Gips statt Medaille: Für Schrader platzt WM -Traum

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ARCHIV - Der deutsche Zehnkämpfer Michael Schrader beim Diskuswerfen während des Mehrkampf-Meetings in Götzis (Archivfoto vom 31.05.2009).

Hamburg - Gips am Fuß statt Medaille in der Hand: Für Deutschlands große Zehnkampf-Hoffnung Michael Schrader ist der Traum von einem Start beim WM -Heimspiel in Berlin geplatzt.

Genau zwei Wochen nach seinem 22. Geburtstag hat der Jungstar vom Hingsen-Club LAV Bayer Uerdingen/Dormagen das Handtuch geworfen. Wegen eines Ermüdungsbruchs im rechten Fuß kann der Götzis-Sieger beim Saisonhöhepunkt der Leichtathleten nicht antreten. “Der Fuß wurde gestern erst eingegipst. Ich kann überhaupt nicht laufen. Damit ist mein großer Traum geplatzt, vor der Heimkulisse im Berliner Olympiastadion zu starten“, sagte Schrader kurz nach der Absage- Entscheidung am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur dpa.


“So bitter es für mich ist - es geht definitiv nicht. Götzis war noch ein Glücksfall, wir hatten nach dem Fußbruch im Dezember alles auf eine Karte gesetzt. Eigentlich hätte ich damals schon die ganze Saison streichen müssen“, erklärte Schrader, nachdem die Ärzte endgültig Rotes Licht gegeben hatten. “Dazu kommt, dass auch das Kahnbein in dem Fuß angegriffen ist“, sagte der Uerdinger, der mit seinen 8522 Punkten von Götzis immerhin noch die Nummer 2 in der Saison-Weltrangliste hinter dem Kubaner Leonel Suarez (8654) ist.

Der Schützling von Ex-Weltmeister Torsten Voss zählte zu den wenigen Medaillenhoffnungen des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) bei der WM vom 15. bis 23. August. “Das ist eine sehr unerfreuliche Situation, wir bedauern das sehr“, kommentierte DLV- Präsident Clemens Prokop am Mittwoch in Berlin . “Aber umso mehr wird jetzt der Rest der Mannschaft kämpfen.“


Noch im März war Schrader an Krücken durch die Gegend gehumpelt, hatte sich dann vor allem mit Wassertraining überraschend schnell erholt. Dennoch kam der harte Wettkampf im heißen Zehnkampf-Mekka Götzis Ende Mai wohl noch zu früh.

In Schrader verliert der DLV bereits den dritten Zehnkämpfer für das “Heimspiel“ im Olympiastadion. Wegen hartnäckiger Verletzungen mussten vor einem Monat bereits André Niklaus (Berlin) und Arthur Abele (Sindelfingen) ihren WM -Start enttäuscht absagen. Schrader wird trotzdem nach Berlin fahren. “Ich hatte mir vorsichtshalber Tickets besorgt“, verriet er, “und dann werde ich wohl mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf der Tribüne sitzen.“

Bisher waren neben Schrader auch Pascal Behrenbruch (Frankfurt/Main) und Norman Müller (Halle/Saale) für die Weltmeisterschaften qualifiziert. Als Ersatzmann hat Zehnkampf- Teamleiter Claus Marek nun Moritz Cleve (Wattenscheid) ganz oben auf dem Zettel. “Wenn er fit ist und am 26. Juli in Bernhausen beim Test eine entsprechende Leistung abliefert, wäre Moritz der erste Nachrücker“, sagte der Bundestrainer. In Bernhausen müssen alle deutschen “Allrounder“ bei einem Vierkampf-Test noch einmal auf den Prüfstand. Erst dann wird Marek entscheiden, wer in Berlin “der dritte Mann“ ist.

Der 22 Jahre alte Cleve hat gute Chancen, weil mit ihm bisher nur vier “Könige“ der Athleten die WM -Norm (8000 Punkte) erfüllt haben. “Das hätte er sich verdient“, meinte Schrader. Mitte Mai war Cleve als 63. deutscher Zehnkämpfer in den “Club der 8000er“ aufgestiegen. Der in den USA studierende Augsburger hatte im texanischen Lubbock mit 8004 Punkten seine bisherige Bestleistung gleich um 613 Zähler überboten und die WM -Norm gerade so erfüllt. Cleve lebt derzeit in seiner Wahlheimat Manhattan (US-Bundesstaat Kansas); an der Kansas State University studiert er Journalismus und Massenkommunikation.

Von Ralf Jarkowski, dpa

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