Seine Aussagen im Wortlaut

So hat uns Armstrong jahrelang belogen

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Lance Armstrong bei seinem TV-Geständnis

Austin - Über ein Jahrzehnt hat Lance Armstrong stets jegliche Dopinganschuldigungen vehement zurückgewiesen. Wir zeigen, wie uns der Radsportler belogen hat. Seine Aussagen im Wortlaut:

Nun hat der ehemalige Radprofi in einem Interview mit Star-Moderatorin Oprah Winfrey gestanden, seit Mitte der 1990er Jahre leistungssteigernde Mittel benutzt zu haben und bei allen seinen sieben Tour-Siegen gedopt gewesen zu sein. Diese Lebensbeichte ist eine radikale Abkehr von seinen gewohnten Verhaltensmustern. Der 41-jährige Armstrong hatte über lange Zeit alles und jeden scharf attackiert, der ihn mit Doping in Verbindung brachte.


Pressestimmen zur Armstrong-Beichte: "Er bereut nichts"

USA:USA Today: "Nach all den Jahren des Betrugs, der Lüge und Millionen Dollar, die auf dem Schwindel beruhen, blickte Lance Armstrong Oprah Winfrey am Donnerstagabend in die Augen und sagte einfach: “Halb so wild'" © dpa
New York Times: "Bei Winfrey verliert er seinen Eisblick und vergisst seine beißenden Worte [...] Armstrong konnte nicht mehr kämpfen - so wie er es immer getan hat" © dpa
Washington Post: "In den ersten 90 Minuten mit Oprah war es Armstrong in hohem Maße bewusst, wie nutzlos er doch in einer Situation ist, bei der Fakten herausgekitzelt werden" © dpa
Frankreich: L'Equipe: "Was Armstrong bestreitet oder verschweigt: Er hat zugegeben, dass er gedopt hat, um die Tour de France gewinnen zu können. Er hat aber seine Rolle im Dopingsystem innerhalb der Mannschaft US Postal heruntergespielt, den hochkontroversen Michele Ferrari verteidigt und jegliche Verschwörung bestritten, eine Positivkontrolle mit Hilfe der UCI vertuscht zu haben" © dpa
Italien: La Repubblica: „Armstrong gesteht zwar, bereut aber nichts. Kaltblütig, berechnend, zynisch: Auch im sensationellsten Interview der letzten Jahre bleibt er bis zuletzt sich selber treu. Der Texaner gesteht zwar Doping, er vermittelt aber nicht den Eindruck, dass er wirklich seine Taten bereut.“ © dpa
Gazzetta dello Sport: "Armstrongs Interview ist das wichtigste in der Geschichte des Radsports und des Sports insgesamt" © dpa
Corriere dello Sport: „Erschütternde Geständnisse Armstrongs. Das Interview mit Oprah Winfrey ist die letzte und steilste Etappe für den Pyräneen-Bezwinger“ © dpa
Großbritannien: The Guardian: „Abgesehen von wenigen Momenten, in denen sich ein kleiner Riss in seinem Panzer bildete, hatte Armstrong stets alles unter Kontrolle. Im Großen und Ganzen hatte er Oprah in der Opposition so unter Kontrolle wie vor Jahren Jan Ullrich“ © dpa
Daily Mail: „Armstrong kann das Spiel noch immer und führt Oprah seine dunklen Künste vor“ © dpa
Spanien: Marca: „Armstrong paralysiert die halbe Welt“ © dpa
AS: „Das exklusive Interview von Lance Armstrong war eine Beichte, wie sie im Buche steht“ © dpa
Schweden: Aftonbladet: „Früh am morgen schwedischer Zeit legte Lance Armstrong die Karten auf den Tisch. In einem TV-Interview gab der siebenmalige Sieger der Tour de France zu, dass er jedes Mal gedopt war, wenn er gewann. Das sensationelle Geständnis kam nach 13 Jahren voller Dementis, steinharter Gegenattacken und juristischer Angriffe, die Armstrong gegen diejenigen führte, die ihn herauszufordern wagten“ © dpa
Dänemark: Ekstra Bladet: „Als Lance Armstrong seinen Hodenkrebs überwunden hatte, setzte er sich ein neues Ziel. Den ultimativen Erfolg im größten Radrennen der Welt, der Tour de France. Er schaffte es, sieben Jahre in Folge zu gewinnen, aber jedes Jahr durch den Einsatz von verbotenen leistungssteigernden Mitteln.“ © dpa
Jyllands Posten: „Lance Armstrongs Doping-Eingeständnisse werden als größter Fall der Radsport-Geschichte bestand haben. Aber eine Bombe in dem Sport, der ihn reich und berühmt gemacht hat, lieferte der Amerikaner in keiner Weise.“ © dpa

Eine Übersicht von Armstrongs Aussagen:

2001: „Das ist mein Körper, und ich kann mit ihm machen, was immer ich will... Jeder will wissen, was ich nehme. Ich nehme mir mein Rad und reiße mir sechs Stunden am Tag den Arsch auf. Was nimmst du?“ (Werbung für Nike)


Juli 2005: „Ich sage zu den Leuten, die nicht an den Radsport glauben, den Zynikern und Skeptikern: Ihr tut mir leid. Es tut mir leid, dass ihr nicht an Wunder glaubt. Das ist ein großartiges Sportereignis, und ihr solltet es euch ansehen und daran glauben. Ihr solltet an diese Athleten glauben und an all diese Leute. Ich werde ein Fan der Tour de France sein, so lange ich lebe. Es gibt hier keine Geheimnisse - das ist eine harte Veranstaltung, wo harte Arbeit siegt. Vive Le Tour.“ (Nach dem siebten und letzten Tour-de-France-Sieg)

August 2005: "Ich habe nie gedopt, ich kann das immer wieder sagen. Ich habe das schon sieben Jahre lang gesagt, aber es nützt nichts.“ (Bei der CNN-Sendung „Larry King“, nachdem die L'Equipe gemeldet hatte, in Armstrongs Urinproben von der Tour 1999 sei EPO nachgewiesen worden)

2005: "... der Glaube aller, die den Krebs überlebt haben, und fast alles, was ich neben dem Radfahren noch tue, würde ebenfalls verschwinden. Denkt nicht eine Sekunde, dass ich das nicht verstehen würde.“ (Bei einer Zeugenaussage unter Eid im Rahmen eines Gerichtsverfahrens)

2007: "Ich lag auf dem Sterbebett. Glaubt ihr wirklich, ich gebe mein Comeback im Sport und sage: “Okay, okay, Doktor, gib mir alles, was du hast, ich will einfach nur schnell sein.' Auf keinen Fall, das würde ich niemals tun.„ (Während eines Interviews mit einem CBS-Reporter in Aspen)

Juli 2009: "Die Kritiker sagen, ich sei arrogant. Ein Dopingsünder. Gescheitert. Ein Betrüger. Dass ich es einfach nicht hinter mir lassen kann. Sie können sagen, was sie wollen. Ich sitze nicht für sie wieder auf dem Rad.“ (Nike-Werbung zum Comeback von Armstrong)

Mai 2010: „Unser Wort steht gegen seins. Ich mag unser Wort. Wir mögen unsere Glaubwürdigkeit. Floyd hat seine schon vor langer Zeit verloren.“ (Antwort auf die Behauptungen seines ehemaligen Teamgefährten Floyd Landis, bei US Postal sei systematisch gedopt worden)

13. Juni 2012: "Ich habe niemals gedopt. Und anders als meine vielen Ankläger habe ich 25 Jahre lang Ausdauersport betrieben ohne einen Ausreißer in meinen Leistungen. Ich habe mehr als 500 Dopingtests bestanden.“ (aus Armstrongs Stellungnahme zur Anklage der US-Anti-Doping-Agentur USADA)

23. August 2012: "Es kommt ein Punkt im Leben, da kann man nur noch sagen: “Genug ist genug'. Dieser Punkt ist nun erreicht. Ich habe mich seit 1999 mit Betrugsvorwürfen herumschlagen müssen.„ (Armstrong gibt auf und will sich nicht mehr gegen die schweren Dopingvorwürfe zur Wehr setzen)

15. Januar 2013: Lance Armstrong legt in einem Interview mit Star-Moderatorin Oprah Winfrey angeblich eine Dopingbeichte ab. Das Interview wurde am 17. Januar (Ortszeit) ausgestrahlt. Unter anderem sagte er: "Ich betrachte das als eine große Lüge, die ich sehr häufig wiederholt habe. Wahrscheinlich ist es für die meisten Leute zu spät, und das ist mein Fehler. Diese Episode meines Lebens ist geprägt von Respektlosigkeiten. Der Sport zahlt jetzt den Preis dafür. Das tut mir leid.“

sid

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