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Tour de France

Voigt hat Schutzengel und bleibt im Krankenhaus

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Jens Voigt wurde nach seinem schweren Sturz mit einem Helikopter abtransportiert.

Grenoble/Le Grand-Bornand - Ein Schutzengel muss über Jens Voigt in den bittersten Stunden seiner zwölfjährigen Tour-Laufbahn gewacht haben.

"Ich hatte sehr viel Glück, dass ich mich bei dem Unfall nicht schwerer verletzt habe", ließ der Berliner aus der Intensivstation des Universitätsklinikums von Grenoble ausrichten. In der Tat grenzt es an ein Wunder, dass sich der 37 Jahre alte Radprofi bei dem Horrorsturz bei Tempo 80 "nur" einen Jochbeinbruch, eine Gehirnerschütterung und zahlreiche Hautabschürfungen zugezogen hat. Denn die schrecklichen Bilder von der 16. Etappe, als Voigt am Dienstag blutüberströmt und regungslos am Boden lag, hatten viele mit dem Schlimmsten rechnen lassen. "Ich habe um sein Leben gefürchtet und war daher sehr froh, als die positiven Nachrichten kamen", sagte Cofidis-Teammanager Eric Boyer der Deutschen Presse-Agentur dpa vor dem Start der 17. Etappe der Tour de France am Mittwoch.

Auch Tour-Mitfavorit Lance Armstrong zeigte sich am Mittwoch erleichtert. "Ich habe gerade von Frank Schleck gehört, dass Jens okay ist. Gute Nachrichten", teilte der Amerikaner via Twitter mit.

Voigts Familie zu Hause in Berlin musste einen Tag vor dem neunten Geburtstag von Sohn Julian die bangen Momente hilflos vor dem Fernseher ertragen. "Ich habe den Sturz erstmals in Zeitlupe gesehen. Das war ganz schlimm. Mir ist ganz übel und schlecht gewesen", sagte seine Ehefrau Stephanie "Bild Online".

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Entsprechend groß muss die Freude darüber gewesen sein, dass der zweimalige Deutschland-Tour-Sieger im Krankenhaus offenbar schon seinen Humor wiedergefunden hat. "Es ist unglaublich, was für eine gute Laune er schon wieder hat", sagte Saxo-Bank-Teamsprecher Brian Nygard der dpa. Voigt, dem es "den Umständen entsprechen gut" gehe, müsse mindestens eine weitere Nacht das Krankenbett in Grenoble hüten. Ehefrau Stephanie will ihren Mann, der für einige Minuten das Bewusstsein verloren hatte und sich an den Unfall nur in "Bruchstücken" (Nygard) erinnern kann, am Donnerstag besuchen. Er müsse "absolute Bettruhe einhalten" und werde weiter untersucht, etwa um mögliche Blutgerinnsel auszuschließen, berichtete Voigts Familie.

Dem zweimalige Tour-Etappensieger, 2001 und 2005 jeweils für einen Tag Träger des Gelben Trikots, war auf der 16. Etappe rund 27 Kilometer vor dem Ziel in Bourg-Saint-Maurice in rasender Abfahrt eine Bodenwelle zum Verhängnis geworden. Sein Lenker verdrehte sich, Voigt verlor die Kontrolle über das Rad (Nygard: "Es war kein Materialfehler") und schlitterte bäuchlings meterweit über den Asphalt. "So ein Sturz führt einem das Risiko dieses Sports vor Augen", sagte Milram-Profi Christian Knees.

Der fürchterliche Crash erinnerte an die schrecklichsten Momente der Tour-Geschichte. Am 18. Juli 1995 stürzte der Italiener Fabio Casartelli in der Abfahrt vom Pyrenäen-Pass Portet d'Aspet. Der Olympiasieger, damaliger Teamkollege Armstrongs, krachte gegen die Straßen-Begrenzungsmauer aus Beton und verblutete noch an der Unfallstelle. Im Vorjahr hatte der Spanier Oscar Pereiro, der anders als Casartelli einen Helm trug, mehr Glück. Der Tour-Sieger von 2006 schoss am 20. Juli auf der Abfahrt vom Col Angel in einer Haarnadel-Kurve über die Leitplanke hinaus, stürzte fünf Meter tief auf die darunter liegende Straße und brach sich den linken Oberarm. "Ich dachte, ich müsse sterben", erinnerte sich Pereiro, der bei dieser Frankreich-Rundfahrt ausgestiegen ist.

Auch für Voigt ist die zwölfte und vielleicht letzte Tour vorbei. Typisch für den angriffslustigen Berliner, dass er selbst im Krankenhaus schon wieder an seine Team-Kollegen um Contador-Herausforderer Andy Schleck dachte. "Er hat uns gesagt, wir sollen uns auf das Rennen konzentrieren", sagte Saxo-Bank-Teamchef Bjarne Riis nach einem Telefonat mit dem Pechvogel, der nach dem Norweger Kurt-Asle Arvesen (Schlüsselbeinbruch) der zweite Ausfall im dänischen Team ist. Riis: "Der Verlust von Jens wiegt schwer, andererseits ist unsere Motivation jetzt besonders groß".

Von Benjamin Haller und Andreas Zellmer, dpa

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