Goldmedaillen-Siegerin und Weltmeisterin

Paralympics-Star Marieke Vervoort starb mit einem Glas Sekt in der Hand

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Marieke Vervoort beendete ihr Leben durch Sterbehilfe
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Marieke Vervoort war trotz ihrer unheilbaren Krankheit eine sehr erfolgreiche Behinderten-Sportlerin. Jetzt ist der Paralympics-Star tot - auf eigenen Wunsch.

Sie holte vier Medaillen bei paralympischen Spielen, darunter eine goldene als Handbikerin in London 2012. 2006 und 2007 wurde sie Weltmeisterin im Paratriathlon, 2015 kamen in Doha noch einmal drei Goldmedaillen dazu. Ihre Titelsammlung erweiterte Marieke Vervoort mit einem Sieg beim berüchtigten Ironman auf Hawaii.

Marieke Vervoort war ohne Zweifel eine der erfolgreichsten Behinderten-Sportlerin. Jetzt ist sie tot. Im Alter von 40 Jahren beendete Vervoort am Dienstag ihr Leben durch Sterbehilfe - mit einem Glas Sekt in der Hand. So hatte sie sich es gewünscht.

Marieke Vervoort: Tod durch Sterbehilfe

Vervoort litt an einer extrem schmerzhaften und unheilbaren Wirbelsäulenerkrankung. Die fortschreitende Tetraplegie machte sich erstmals im Alter von 14 Jahren bemerkbar, seit 2000 brauchte Vervoort einen Rollstuhl. 2010 wandte sie sich der Leichtathletik zu.

Die Belgierin hatte sich bereits früh für einen Tod durch Euthanasie entschieden. Als sich ihr Zustand dramatisch verschlechterte, kümmerte sie sich um die nötigen Dokumente. 2008 hatte Vervoort sie schließlich beisammen. 

Video: Schicksalsschlag als Neustart - Blinder Ex-Boxer wird zum Vorbild

Nach den paralympischen Spielen in Rio de Janeiro 2016 hatte sie noch gesagt: „Wenn der Moment kommt, dass ich mehr schlechte als gute Tage habe, dann habe ich meine Sterbehilfe-Dokumente. Aber noch ist die Zeit nicht gekommen.“ Doch 2017 wurden ihre Schmerzen unerträglich.

Marieke Vervoort: Paralympics-Star stirbt auf eigenen Wunsch

Jetzt entschied die Sportlerin also, aus dem Leben zu weichen. Vorher klapperte sie noch ihre sogenannte Bucketlist (eine Wunschliste von Dingen, die man vor dem Tod noch tun möchte) ab. So absolvierte Vervoort im September noch einen Bungeesprung und raste im Lamborghini über eine Rennstrecke. Vervoort schrieb noch zwei Bücher, Schicksalsgenossen wollte sie damit Mut machen.

In den vergangenen Jahren wurde Marieke Vervoort von treuen Wegbegleitern unterstützt: Ihren Hunden Zenn und Mazzel. Zenn hatte sie schon 2008 geschenkt bekommen - als es ihr noch besser ging. Später ließ sie den Vierbeiner dann zum Assistenzhund umschulen.

Marieke Vervoort: Ihre Hunde Zenn und Mazzel heiterten sie in schlechten Momenten auf

Auf Facebook teilte Vervoort immer wieder Fotos von ihren Hunden, die sie in ihrem schweren Alltag unterstützten. Für gesunde Menschen ist es kein Problem, Kleidungsstücke vom Boden aufzuheben - für Vervoort war es mitunter eine Qual. Zenn und Mazzel (zu Deutsch: Glück) waren aber da - und heiterten sie an schlechten Tagen mit ihren feuchten Nasen auf.

Was passiert nun mit den Hunden? Zenn soll, wie redactie24 berichtet, fortan bei Vervoorts Eltern leben. Mazzel wird wohl der Haushund von Vervoorts Assistentin. Klar ist: Die beiden Hunde waren bis zum bitteren Ende an ihrer Seite.

In ihrem letzten Post auf Instagram schrieb sie, „ich kann die Erinnerungen nicht vergessen“. 

„Bis zu ihrer letzten Minute führte sie Regie über ihr Leben“, sagte ihr Leibarzt Wim Distelmans der Tageszeitung De Standaard.

Auch die Handball-Welt trauert: Der einstige Erfolgstrainer Dirk Pauling ist tot.

Hinweis der Redaktion: Generell berichten wir nicht über Selbsttötungen, damit solche Fälle mögliche Nachahmer nicht ermutigen. Eine Berichterstattung findet nur dann statt, wenn die Umstände eine besondere öffentliche Aufmerksamkeit erfahren. Wenn Sie oder eine Ihnen bekannte Person unter einer existentiellen Lebenskrise oder Depressionen leidet, kontaktieren Sie bitte die Telefonseelsorge unter der Nummer: 0800-1110111. Hilfe bietet auch der Krisendienst Psychiatrie für München und Oberbayern unter 0180-6553000.Weitere Infos finden Sie auf der Webseite www.krisendienst-psychiatrie.de/.

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