Klitschko: "Das war wie Kaugummi"

Wladimir Klitschko feiert seinen Sieg in der Ringecke
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Wladimir Klitschko feiert seinen Sieg in der Ringecke

Düsseldorf - Mit dem Knockout nur fünf Sekunden vor dem Schlussgong hat Wladimir Klitschko den WM-Kampf gegen Eddie Chambers mit einem Schlag doch noch zum Erlebnis gemacht.

“Es wären sonst zwölf Runden gewesen, die auch aus meiner Sicht langweilig gewesen wären“, bekannte der 33 Jahre alte Ukrainer. Mit seinem 48. K.o.-Sieg im 57. Profi-Boxkampf verteidigte er in der Nacht zum Sonntag in der Düsseldorfer Esprit-Arena vor rund 50 000 Zuschauern seine Schwerwichts-Weltmeistertitel der Verbände IBF, WBO und IBO.

Komplizierter als das Duell gegen den US-Amerikaner ist nun die Frage zu beantworten, wer die Klitschko-Brüder Wladimir und

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Vitali - er kämpft am 29. Mai in Gelsenkirchen gegen Europameister Albert Sosnowski (Polen) - noch schlagen soll? “Es wird kaum jemanden geben, der einen der beiden aus dem Weg räumen kann“, meinte Chambers- Manager Dan Goosen nach der Box-Lektion für seinen in allen Belangen unterlegenen Schützling. “Eddie hat alles gegeben, was er konnte. Ein Boxer von dieser Konstitution ist aber kaum zu schlagen“, stellte er fest und prophezeite: “Wenn die Klitschkos aufhören, wird er der nächste Weltmeister.“

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Für den sechs Jahre jüngeren, 13 Zentimeter kleineren und 16 Kilogramm leichteren Herausforderer aus Philadelphia war es schon ein Akt der Tapferkeit, sich Klitschko überhaupt im Ring zu stellen. “Es gibt nicht viele wie ihn, die sich in so einen Kampf begeben, der aussichtslos erscheint“, sagte Chambers-Trainer Rob Murray. Was er dort bot, war für Ex-Champion Henry Maske jedoch eher blamabel: “Das war eine Riesenenttäuschung. Wenn man um die WM boxt, hat man eine Verpflichtung.“

Der 27-jährige US-Boxer musste in seinem 37. Profikampf viel Prügel einstecken - da halfen auch zwei “Ringer“-Einlagen und ein aufgeplatzter Boxhandschuh vor der zehnten Runde nichts. “Ich wollte ihn nur loswerden, aber ich habe auch gehofft, dass er aus dem Konzept kommt“, sagte Chambers, der Klitschko zweimal schulterte.

“Ich war darüber überrascht, so etwas habe ich noch nicht erlebt“, sagte Klitschko. “Jedes Mal musste er 110 Kilo heben. So ein Gewichtheben macht müde.“ Dennoch hatte der Hüne Mühe, dem kleinen, sehr passiven Eddie früher den Knockout zu verpassen. “Ich war vielleicht zu vorsichtig, wollte alles perfekt machen und dass die Schläge sitzen“, gab Klitschko zu. “Es hat einfach zu lange gedauert und war wie Kaugummi.“ Dabei habe er nach der sechsten Runde gemerkt, dass Chambers “mental aufgegeben“ hat. “Aber es ist ganz schwer gegen einen, der nicht getroffen werden und über die Runden kommen will.“ Bereits in der zweiten Runde hatte Klitschko seinen Gegner mit einer Rechten ins Wanken gebracht, aber nicht nachgesetzt. “Ich wollte mir Zeit nehmen. Er hat keine Gefahr dargestellt“, so Klitschko.

Um den Traum der Klitschko-Brüder, alle vier bedeutsamen WM-Titel in Familienbesitz zu bringen, zu erfüllen, steht nun WBA-Weltmeister David Haye (28) ganz oben auf der Kampfliste. Eigentlich sollte Vitali den britischen Box-Bösewicht, der die Klitschkos durch eine Fotomontage mit dem abgeschnittenen Kopf von Wladimir provozierte, bestrafen. “Der Kampf ist das einfachste, doch wer ihn austragen soll, ist weit schwieriger“, meinte Wladimir Klitschko, der zunächst wohl gegen den Russen Alexander Powetkin in den Ring steigen wird. Wer es auch immer sein wird: Auch der nächste Kampf wird die Massen mobilisieren. Die TV-Übertragung von Klitschkos Sieg sahen bei RTL im Schnitt 12,59 Millionen - mehr als Michael Schumacher bei seinem Formel-I-Comeback (10,51) vor den Fernseher lockte.

Für Klitschko-Trainer Emanuel Stewart taugen die beiden künftigen Kampf-Kandidaten nichts. “Ich glaube nicht, dass Powetkin in der Lage ist, Wladimir zu schlagen“, behauptete er. “Und Haye ist ein Weltmeister der Worte, da steckt nichts dahinter. Es ist nur heiße Luft.“ Dafür war er von dem Auftritt seines Boxers gegen Chambers begeistert. “Es war einer der größten K.o., die ich in meiner Karriere gesehen habe“, urteilte er über den mächtigen linken Haken an die Schläfe des danach ziemlich lädierten US-Boys. 

dpa

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