Sogar die Fußballer spielen es

Headis: Eine Sportart auf dem Vormarsch

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So sieht Headis aus

Köln - In Kaiserslautern entstand 2006 die Sportart Headis - Kopfballtischtennis. Seitdem hat sich eine einzigartige Szene entwickelt, die sogar den Profifußball aufhorchen lässt.

Eigentlich war es nur eine Schnapsidee. Als Rene Wegner 2006 in einem Freibad in Kaiserslautern Headis entwickelte, ahnte er noch nicht, dass seine Kreation wenige Jahre später sogar Profi-Fußballer begeistern würde. Hannover 96, Borussia Dortmund und der FSV Mainz 05 haben das kurios anmutende Kopfball-Tischtennis vor einiger Zeit in ihre Trainingsprogramme aufgenommen - und selbst die deutsche Nationalmannschaft hat sich schon an der Platte versucht.


Die Sportart sei „koordinativ und konditionell höchst anspruchsvoll“ und habe der Mannschaft „richtig Spaß gemacht“, resümierte der Mainzer Trainer Thomas Tuchel nach seinen ersten Erfahrungen mit Headis. Auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) scheint zumindest angetan, eine Kooperation ist in Planung. „Es geht darum, den Jugendbereich zu fördern. Dies könnte man gezielt machen, indem man Headis in den 266 DFB-Leistungszentren implementiert. Wir sind dabei, mit dem DFB zu erarbeiten, wie man diese Kooperation umsetzen kann“, sagt Wegner.

In der „normalen“ Headis-Welt ist Cornelius Döll derzeit das Maß aller Dinge. Der Kölner ist gerade Weltmeister geworden, und das, obwohl er erst seit eineinhalb Jahren Headis spielt. „Ich war schon immer gut in Ballsportarten. Eigentlich komme ich aus dem Fußball, aber durch das Studium an der Sporthochschule Köln kommt man früher oder später auch mit außergewöhnlichen Dingen wie Headis in Kontakt“, berichtet das 25 Jahre alte Bewegungstalent.


Beim Headis muss an einer gewöhnlichen Tischtennisplatte ein etwa 100 Gramm leichter Gummiball nur mit Hilfe des Kopfes über ein Aluminiumnetz befördert werden. Die Regeln sind weitestgehend mit denen des Tischtennis identisch - bis auf eine entscheidende Ausnahme: Beim Headis darf der Ball volley gespielt werden, was immer wieder zu spektakulären Showeinlagen führt. Die Spieler dürfen jederzeit die Platte berühren und sich sogar darauf werfen. Döll beherrscht diese Technik wie kein Zweiter: „Durch meine Spin-Angaben zwinge ich den Gegner zu hohen Returns. Dadurch kann ich sofort volley gehen und Druck aufbauen“, erklärt der Weltranglisten-Zweite.

Nacktrugby, Frauentragen, Sumpfschnorcheln: Die irrsten "Sportarten"

Nacktrugby, Frauentragen, Sumpfschnorcheln: Die irrsten „Sportarten“

Manche „Sportarten“ erfordern dicke Anführungszeichen, sind aber für Zuschauer und Teilnehmer ein Riesenspaß. Klicken Sie sich durch die skurrilsten Wettbewerbe, von Nacktrugby bis Frauentragen. © Getty
HIGH-HEELS-RENNEN: Die meisten der folgenden Bilder stammen aus Finnland - die Skandinavier sind Meister im Erfinden schräger Sportarten. Dieser „Stiletto-Run“ fand aber in Berlin statt. © dpa
Viele Frauen können mit High Heels nicht mal 1 Meter geh‘ - diese Frauen rennen gleich 300 Meter damit. © dpa
FRAUENTRAGEN: In Finnland findet die WM im Frauentragen statt. © dpa
So manche Frau wäre froh, von ihrem Liebsten auf Händen getragen zu werden. © dpa
Die Finnen haben einen Sport daraus gemacht. © dpa
Ein Vergnügen ist das für die getragenen Damen nicht immer. © dpa
Ziel! © dpa
GUMMISTIEFELWEITWURF: Wer kommt denn auf so was? Ausnahmsweise nicht die Finnen. © dpa
Diese Bilder stammen von der Gummistiefelweitwurf-WM in Berlin. © dpa
SAUNASITZEN: Auch dafür gibt es eine WM. Wer hat sie erfunden? Klar, die Finnen! © dpa
Und woher kommen die besten Saunasitzer? © dpa
Klar: aus Finnland! © dpa
HANDYWEITWURF: Ihr Handy ist defekt? Oder musste einem neuen Modell weichen? Kein Problem: Machen Sie einfach ein Sportgerät draus. © dpa
Natürlich sind auch hier die Erfinder Finnen. Und da Nokia von dort stammt, ist für Nachschub immer gesorgt. © dpa
SPLASHDIVING: Für das, was diese Herren hier machen, hatten wir als Kinder einen anderen Begriff. © dpa
„Arschbombe“ hieß das. © dpa
Weil sie sich aber für diesen Begriff zu alt fanden, haben die Athleten einen neudeutschen Begriff erfunden: Splashdiving heißt das Ganze! Diese Bilder stammen von der Weltmeisterschaft in Dillingen. © dpa
WOKFAHREN: Es ist die Randsportart mit den meisten Zuschauern. © dpa
Stefan Raab hat bewiesen, dass schräge Sportarten auch durchaus ein breites Publikum ansprechen können, wenn sie medial gut vermarktet werden. © dpa
KIRSCHKERNWEITSPUCKEN: Auf offener Straße erntet man dafür böse Blicke oder schlimmstenfalls ein Knöllchen vom Ordnungsamt - hier gibt es Preise! © dpa
Die WM findet übrigens jährlich in Düren statt. Den Weltrekord hält Sportler Oliver Kuck mit 21,71 Metern. Der Herr auf dem Foto, Horst Ortmann, zählt auch zur Weltelite. © dpa
MÜLLTONNENRENNEN: Hey, die Dinger sind nicht nur dazu da, Gurkenschalen, Taschentücher und löchrige Socken darin zu deponieren. Man kann sich auch astreine Rennen damit liefern. © dpa
Das finden zumindest die Extremsportler in Hermeskeil bei Trier. © dpa
Autokorso? War gestern! Heute ist: Mülltonnenkurso! © dpa
HANDMÄHEN: Spötter würden sagen: „Warum nehmt Ihr nicht einfach einen Rasenmäher?“ © dpa
Aber darum geht es doch nicht! © dpa
Die Europameisterschaft im Handmähen findet jährlich in Thundorf (Oberbayern) statt. © dpa
ENTBEINEN: Achtung! Jetzt wird es blutig! © dpa
Die erste Europameisterschaft im Fleisch-Zerlegen fand im August 2009 in Rheda-Wiedenbrück statt. © dpa
Metzter aus verschiedenen Ländern schwangen das Beil. © dpa
WATTOLÜMPIADE: Eine schräge Meisterschaft auf einmal ist den Nordlichtern nicht genug. In Brunsbüttel findet jedes Jahr eine ganze Wattolümpiade (in exakt dieser Schreibweise) statt. © dpa
Die Mannschaften treten in den Disziplinen Fußball (Foto), Handball,Wolliball und Aal-Staffellauf an. © dpa
Vorher. © dpa
Nachher! © dpa
Die Einnahmen gehen an einen guten Zweck. © dpa
Und die Waschmittelindustrie freut sich auch. © dpa
RÜCKWÄRTSLAUFEN: Vorwärtslaufen kann jeder. © dpa
Thomas Dold läuft rückwärts schneller als mancher vorwärts und hat schon diverse Weltrekorde aufgestellt. © dpa
LUFTGITARRE: Ja, das ist ein Gitarrist! Aber wo ist seine Gitarre? © dpa
Ganz einfach: Es gibt keine! Beim Luftgitarrespielen existiert das Instrument nur in der Phantasie. © dpa
Das hindert die Athletinnen und Athleten aber nicht, alles zu geben wie hier Katharina Tomaschek. © dpa
2005 sicherte sich die Studentin den Titel bei den Deutschen Meisterschaften und durfte zum Weltfinale fahren. © dpa
Wo die Weltmeisterschaften stattfinden? Da fragen Sie noch! In Finnland natürlich. © dpa
SUMPFSCHNORCHELN: Manche Menschen haben zu viel Zeit, sagen Sie? © dpa
Nun lassen Sie den Menschen doch ihren Spaß! © dpa
Die WM im Sumpfschnorcheln findet in Wales statt. © dpa
NACKTRUGBY: Hier ist Körperkontakt ausdrücklich erwünscht! © Getty
Aber anzüglich ist hier natürlich nichts! © Getty
Das Ganze ist für die Teilnehmer einfach ein Riesenspaß. © Getty
Wer der Sieger ist? Eigentlich egal! © Getty
Dabeisein ist alles - daran könnten sich manche Nicht-Sporarten ein Beispiel nehmen. © Getty
Randsportarten
KARTOFFELSCHÄLEN: Was viele Hausfrauen und Hausmänner nur zähneknirschend machen, habe diese Damen und Herren perfektioniert. © dpa
Randsportarten
Dies ist die 12. Deutsche Meisterschaft im Kartoffelschälen! © dpa
Randsportarten
Elke Framme ist die Meisterin! © dpa
KARTOFFELNRAUSHOLEN: Wer sich gefragt hat, wo all die Kartoffeln zum Schälen herkommen: zum Beispiel hierher. © dpa
Bei dem Wettbewerb gilt es mit bloßen Händen innerhalb von 60 Sekunden soviele Kartoffeln wie möglich aus der Erde zu holen. © dpa
Diese Bilder stammen von der die neunten Deutschen Meisterschaft in Waffensen (Kreis Rotenburg-Wümme). © dpa
SCHNUPFEN: Dieser Herr beweist ein feines Näschen. © dpa
Und mit ihm seine Konkurrenten. Das hier ist die Weltmeisterschaft im Schnupftabakwettschnupfen. © dpa
Ziel ist es, möglichst viel Schnupftabak aus einer Dose mit fünf Gramm Inhalt innerhalb einer Minute zu schnupfen. © dpa
Da bleibt gerne mal was hängen. © dpa
Randsportarten
PFAHLSITZEN: Auch das gibt es! © dpa
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Sieht langweilig aus? Vielleicht. © dpa
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Es scheint aber großen Spaß zu machen. © dpa
DEBATTIEREN: Nein, das ist keine gewöhnliche Univeranstaltung. © dpa
Hier geht es um Höchstleistungen! Dieser Herr schlägt mit Worten zu. © dpa
FENSTERLN: Ein alter bayerischer Brauch. Und auch dafür gibt es einen Wettbewerb! © dpa
Die erste inoffizielle Fensterl-Meisterschaft fand 2009 in Garmisch-Partenkirchen statt. © dpa
Wer besonders gut war, darf die Dame küssen. © dpa
BIERFASSROLLEN: Mensch, das wird doch schal! © dpa
Das ist diesen Herren egal - sie rollen ein 60 Kilogramm schweres Fass, was das Zeug hält. © dpa
HIRSCHRUFEN: Wer kann am besten wie ein Hirsch rufen? © dpa
Hirsche hätten bei dieser Meisterschaft einen klaren Vorteil - aber die sind nicht zugelassen. © dpa
BÄRTE: Über Sport oder Nichtsport kann man hier erst recht streiten. Aber: Es gibt deutsche Meisterschaften! © dpa
Die Kategorie „Damenbärte“ existiert übrigens nicht. © dpa
BÜROSTUHLWETTRENNEN: Falls Sie gerade bei der Arbeit sitzen, probieren Sie es lieber nicht aus, so viel Fahrt aufzunehmen. Aber in Ihrer Freizeit können Sie sich sogar für eine Meisterschaft einschreiben. © dpa
Unfälle nicht ausgeschlossen. © dpa
SCHLOSSAUFMACHEN: Nein, das sind keine professionellen Einbrecher, die sich hier messen. © dpa
Eine deutsche Meisterschaft gibt es dennoch. © dpa
SPÄTZLESCHABEN: Wer etwas auf sich hält, der stellt die Delikatesse nicht mit einer Maschine, sondern in Handarbeit her. © dpa
Führend in dieser Sportart: die Schwaben! © dpa
Auch das gibt es: Eine Weltmeisterschaft im Blondinen-Ski. Bei der ersten Auflage in Oberhof hat übrigens ein schwarzhaariger Kenianer mit Perücke gewonnen. © dpa
Ob je eine dieser Sportarten olympisch wird? Das darf angezweifelt werden. Aber ein bisschen mehr Augenzwinkern würde wohl auch mancher „echter“ Sportart nicht schaden. © dpa

Doch so einfach ist es in der Realität nicht. Anfangs belächelt, hat sich Headis in den letzten Jahren rasant entwickelt, was sich vor allem in der Qualität und der Anzahl der Spieler niederschlägt. „Heutzutage scheitern Spieler in der Vorrunde, die vor drei Jahren locker um den Turniersieg hätten mitspielen können“, sagt Wegner. Anhand der Ballverkäufe lasse sich eine Gesamtspielerzahl von mindestens 6000 abschätzen, die sich auf zwölf Turnieren im Jahr miteinander messen und Ranglistenpunkte erspielen können. 2008 bezifferte Wegner die Zahl der Aktiven noch auf 700.

Hinter dem Sport, der auch schon ein Bestandteil der Unterhaltungsshow „Schlag den Raab“ war, steht eine ausgeflippte Szene als treibende Kraft. So ist es beim Headis Tradition, dass jeder Spieler einen Kampfnamen trägt. „Es gibt viele Wortspiele mit Head, wie zum Beispiel mein eigener Name Headsinfarkt zeigt. Andere lustige Varianten sind Headi Potter oder Headbrötchen mit Zwiebeln“, sagt Döll. Dass man sich bei allem sportlichen Ehrgeiz nicht ganz ernst nimmt, zeigen auch immer wieder die Outfits. Hier lautet das Motto „Je ausgefallener, desto besser“, was schon unzählige Arten von Neon-Leggings und Schnurrbärten hervorgebracht hat.

„Man kennt sich schon lange, und daraus sind mit der Zeit Freundschaften geworden, die über Städte hinweg reichen. Und die werden auch nach den Turnieren auf den legendären After-Show-Partys gepflegt“, sagt Weltmeister Döll.

sid

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