"Finalniederlagen sind schlimmer"

Roger Federer ist an der Verteidigung seines French-Open-Titels gescheitert
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Roger Federer ist an der Verteidigung seines French-Open-Titels gescheitert

Paris - Roger Federer, der große French-Open-Triumphator des Vorjahres, ist nach seiner ersten Niederlage im 13. Duell gegen Robin Söderling zumindest um Fassung bemüht.

Ratlos schlurfte Roger Federer nach seinem überraschenden Viertelfinal-Aus bei den French Open in den übervollen Presseraum, seine blaue Baseball-Mütze mit den Initialen “RF“ trug er tief ins Gesicht gezogen. Entnervt und entzaubert im Pariser Nieselregen vom schwedischen Weltranglisten-Siebten Robin Söderling beim 6:3, 3:6, 5:7, 4:6, droht dem Schweizer Branchenprimus jetzt auch noch die Ablösung an der Spitze der Weltrangliste durch Rafael Nadal.


“Als ich hier angekommen bin, dachte ich, mein Tennis sei gut genug, um meinen Titel zu verteidigen“, resümierte Federer nach der Pleite enttäuscht, “aber die Bedingungen und der Gegner haben es mir auch nicht erlaubt“. Es nieselte die ganze Zeit über, bei 5:5 im dritten Satz musste das Spiel für 75 Minuten unterbrochen werden.

“Federer am Boden“, titelte die französische Sportzeitung “L'Equipe“ am Mittwoch, doch der große Triumphator des Vorjahres war nach seiner ersten Niederlage im 13. Duell gegen Söderling zumindest um Fassung bemüht. “Finalniederlagen sind schlimmer“, erklärte der 28-Jährige, der den Skandinavier im Endspiel 2009 noch bezwungen und sich damit seinen großen Traum vom ersten French-Open-Sieg erfüllt hatte. Sollte der Spanier Rafael Nadal am Sonntag seinen fünften Titel im Stade Roland Garros holen, verpasst Federer nach 285 Wochen als Regent der Tenniswelt zudem die Chance, den Pete-Sampras-Rekord von 286 Wochen an der Weltspitze einzustellen.


Seine andere legendäre Serie ist bereits gerissen. In 23 Grand-Slam-Turnieren nacheinander hatte der Superstar aus Basel zuletzt immer mindestens das Halbfinale erreicht. “Darauf bin ich stolz, es ist wohl eines der bedeutendsten Dinge, die ich in meinem Geschichtsbuch stehen habe“, sagte Federer, der auch die Bestmarke von 16 Erfolgen bei den vier Traditionsturnieren hält. Mit etwas Galgenhumor ergänzte er: “Nun starte ich wohl die Viertelfinalserie.“

Kontrahent Söderling zeigte sich unbeeindruckt von Federers vermeintlicher Übermacht, der niederschmetternden Bilanz im direkten Vergleich - und den Wetterkapriolen. Der 1,93-Meter-Mann machte seinem Ruf als “hard hitter“ alle Ehre und überpowerte Federer mit seiner brachialen Vorhand und Aufschlägen um die 220 km/h. Das Match glich Federers US-Open-Finalpleite 2009 gegen den ebenfalls schlaggewaltigen Juan Martin Del Potro aus Argentinien.

Für den 25-jährigen Wahl-Monegassen Söderling, der nach 2:30 Stunden gleich den ersten Matchball verwandelte, war es die Bestätigung seines Achtelfinal-Sensationssieges gegen Nadal 2009: “Ich habe jetzt zwei Jahre nacheinander die Nummer eins der Welt auf dem Centre Court geschlagen. Beide Male habe ich großartig gespielt. Es ist ein tolles Gefühl.“

Die French Open 2010 sind nun um ihre zwei größten Attraktionen ärmer: Die zurückgekehrte Roland-Garros-“Königin“ Justine Henin verabschiedete sich überraschend im Achtelfinale, und das erhoffte Traumfinale zwischen Nadal und Federer ist geplatzt. Der Schweizer Australian-Open-Champion zog schnell einen Schlussstrich unter eine - abgesehen von der Finalteilnahme in Madrid - äußerst durchwachsene Sandplatzsaison. “Jetzt geht es auf Gras weiter, und man vergisst das hier ein bisschen“, meinte Federer, “ich werde auf jeden Fall in Halle spielen, wo ich die letzten zwei Jahre ja gefehlt habe. Ich freue mich darauf.“

dpa

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