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Novum: IAAF nimmt Blutproben aller WM-Athleten

Köln - Novum im Weltsport: Der Leichtathletik-Weltverband IAAF sagt potenziellen Betrügern mit einer beispiellosen Aktion den Kampf an.

Als erster internationaler Fachverband wird die IAAF alle (rund 2000) WM-Teilnehmer per Bluttests auf Doping kontrollieren. Dies kündigte der Verband 16 Tage vor dem WM-Auftakt im südkoreanischen Daegu (27. August bis 4. September) an. Die Aktion wird mindestens eine halbe Million Dollar kosten. Deutsche Spitzenathleten reagierten mit Freude und Skepsis.

Wie die IAAF bekannt gab, sollen die Proben in Zusammenarbeit mit der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) zunächst in Daegu und nach der WM im WADA-Labor in Lausanne auf Auffälligkeiten untersucht werden. Ziel der Kontrollen, die zusätzlich zu den rund 500 regulären Urin-Proben vor und während der Wettkämpfe vorgenommen werden, ist die Erstellung und Pflege eines biologischen Passes sämtlicher Spitzenathleten, um Manipulationen unmöglich zu machen.

„Der Schritt kommt aber für die WM zu spät“, sagte Betty Heidler, als Hammerwurf-Weltrekordlerin Favoritin für Daegu. „Vielleicht hat es für einige abschreckende Wirkung“, fand Kugelstoßer Ralf Bartels, oftmaliger Kapitän der Nationalmannschaft.

Doping: Die merkwürdigsten Ausreden

Doping: Die merkwürdigsten Ausreden

Alberto Contador erklärte seine positive Doping-Probe mit verunreinigtem Essen. Er wurde daraufhin freigesprochen. Es ist nicht die erste merkwürdige Erklärung in der Geschichte des Dopings. © AP
Doping - die dümmsten Ausreden
Ex-Sprinter Dennis Mitchell nutzte seinen positiven Dopingbefund, um sich als Sexprotz zu outen. Das viele Testosteron komme von einer wilden Partynacht, in der er seine Frau verwöhnt habe. „Fünf Flaschen Bier und mindestens vier Mal Sex mit seiner Frau. Es war ihr Geburtstag. Die Lady hatte es verdient“, so lautete sein Statement. © Getty
Der Klassiker: Wer hat die Dopingmittel in Dieter Baumanns Zahnpastatube deponiert? © ots/dpa/Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Adrian Mutu: Der rumänische Fußballspieler sagte 2004 nach einer positiven Dopingprobe, er habe lediglich ein Mittel zur “Steigerung der sexuellen Leistungsfähigkeit“ genommen. Zuvor hatte er zugegeben, Kokain genommen zu haben, dieses Geständnis wenige Tage später jedoch widerrufen. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Die Lebensmittelvergiftung der anderen Art: Ex-Sprinter Linford Christie beteuert: „Ich habe nicht gedopt, ich habe nur Avocados gegessen!“ © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Die wohl abgefahrenste Ausrede für Blutdoping hatte Radsportler Tyler Hamilton: “Ich bin ein Mischwesen. Die fremden Zellen in meinem Körper werden von den Stammzellen meines vor der Geburt gestorbenen Zwillingsbruders produziert." © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Gefährliche Mitbringsel: Die aus Südamerika importierten Bonbons sollen mit Koks verseucht gewesen sein, meint Straßenrad-Star Gilberto Simoni. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Johann Mühlegg soll eine Spezial-Diät gemacht haben, wegen der in seinem Kreislauf eine EPO-ähnliche Substanz nachgewiesen wurde... © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Auf den Hund gekommen: Frank Vandenbroucke behauptete, als bei ihm Anabolika und EPO sichergestellt wurden, die Mittel seien für seinen asthmakranken Hund bestimmt gewesen. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Justin Gatlin gab einem Masseur die Schuld. Der soll ihn nämlich mit einer testosteronhaltigen Salbe bearbeitet haben. Es soll sich sogar um eine fiese Retourkutsche des Profikneters gehandelt haben, meint Gatlin. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Christian Henn, ehemals Radprofi, wollte eigentlich nur der eigenen Libido auf die Sprünge helfen. Ein Spezialtee wurde ihm zum Verhängnis. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Ex-T-Mobile-Fahrer Matthias Kessler nahm angeblich Präparate zu sich, auf denen chinesische Schriftzeichen standen. Nur doof, dass er kein Chinesisch kann. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Zu tief ins Glas geschaut und damit den Testosteronspiegel erhöht. Floyd Landis schiebt‘s auf den Whiskey © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Keiner war über einen positiven Dopingtest so verwundert wie Patrik Sinkewitz: "Ich? Das kann nicht sein", wunderte er sich. Und das ist noch nicht mal eine Ausrede... © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Martina Hingis, die Schweizer Version von Zahnpasta-Dieter Baumann: Jemand soll ihr Koks in den Fruchtsaft gemischt haben. Sieht ja auch aus wie Süßstoff... © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Ex-Radprofi Rolf Aldag gibt dem System die Schuld. Ohne EPO-Missbrauch hätte er im T-Mobile-Team keinen neuen Vertrag bekommen. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Erik Zabel sagte, er habe nur einmal EPO probiert. Die Substanz habe aber nicht mit seinem Körper und Geist harmoniert. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Jan Ullrich ließ sich in einer Disco Ecstacy andrehen. „Ulle“ schluckte die Tabletten, ohne sich dabei etwas gedacht haben zu wollen. “Ich war den Abend ziemlich mies drauf. Das waren zwei Tabletten, wo mir bestätigt wurde, (...) und dass das eigentlich harmloses Zeug ist.“ Wer ihm die Tabletten gab, sagte er nicht. “Zu den Tabletten kann ich gar nichts sagen, ich kenn' kein Ecstasy. Ich weiß nicht wie das aussieht. Ich bin um die Ecken gezogen und war in verschiedenen Läden. Ich möchte keinen Unschuldigen da mit reinziehen.“ © Getty
400-Meter-Olympiasieger LaShawn Merritt wurde nach positiven Dopingproben gesperrt. Die positiven Tests ließen sich mit der Einnahme eines frei erhältlichen Produkts zur Vergrößerung des männlichen Geschlechtsteils erklären, sagte sein Berater. © dpa
Claudia Pechstein: “Ich weiß nun, dass ich eine Blutmacke habe, aber nicht krank bin“, sagte die Eisschnellläuferin. Die Sportlerin war 2009 wegen auffälliger Blutwerte gesperrt worden. Später erklärten Ärzte, ein von ihrem Vater vererbter Gen-Defekt sei für die hohen Retikulozyten-Werte verantwortlich. © dpa
Ivonne Kraft: Den positiven Test auf das Asthma-Mittel Fenoterol erklärte die Mountainbikerin 2007 mit einer explodierten Sprühflasche. Ihre Mutter habe Asthma-Spray benutzen wollen, dann sei die Flasche explodiert und sie habe die Substanz offenbar eingeatmet. © Getty

„Die IAAF investiert stark in ihre Glaubwürdigkeit. Ich begrüße das“, erklärte DLV-Präsident Clemens Prokop nicht ohne den Hinweis, Blutkontrollen seien im Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) längst auf breiter Front Usus. Prokop glaubt, dass die Maßnahme mindestens 600.000 Euro erfordert. Er sagt: „Bei uns in Deutschland würden 2000 Kontrollen rund 800.000 kosten.“

Michael Vesper, Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), sagte während der Tagung der Chefs de Mission der Sommerspiele 2012 in London: „Jeder Fortschritt im internationalen Anti-Doping-Kampf ist hochwillkommen. Ich begrüße den Schritt der IAAF außerordentlich. Ich hoffe, dass das für mögliche Dopingtäter eine zusätzliche Warnlampe ist.“

Betty Heidler (LG Frankfurt), die im Mai mit 79,42 m Weltrekord warf, hatte erst am Montag im Training einen Bluttest. Sie vermutet, dass trotz der angekündigten Kontrollen einige dubiose Athleten in Daegu antreten werden, denn sie sagt: „Die Bluttests hätten im Vorfeld stattfinden müssen. Da wären sie effektiver gewesen. Ich hoffe, dass dies keine einmalige Aktion der IAAF ist und auch künftig praktiziert wird.“

Für Hallen-Europameister Bartels (Neubrandenburg) ist wichtig, dass es durch die Bluttests erstmals Basisdaten von allen Athleten gibt und Abweichungen künftig Hinweise auf Manipulationen liefern könnten. „Natürlich kommt dieser Schritt sehr spät. Aber vielleicht hat er auch eine abschreckende Wirkung. Ich hoffe, es ist kein Strohfeuer und führt zu mehr Gerechtigkeit. Denn es kann nicht sein, dass wir drei- bis viermal im Jahr Bluttests haben und einem die Konkurrenten erzählen, dass sowas bei ihnen gar nicht stattfindet“, sagte der WM-Dritte.

Die Speer-Olympiadritte Christina Obergföll (Offenburg) äußert sich ähnlich. „Ich hatte erst vor Tagen einen Bluttest. Bei uns wird ständig kontrolliert. Athleten anderer Länder erzählen, bei ihnen sei das ganz konträr. Ich hoffe, dass Daegu ein Schritt zu mehr Chancengleichheit ist.“

Hochspringer Raul Spank (Dresden), 2009 in Berlin WM-Dritter, macht jedoch deutlich: „Ich hatte noch nie eine Blutprobe, weil ich nicht aus einer Risikodisziplin komme. Ich kann mir nur vorstellen, dass die IAAF abschrecken will. Aber hilfreich sind nur mehrere Bluttests bei allen über das Jahr verteilt.“

Kugelstoßerin Nadine Kleinert (Magdeburg) erhofft sich sogar eine weitere Verschärfung. „Ich bin eh dafür, dass alle Athleten sich einem Schnelltest unterziehen müssen, bevor sie die Akkreditierung bekommen“, sagte die WM-Zweite von Berlin.

Rubriklistenbild: © dpa

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