"War schon irre"

Fotobeweis rettet Kugel-Koloss Storl

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David Storl

Moskau - David Storl hat in einem dramatischen Wettkampf seinen WM-Titel im Kugelstoßen verteidigt. Gold sicherte ihm ein Fotograf.

All die Strapazen sah man David Storl am Tag danach nicht an. Weder die kurze Nacht noch der nervenaufreibende Wettkampf hatten Spuren hinterlassen in dem strahlenden Gesicht des neuen und alten Kugelstoß-Weltmeisters. Bis fünf Uhr in der Früh hatte Storl mit seinem Trainer Sven Lang an der Bar des Teamhotels Golden Ring gesessen und sich das ein oder andere Sieger-Bierchen gegönnt. Sie hatten sich viel zu erzählen über diesen kuriosen Wettkampf.

„Das war schon irre“, sagte Storl über die dramatischen Minuten im Luschniki-Stadion, als sein Triumph in Gefahr geriet. Die Kampfrichter hatten nach seinem Gold-Stoß auf 21,73 m zunächst die rote Fahne geschwenkt. Storl konnte es nicht fassen, protestierte. „Dann hat mir ein Fotograf gesagt, dass er den Versuch fotografiert hat“, sagte der Chemnitzer. Mit den Offiziellen schaute sich Storl die Bilder des Fotografen Kai Oliver Pfaffenbach an. „Dann war die Sache klar. Wahnsinn.“ Der Fotobeweis rettete dem Kugel-Koloss Gold. Mit erst 23 Jahren hat er seinen erfolgreich Titel verteidigt - das gab es so jung noch nie. „Jetzt muss ich ihn wohl auf ein Bierchen einladen“, sagte Storl.

Cool, lässig, fokussiert: Wie sich der 1,98 m große Modellathlet in der hitzigen Atmosphäre präsentierte, war schon bemerkenswert. Storl lässt sich durch nichts und niemanden aus der Ruhe bringen. Nicht durch seine Rivalen im Ring und schon gar nicht durch Kampfrichter mit Sehschwäche. „Ich wusste, dass ich topfit bin - wie immer bei einer großen Meisterschaft“, sagte Storl, „es hat richtig Spaß gemacht.“ Das Herz des Hünen scheint auch in der größten Hektik nie zu rasen.

Der Sachse wächst in Drucksituationen über sich hinaus, vielen anderen schweren Jungs sacken da die Knie weg. Top-Favorit Ryan Whiting aus den USA kam nicht über 21,57 m hinaus und musste sich mit Silber zufrieden geben, Bronze gewann der Kanadier Dylan Armstrong (21,34). „Meine Saison war nicht optimal“, sagte Storl, „aber ich wollte beweisen, dass ich kein One-Hit-Wonder bin.“

Wie 2011 bei den Titelkämpfen in Südkorea galt Storl in Russland eigentlich nicht als Gold-Anwärter - doch der Olympiazweite von London hatte wieder die besten Nerven: Storl reloaded. Nach einer schwierigen Saison mit einigen Verletzungen und technischen Problemen konnte sich der Kugel-Bär auf seine herausragenden Fähigkeiten verlassen.

Das Jahrhundert-Talent, das ja immer noch so unfertig wirkt, gilt als schnellster Stoßer im Feld, seine Nerven scheinen aus Drahtseilen zu bestehen. Mit einer Steigerung seiner Saisonbestleistung um fast 70 Zentimeter schockte er die Konkurrenz. Die 21,73 m waren der viertbeste Versuch seiner noch jungen Karriere. Der Killer mit dem Babyface lässt die Rivalen verzweifeln. „Wir wussten ja, dass er wieder einen raushauen würde“, meinte Whiting.

Dass der jüngste Weltmeister der Geschichte mit seinen Leistungen auch argwöhnisch betrachtet wird, sieht Storl gelassen. Der Polizeimeister-Anwärter versichert, dass er seine Power von seinen geliebten Königsberger Klopsen hat. Und nicht mit Tabletten und Spritzen nachhilft. Zur Not würde er sich „gläsern machen“, um die Skeptiker von seiner Sauberkeit zu überzeugen. Würde er etwas Verbotenes tun, so Storl vor der WM, „wäre das doch wie Selbstmord. Es ist absurd für mich, etwas zu tun, womit man mich hinterher an den Pranger stellen kann. Nichts auf der Welt wäre mir das wert.“

Nach Moskau stehen für Storl noch einige Meetings auf dem Programm, der Urlaub mit Freundin und Kanu-Olympiasiegerin Carolin Leonhardt fällt diesmal aus. Nach der Saison setzt er seine Ausbildung zum Polizisten mit einem Praktikum am Berliner Ostbahnhof fort. „Da schiebe ich dann die Randalierer raus“, scherzte er. Danach wird Storl sicher wieder viel zu erzählen haben.

sid

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