert mich null und nix, das ist für mich völlig uninteressant.“ (Der österreichische Cheftrainer Mathias Berthold über die sechsjährige Wartezeit seiner Abfahrer auf eine Medaille) © dpa
“Das stand noch auf meiner To-do-Liste.“ (Abfahrts-Weltmeister Erik Guay) © dpa
“Wenn die Lindsey meint, sie fährt rückwärts runter, dann soll sie rückwärts runter fahren.“ (Der deutsche Alpin-Direktor Wolfgang Maier auf die Frage zur möglichen Renntaktik der Amerikanerin Lindsey Vonn in der Super-Kombination am Freitag) © dpa
“Es ist so schwierig, ich habe oben gedacht, dass ich schon zwei Jahre nicht mehr auf Skiern gestanden habe.“ (Der Oberstdorfer Tobias Stechert nach dem Abfahrtstraining am Donnerstag zur herausfordernden Kandahar-Piste) © dpa
“Es schüttelt einen richtig durch. Der Kopf wackelt im Ziel weiter. Zum Glück sind meine Plomben alle noch drinnen.“ (Der Österreicher Michael Walchhofer zum gleichen Thema) © Getty
“Als Athlet muss man schauen, dass man mit allen Verhältnissen zurecht kommt. Aber diese Piste ist eigentlich ein Wahnsinn.“ (Walchhofers Teamkollege Benjamin Raich) © Getty
“Wir müssen uns auf Silber und Bronze konzentrieren. Gold holt der Innerhofer.“ (Der Schweizer Didier Cuche nachdem Super-G-Sieger Christof Innerhofer die überlegene Bestzeit im Training zur Abfahrt gefahren war) © Getty
“Er ist ein alter Fuchs. Er hat schon so oft bei Rennen auf den Podium gestanden und ich nur im Training.“ (Innerhofer schiebt die Favoritenrolle an Cuche zurück) © Getty
„Mein Kopf fühlte sich an wie in einem Schraubstock.“ (Die US-Amerikanerin Lindsey Vonn zu den Nachwirkungen ihres Sturzes) © Getty
„In der Hölle ist es so eisig, da spiegelt man sich fast selber.“ (Gina Stechert am Montag nach der Hangbefahrung für den Super-G auf der Kandahar-Piste) © Getty
„Die beste Eröffnungsfeier war damals in Saalbach. Die wurde abgesagt, das war äußerst angenehm und schnell.“ (Gian Franco Kasper, Präsident des Ski-Weltverbands FIS, über Eröffnungsfeiern bei Weltmeisterschaften) © dpa
„Heute haben wir sehr viel Energie verbrannt wie eine Nuklearzentrale.“ (Der kroatische Bronzemedaillengewinner Ivica Kostelic nach dem Super-G) © dpa
„Sex ist doch immer gut“ (Die US-Amerikanerin Julia Mancuso zu einem ORF-Reporter, der sie zu Platz sechs in der Abfahrt befragte) © dpa
„Ich kann mir keinen Käse über meinen Kopf machen, das ist ja kein Schienbein.“ (Lindsey Vonn zu ihrer in der vorvergangenen Woche erlittenen Gehirnerschütterung. Mit Quarkwickeln hatte die Amerikanerin vor Olympia ihre Schuhrandprellung behandelt) © Getty
“Ich war der Älteste in der Mannschaft - so schnell geht's.“ (Der 26 Jahre alte Felix Neureuther, der 2005 beim WM-Sieg im Team-Wettbewerb noch der jüngste in der deutschen Mannschaft war) © dpa

Titelverteidigerin Kathrin Hölzl war im ersten Lauf mit 2,36 Sekunden Rückstand auf die führende Tina Maze auf Rang 20 gefahren - dann gab die seit Monaten gesundheitlich schwer angeschlagene Bischofswiesenerin auf und erklärte zugleich ihre Saison für vorzeitig beendet. „Ich weiß nicht mehr“, sagte sie mit leerem Blick, „wie es weitergehen soll.“ So wie zuletzt jedenfalls nicht: „Das tue ich mir nicht mehr an.“ Viktoria Rebensburg fühlte mit der Kollegin mit: „Das ist echt bitter für sie. Ich hoffe, dass es besser wird und sie in der nächsten Saison wieder starten kann.“

Nachdem die Rückenschmerzen über Nacht zurückgekehrt waren, hatte Hölzl schon vor dem Rennen an einen Verzicht gedacht, „ich habe lange überlegt, ob ich überhaupt fahren soll. Ich hab es dann für die Zuschauer gemacht“, sagte sie. Sie habe sich den Berg runtergequält, aber dabei „so extreme Schmerzen gehabt, dass ich mich nicht gescheit bewegen konnte“, berichtete Hölzl: „Ich kann nicht einmal auf einem Bein stehen, wie soll man da Skifahren?“

Von Thomas Häberlein und Thomas Niklaus

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