Doppelter Stress

Schmitt drückt die Schulbank und trainiert für Olympia

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Martin Schmitt

Köln - Vor seinem letzten Skisprung-Winter hat Martin Schmitt doppelten Stress: Der 35-Jährige trainiert für sein großes Ziel Olympia und studiert parallel an der Trainerakademie in Köln.

Noch einmal Olympia erleben. Nur dabei sein, das würde Martin Schmitt schon reichen. „Auf Sotschi ist alles ausgerichtet. Darum hänge ich auch noch ein Jahr dran“, sagt der Skisprung-Altmeister vor dem letzten Winter seiner Karriere. Chancen habe er auf jeden Fall, trotz der Rückschläge der vergangenen Saison. „Sonst würde ich es ja nicht machen. Es wäre richtig schön, zum fünften Mal dabei zu sein“, sagt der 35-Jährige, der 2002 Gold mit der Mannschaft holte und 2010 Team-Silber folgen ließ.


Doch nach Sotschi, das hat Schmitt klar gemacht, ist endgültig Schluss. Und darum plant der Schwarzwälder längst die Zeit nach der Karriere. Dieser Sommer, so viel ist klar, wird stressig: Seit fünf Wochen trainiert der viermalige Weltmeister wieder, parallel büffelt er an der Trainerakademie in Köln. „Im Moment bin ich Sportler und Student. Das lässt sich aber gut vereinbaren“, sagt Schmitt: „Ich bin froh, diesen Weg eingeschlagen zu haben.“

Derzeit pendelt Schmitt zwischen Schanze und Schulbank. Eine Woche pro Monat verbringt er am Rhein, dann geht es zurück zu den DSV-Adlern. „Das läuft gut, ich habe Spaß an der Sache“, sagt der Routinier. Im Oktober 2015 will er mit der Ausbildung fertig sein, um dann seine Erfahrung weiterzugeben. „Um ein erfolgreicher Trainer zu werden, muss man eine ähnliche Leidenschaft wie als Sportler haben“, sagte er. Und: „Man muss wissenshungrig sein, neue Dinge kennenlernen, sich immer weiter entwickeln.“


Diese Wintersportarten sind olympisch

Diese Wintersportarten sind olympisch

Snowboard: In Sotschi werden in dieser Sportart in zehn Disziplinen Medaillen vergeben © dpa
Slopestyle: Diese Snowboard-Disziplin ist seit 2014 neu im Olympia-Programm. Die Fahrer müssen einen Parcours absolvieren und dabei Drehungen und Grabs zeigen. Die Jury gibt dafür Punkte. © dpa
Cross: Hier müssen mehrere Snowboarder gleichzeitig eine Abfahrtsstrecke bewältigen © dpa
Halfpipe: Auch in der Halfpipe können Snowboarder um Gold, Silber und Bronze kämpfen © dpa
Parallel-(Riesen-)Slalom: Hier geht es "Mann gegen Mann" beziehungsweise "Frau gegen Frau". Zwei Fahrer treten gegeneinander an. © dpa
Bob: Hier fallen drei Entscheidungen. Und zwar im Zweierbob (Damen und Herren) und im Viererbob © dpa
Curling: Für Außenstehende ein Rätsel - für die Spieler harte Arbeit. Beim Curling versuchen zwei Mannschaften zu je vier Spielern, ihre Steine näher an den Mittelpunkt des Zielkreises auf der Eisbahn zu spielen als das gegnerische Team. © dpa
Skeleton: Kopf voran in die Eisröhre! Zwei Garnituren Gold, Silber und Bronze werden hier vergeben. © dpa
Eiskunstlauf/Eistanz: Hier ist Eleganz auf Kuven gefragt. In fünf Disziplinen wird um Gold gekämpft - zum ersten Mal auch als Team-Wettbewerb. © dpa
Eisschnelllauf: 12 Mal Gold gibt es im Eisschnelllauf in Sotschi zu gewinnen. Die Distanzen reichen von 500 Metern bis 10.000 Metern. Auch die Teamverfolgung steht auf dem Programm. © dpa
Rennrodeln: Hier dominieren seit Jahren die Deutschen. Vier Medaillen werden in Sotschi vergeben, davon zwei im Einsitzer (Damen und Herren) und eine im Doppelsitzer. Die vierte Medaille wird in einer Disziplin vergeben, die neu bei Olympia ist. Und zwar im ... © dpa
Rennrodeln-Staffel: Sie feiert in Sotschi Premiere. Die Staffel besteht aus einem weiblichen und einem männlichen Einsitzer-Fahrer, sowie einem Doppelsitzer. Die Deutschen Felix Loch (l-r), Tobias Arlt, Tobias Wendl und Natalie Geisenberger sind haushoher Favorit. © dpa
Ski Alpin: Insgesamt zehn Mal Gold wird in den alpinen Disziplinen vergeben - in der Abfahrt, im Super G, im Riesenslalom, im Slalom und in der Kombination. © dpa
Eishockey: Zwei Goldmedaillen werden ausgespielt - jeweils eine bei den Herren und bei den Damen. © dpa
Langlauf: In der Loipe werden zwölf Goldmedaillen vergeben. Und zwar im Skiathlon (2 x 7,5 Kilometer), im Sprint, im Team-Sprint, über 10 und 30 Kilometer (Damen) und 15 und 50 Kilometer (Herren) sowie in der Staffel (4x5, bzw. 4x10 Kilometer). © dpa
Skispringen: Insgesamt wird im Skispringen in vier Wettkämpfen um den Sieg gekämpft, dabei werden drei bei den Männern vergeben (Normalschanze, Großschanze, Team) und einer beim ... © dpa
Skispringen der Damen: Auch das ist neu bei Olympia 2014. Die wagemutigen Damen dürfen allerdings "nur" von der Normalschanze hüpfen. © dpa
Ski-Freestyle: Die Artisten auf zwei Brettern kämpfen um insgesamt zehn Goldmedaillen. Für sie heißt es auf der  Buckelpiste alles geben, sowie im Ski Cross, Slopestyle, im Sprung und - ab 2014 ganz neu dabei - im ... © dpa
Ski-Freestyle Halfpipe: In der halbierten Röhre gilt es für die Frauen und Männer, hohe Sprünge und spektakuläre Tricks zu zeigen. Dafür vergibt die Jury Punkte - und am Ende Gold, Silber und Bronze. © dpa
Biathlon: Wer trifft und flink läuft, der hat im Biathlon große Chancen auf den Sieg. Elf Mal Gold wird ausgekämpft. Neben Sprint, Verfolgung, 15 bzw. 20 Kilometer, Massenstart und der Staffel, steht ab 2014 eine neue Disziplin auf dem Olympia-Programm. Es ist die ... © dpa
Biathlon Mixed-Staffel: Das gemischte Team aus zwei Frauen und zwei Männern feiert Premiere bei Olympia. © dpa
Nordische Kombination: In die Skisprungspur UND in die Langlaufloipe müssen die Nordischen Kombinierer. Die Athleten haben die Chance auf drei Goldmedaillen. © dpa
Shorttrack: Bei dieser Sportart werden in Sotschi acht Medaillen vergeben. Bei den Herren und Damen über 500, 1000 und 1500 Meter, sowie in der Staffel. © dpa

Martin Schmitt als Trainer? Warum nicht, findet Bundestrainer Werner Schuster: „Ich kann mir das gut vorstellen. Er hat die nötige Leidenschaft für den Sport.“ In der Tat: Wenn Schmitt über das Skispringen spricht, leuchten noch immer seine Augen, auch nach so vielen Jahren. „Wenn ein guter Sprung gelingt, wenn man am Schanzentisch die Energie richtig mitnimmt, wenn man die Welle erwischt und das ganze Puzzle sich fügt - dieses Gefühl strebt man immer wieder an. Dieser Sport hat eine ziemliche Faszination“, sagt Schmitt.

Süchtig nach dem Kick sei er aber nicht. Und daher hat Schmitt auch keine Angst vor dem Karriereende. „Wenn ich einmal aufhören werde, habe ich das lange genug gemacht. Dann werde ich auch keine Entzugserscheinungen haben“, sagt Schmitt. Rennfahrer wie sein ehemaliger Teamkollege Sven Hannawald werde er eher nicht: „Es kribbelt aber natürlich, wenn man nach der Frühjahrspause wieder auf die Schanze darf. Die Vorfreude ist jedes Mal wieder da.“

Auch nach einem eher enttäuschenden Winter wie dem letzten. Nur bei der Vierschanzentournee blitzte das Können und die Erfahrung aus 28 Weltcup-Siegen auf. Meistens aber sprang der Tournee-Dritte von 2003 im zweitklassigen Continental Cup, auch bei der WM in Val di Fiemme war er nur Zuschauer. In der kommenden Saison soll das anders werden. „Ich habe mit Werner Schuster abgesprochen, dass ich schon im Sommer näher dran sein muss“, sagt Schmitt und macht sich Mut: „Derzeit bin ich weiter als letztes Jahr. Aber nicht da, wo ich sein will. Es gibt noch ein paar Baustellen.“

Und wenn er doch wieder in die 2. Liga muss? „Dann wird es irgendwann eng mit Olympia. Das sehe ich schon realistisch“, sagt Schmitt: „Ich muss von Anfang an dabei sein. Entweder es klappt, oder nicht. Dann werde ich eventuell auch vorher sagen: Okay, das war“s.„

SID

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